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Übernahmegerüchte: Springt der Puma bald für Frankreich?

Eigentlich sollte die Puma-Hauptversammlung am Mittwoch eine erfreuliche Angelegenheit werden: Die Dividende steigt, das Unternehmen ist erfolgreich. Doch Gerüchten zufolge greift ein französischer Luxuskonzern nach dem Sportartikelhersteller.

Bislang galt der Verlauf der Puma-Hauptversammlung an diesem Mittwoch (11. April) in Nürnberg als vorhersehbar: Die Aktionäre freuen sich über die von 2,00 auf 2,50 Euro angehobene Dividende, nehmen zufrieden die Erfolgsberichte des Vorstands zur Kenntnis und streben recht bald dem Büfett zu. Doch nun ist plötzlich für Spannung gesorgt: Branchengerüchten zufolge greift der französische Luxuskonzern PPR nach dem Herzogenauracher Sport- und Lifestyle-Anbieter.

Deal könnte noch vor der Hauptversammlung eingetütet werden

Noch vor der Hauptversammlung könnte das Geschäft über die Bühne gehen, will das "Wall Street Journal" in Erfahrung gebracht haben. Puma würde damit in eine Reihe rücken mit Luxusmarken wie Gucci und Yves Saint Laurent, die bereits zum Portfolio der französischen Holding Pinault-Printemps-Redoute (PPR) gehören. Sie ruht auf zwei Säulen: Einmal auf dem Luxussegment, zum anderen auf Handelsgruppen wie der Möbelgruppe Conforama oder der Elektromarktkette Fnac.

PPR-Chef ist François-Henri Pinault, Sohn des Industriemagnaten François Pinault, der als einer der reichsten Männer Frankreichs gilt und mit seiner Finanzholding Artemis hinter PPR steht. Die PPR-Holding, die Berichten zufolge den Großteil ihrer Umsätze bislang noch im Handel erzielt, will demnach den Schwerpunkt stärker auf den Luxussektor verlagern. François Pinault soll in diesem Zusammenhang kürzlich gesagt haben, er suche nach einer neuen Marke.

Beteiligte geben keinen Kommentar ab

Ebenso wie PPR hat auch Puma einen Kommentar zu dem angeblichen Deal bisher abgelehnt. Die Herzogenauracher haben darin Übung, denn der drittgrößte Sportartikelkonzern der Welt ist in der Vergangenheit schon mehrfach Objekt von Übernahmespekulationen gewesen. Meistens wurde dabei Weltmarktführer Nike als Interessent genannt.

In Schweigen hüllte sich bislang auch der Puma-Hauptaktionär Mayfair. Die Beteiligungsgesellschaft der Tchibo-Erben Günter und Daniela Herz war im Mai 2005 bei den Herzogenaurachern eingestiegen und hält derzeit eine Sperrminorität von gut 25 Prozent. Günter Herz sitzt auch im Puma-Aufsichtsrat. Der Mayfair-Anteil wird sich durch die von Puma angekündigte Einziehung von 1,27 Millionen eigenen Anteilsscheinen sogar noch auf 27 Prozent erhöhen. Puma hatte die Aktien in den vergangenen Monaten aufgekauft. Auf der Hauptversammlung sollen die Aktionäre einem neuen Aktienrückkaufsprogramm zustimmen.

Puma erhält neuen Aufsichtsratschef

Sollte PPR mehr als 30 Prozent an Puma erwerben, so müssten die Franzosen nach deutschem Aktienrecht den übrigen Anteilseignern ein Übernahmeangebot machen. An der Börse wird Puma mit derzeit mehr als fünf Milliarden Euro bewertet. Konzernchef Jochen Zeitz hat das fränkische Unternehmen in den vergangenen Jahren steil nach oben geführt und zu einer der begehrtesten Marke der Welt gemacht. Der konsolidierte Umsatz lag 2006 bei 2,37 Milliarden Euro, der Konzerngewinn betrug 263 Millionen Euro. Die im MDAX notierte Aktie stieg dank der jüngsten Gerüchte zuletzt um mehr als 10 Prozent auf den Jahreshöchststand von 314,25 Euro.

Für neuen Wind wird auf jeden Fall ein neuer Aufsichtsratschef sorgen: Der bisherige Vorsitzende des Gremiums, der Hamburger Rechtsanwalt Werner Hofer, stellt sich nicht mehr zur Wahl. Das geht aus den Unterlagen zur Aktionärsversammlung hervor. Sein Nachfolger soll einem Bericht der Zeitung "Die Welt" (Dienstag) zufolge Johann C. Lindenberg werden, bis Sommer 2005 Deutschlandchef des Konsumgüterherstellers Unilever. Er gehört dem Gremium bislang nicht an. Puma-Hauptaktionär Günter Herz will seinen Sitz im Aufsichtsrat behalten, strebt dem Bericht zufolge aber nicht den Vorsitz an. Jedoch soll einer seiner bisherigen Geschäftsführer, Rainer Kutzner, in dem Gremium durch Hinrich Stahl ersetzt werden, der ebenfalls für die Vermögensverwaltung der Herz-Familie tätig ist.

Stephan Maurer/DPA / DPA