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Übernahmeangebot: Luxuskonzern gönnt sich Puma

Der französische Luxuskonzern PPR greift nach dem Sportartikelhersteller Puma: Nachdem Hauptaktionär Mayfair bereits seinen Anteil von 25,4 Prozent verkauft hat, soll nun den restlichen Aktionären ein Angebot gemacht werden.

Gemunkelt wurde in Branchenkreisen darüber schon länger, dann machten die Tchibo-Erben Günter und Daniela Herz Nägel mit Köpfen. Ihre Beteiligungsgesellschaft Mayfair, gleichzeitig Puma-Hauptkationär, hat ihr Aktienpaket in Höhe von rund 25,14 Prozent an die Sapardis, eine fast 100-prozentige Tochtergesellschaft von Pinault-Printemps Redoute (PPR), zum Preis von 330 Euro je Aktie verkauft. Den Puma-Aktionären solle darüber hinaus ein freiwilliges öffentliches Übernahmeangebot zum Preis von ebenfalls 330 Euro pro Anteilsschein gemacht werden - ein Aufschlag von fünf Prozent zum Puma-Schlusskurs vom Donnerstag. Der aktuelle Aktienkurs des Herzogenauracher Unternehmens war jedoch am Dienstag nach Bekanntwerden des Übernahmeangebots mit einem Plus von knapp 10 Prozent bereits auf über 345 Euro angestiegen.

Puma und PPR sind "ideale Partner"

Der Puma-Vorstand hat das Übernahmeangebot durch den französischen Luxusgüterkonzern Pinault-Printemps-Redoute offiziell begrüßt und will es den Aktionären zur Annahme empfehlen."Der Vorstand ist davon überzeugt, dass PPR als einer der internationalen Top-Konzerne im Bereich Mode und Handel der ideale Partner für eines der führenden Sportlifestyle-Unternehmen wie Puma ist", sagte Puma-Chef Jochen Zeitz. "Beide Unternehmen haben europäische Wurzeln und ergänzen sich im Hinblick auf ihre globale Ausrichtung exzellent", fügte Zeitz hinzu.

Nach Angaben von Puma hat PPR inzwischen zugesichert, das Management des deutschen Herstellers unverändert lassen zu wollen. "Im Rahmen der geplanten Transaktion sind keine Veränderungen im Bereich Personal vorgesehen", hieß es. Es sei der Wunsch des neuen französischen Mehrheitsaktionärs, dass Vorstand, Management und Mitarbeiter von Puma auch weiterhin an der erfolgreichen Umsetzung der Unternehmensstrategie arbeiteten.

Erster Kurssprung am Donnerstag

Günther und Daniela Herz, deren Familie den Einzelhändler und Kaffeeröster Tchibo kontrolliert, waren 2005 mit Mayfair bei Puma eingestiegen. Schon am Donnerstag vor Ostern hatte es an der Frankfurter Börse Spekulationen gegeben, PPR wolle den zweitgrößten deutschen Sportartikelanbieter nach Adidas kaufen. Die im MDax notierten Puma-Aktien hatten deshalb um mehr als zehn Prozent zugelegt.

PPR-Chef ist François-Henri Pinault, Sohn des Industriemagnaten François Pinault, der als einer der reichsten Männer Frankreichs gilt. Er geriet erst kürzlich ins Visir der Presse, als seine Verlobung mit Hollywood-Star Salma Hayek bekannt wurde. Die beiden erwarten im Spätsommer ihr erstes gemeinsames Kind. Zu PPR gehören Luxusmarken wie Yves Saint Laurent und Gucci. Zu Gucci wiederum gehören etwa die Designer Alexander McQueen, der bereits Schuhe für Puma kreierte, oder Stella McCartney, die unter anderem Sportmode Adidas entwirft.

PPR will Luxusmarken stärker betonen

Pinault steht mit seiner Finanzholding Artemis hinter PPR, die Berichten zufolge den Großteil ihrer Umsätze bislang noch im Handel erzielt, will demnach den Schwerpunkt stärker auf den Luxussektor verlagern. François Pinault soll in diesem Zusammenhang kürzlich gesagt haben, er suche nach einer neuen Marke. PPR hatte Anfang des Jahres bekräftigt, mit 1,5 Milliarden Euro flüssigen Mitteln genug Geld für eine mittelgroße bis große Übernahme zu haben. Zudem hat der Konzern ungenutzte Kreditlinien von fast fünf Milliarden Euro.

Puma wird seit längerem als Übernahmekandidat gehandelt. Als Interessent galt unter anderem Weltmarktführer Nike. Trotz der Fußball-WM im eigenen Land hatte Puma 2006 wegen Investitionen in die eigene Marke und Werbekosten für das Großereignis weniger verdient als ein Jahr zuvor. Im laufenden Jahr will der weltweit drittgrößte Sportartikelhersteller zwar wieder Rekordmarken beim Gewinn erzielen. Der Umsatz solle nach den zuvor üblichen zweistelligen Wachstumsraten aber nur noch um einen mittleren bis höheren einstelligen Prozentsatz wachsen.

AP/Reuters / AP / Reuters