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Lust am Reichtum: Luxus boomt

Egal, ob Handtaschen, Uhren oder Schmuck: Das Geschäft mit Luxusgütern hat derzeit Konjunktur. Grund dafür ist die steigende Nachfrage vor allem in China, Russland und Indien - wo Luxus noch als schick gilt.

Von Susanne Amann

Als der Luxuskonzern PPR am Donnerstag seine Zahlen vorstellte, gab der Aktienkurs erst einmal nach, denn die Analysten hatten ein besseres Ergebnis erwartet. Wer die Zahlen des französischen Edelmarkenkonzerns - zu ihm gehören Marken wie Gucci und Yves Saint Laurent - jedoch genauer betrachtet, sieht, dass er in einem Segment voll im Trend liegt: Bei seinen Luxusgütern verzeichnete der Konzern einen Anstieg des operativen Gewinns von satten 70 Prozent - sie entwickeln sich damit genauso gut wie bei anderen Herstellern. Denn das Geschäft mit dem Luxus boomt. Ob die Hersteller Luis Vuitton, Richemont oder PPR heißen, sie alle verzeichnen derzeit Wachstumsraten im mittleren bis hohen zweistelligen Bereich. Und das scheint vorerst auch so zu bleiben.

Zahl der Reichen steigt

Die Umstände sind gut: Nach dem Ende Juni veröffentlichten World Wealth Report (WWR) ist die Zahl der vermögenden Investoren weltweit um 6,5 Prozent gestiegen. Insgesamt gibt es inzwischen 8,7 Millionen so genannter HNWIs - High Net Worth Individuals, also Privatanleger mit einem Finanzvermögen von mehr als einer Million Dollar. Die Millionäre besitzen insgesamt geschätzte 33.300 Milliarden Dollar.

Es ist genau diese Zielgruppe, auf die es Luxusgüterkonzerne wie der Branchenführer LVMH, Richemont oder PPR abgesehen haben. Und da laut WWR die Zahl der Wohlhabenden vor allem in den Schwellenländern in Asien steigt, erstaunt es auch nicht, dass sie die Länder sind, die für die Luxusgüterkonzerne interessant sind. "Während in Westeuropa und in Japan das langfristige Wachstum wegen der bereits hohen Marktdurchdringung unterdurchschnittlich ausfallen wird, ist das Wachstum in den "neueren" Märkten wie China oder Russland, aber auch im noch unterentwickelten US-Luxusgütermarkt attraktiv", heißt es in einer Studie der Züricher Kantonalbank.

Luxus hat hohe Anziehungskraft

Die Zahl der HNWIs steigt vor allem in Asien und Russland: allein in Indien 2005 um 19,3 Prozent, von 70.000 auf 83.000. In den boomenden Volkswirtschaften ist zugleich die Neigung besonders ausgeprägt, sich mit luxuriösen Statussymbolen aus Europa zu schmücken. Der Preis spielt dabei die geringste Rolle.

"Es gibt inzwischen einen wohlhabenden Mittelstand in China, in Indien und Russland, auf die Luxusgüter eine hohe Anziehungskraft haben", sagt Harald Münzberg von der Unternehmensberatung Capgemini. Dieser Wohlstand werde zunehmen und die Wünsche und Sehnsüchte würden sich dem Westniveau angleichen. "Der Traum nach einer teuren Uhr oder einer Tasche lässt sich dann immer noch schneller erfüllen als etwa eine Immobilie."

Lust an der Öffentlichkeit

Dazu kommt: In Deutschland, aber auch in anderen europäischen Ländern ist den Reichen im Zuge von Geiz-ist-geil-Werbekampagnen und Neiddebatten die Lust auf Luxus vergangen. "Die Wohlhabenden hier scheuen die Öffentlichkeit", sagt Münzberg, "das ist in Osteuropa und China anders." Während etwa in Deutschland Understatement zum guten Ton gehört, will man in anderen Regionen seinen Wohlstand zeigen.

Wie groß diese neuen Märkte tatsächlich sind, ist bislang allerdings noch unklar. Zwar eröffnet etwa LVMH jährlich zwei bis drei neue Geschäfte in China und verzeichnet ein Umsatzwachstum von 50 Prozent. Gleichzeitig ist der Umsatzanteil der Luxusgüterhersteller nach Schätzungen der Züricher Kantonalbank immer noch eher gering und bewegt sich zwischen ein bis drei Prozent.

Hohe Importzölle bremsen noch

Ein Grund sind neben der mangelnden Infrastruktur die hohen Importzölle - weshalb viele der Handtaschen und Uhren von Touristen gekauft werden. Genau hier liegt die Zukunft, denn die World Tourism Organisation schätzt, dass es bis 2020 rund 100 Millionen chinesischer Touristen geben wird. Zum Vergleich: Heute gibt es rund 17 Millionen japanische Touristen.

Das bestätigt auch Harald Münzberg: "International zieht das Geschäft schon heute an, was vor allem daran liegt, dass die Amerikaner und die Asiaten ihre Reisetätigkeit wieder aufgenommen haben." Die Gründe für den Umsatzeinbruch, den die Branche in den Jahren von 2000 bis Ende 2004 hinnehmen musste, hatten alle mit fehlenden Touristen zu tun. Die Terrorangst, die Lungenseuche Sars und nicht zuletzt der Krieg im Irak hatte vor allem die kaufkräftige Kundschaft aus Asien daran gehindert, sich auf Reise- und Shoppingtour zu begeben.

Angst vor "weltweiter Vogelgrippehysterie"

Was die eigentlich gute Prognose für 2006 denn auch hemmen könnte, listet die Studie der Züricher Kantonalbank ziemlich deutlich auf. "Mögliche Störfaktoren", heißt es da, "sind eine unerwartete Konjunktureinschwächung in den USA, ein schlechteres Börsenumfeld oder eine weltweite Vogelgrippehysterie und geopolitische Ereignisse, die den für die Branche wichtigen Tourismus lähmen würden."