HOME

Ölpest im Golf von Mexiko: Alarm auf Bohrinsel offenbar deaktiviert

Beinahe täglich sorgt Öl-Multi BP für neues Kopfschütteln: Nun gab ein Cheftechniker an, dass ein wichtiges Alarmsystem auf der gesunkenen Bohrplattform absichtlich abgestellt war - angeblich um die Mannschaft nicht zu wecken. Trotzdem will der Konzern die nächste Tiefseebohrung.

Auf der im Golf von Mexiko gesunkenen Ölplattform war nach Darstellung eines Technikers ein Notalarm mit Absicht abgestellt worden. "Die Manager der Ölplattform wollten nicht, dass die Mannschaft nachts um drei Uhr durch einen falschen Alarm geweckt wird", sagte Plattform-Cheftechniker Mike Williams am Freitag vor US-Ermittlern. Der Alarm hätte die aufsteigende Wolke entflammbaren Methangases melden können, so Williams. Im Gegensatz zu Williams haben jedoch mehrere Mitarbeiter des Bohrturms gegenüber Ermittlern angegeben, Alarmsignale gehört zu haben. Transocean, das die Plattform für BP betrieb, teilte mit, der Alarm sei nach üblicher Praxis eingestellt gewesen.

Angesichts der verheerenden Ölkatastrophe vor der US-Küste forderte die Internationale Energieagentur (IEA) eine stärkere Überwachung der Ölmultis. "Wir brauchen neue Regeln und am dringlichsten eine bessere Überwachung der Ölkonzerne durch staatliche Aufsicht", sagte IEA-Chefvolkswirt Fatih Birol der "Berliner Zeitung". Birol sprach sich dennoch für neue Tiefseebohrungen aus.

Zur Zeit zwingt der Tropensturm "Bonnie" die Helfer im Golf von Mexiko ihren Kampf gegen die Ölpest vorerst zu stoppen. Einsatzleiter Admiral Thad Allen ordnete in der Nacht zum Freitag den Abzug der meisten Schiffe und Plattformen über dem ramponierten Bohrloch des BP-Konzerns an. Die Kappe, die das Ölleck am Meeresboden seit einer Woche erfolgreich abdichtet, soll derweil bis auf weiteres verschlossen bleiben - auch wenn eine Beobachtung wegen des Sturms ""Bonnie" dann nicht möglich ist.

BP will die nächste Tiefseebohrung

Einem Zeitungsbericht zufolge wird der britische Energiekonzern in wenigen Wochen mit einer Ölbohrung vor der libyschen Küste beginnen. Die Tiefseebohrung erfolge im Golf von Sirte, berichtete die "Financial Times" am Samstag. BP hatte die Rechte zur Erschließung des riesigen Öl- und Gasfeldes demnach 2007 erworben. Zuletzt hatte es Spekulationen gegeben, die Geschäfte des britischen Energiekonzerns mit Libyen könnten bei der vorzeitigen Freilassung des libyschen Lockerbie-Attentäters Abdelbasset Ali Mohammed el Megrahi aus schottischer Haft eine Rolle gespielt haben.

Um die Vorwürfe gegen BP zu prüfen, soll am Donnerstag kommender Woche eine Anhörung vor dem Ausschuss für auswärtige Angelegenheiten des US-Senats stattfinden. Unter anderem soll BP-Chef Tony Hayward befragt werden, der sich auch wegen des Umgangs des BP-Konzerns mit der Ölpest im Golf von Mexiko massiver Kritik ausgesetzt sieht.

Cameron dementiert Zusammenhang mit Lockerbie

Die schottische Regierung hatte den schwer krebskranken Megrahi, der als einziger Attentäter des Anschlags auf ein US-Linienflugzeug über der schottischen Kleinstadt Lockerbie im Jahr 1988 verurteilt worden war, vor elf Monaten aus humanitären Gründen begnadigt. Bei dem Anschlag waren 270 Menschen getötet worden, die meisten stammten aus den USA. Megrahis Freilassung löste vor allem dort Empörung aus.

Der britische Premierminister David Cameron wies Spekulationen über einen Zusammenhang zwischen Megrahis Freilassung und Geschäften des BP-Konzerns zurück. Das Unternehmen argumentiert, es habe sich bei der Regierung in London für eine Beschleunigung eines Abkommens über einen Gefangenenaustausch mit Libyen eingesetzt. Dabei sei es aber niemals spezifisch um den Fall Megrahi gegangen.

Reuters/AFP / Reuters