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Umstrittene Ratings: Standard & Poor's-Boss tritt ab

Die Ratingagentur Standard & Poor's stufte die Kreditwürdigkeit der USA herab und steht dafür massiv in der Kritik. Dass ihr Chef jetzt seinen Hut nimmt, soll jedoch andere Gründe haben.

Der Chef der in der Kritik stehenden Ratingagentur Standard & Poor's, Deven Sharma, tritt ab. Der 55 Jahre alte Manager werde Mitte September von Douglas Peterson (53) abgelöst und scheide zum Jahresende aus dem Unternehmen aus. Das teilte der Mutterkonzern McGraw-Hill am Montagabend (Ortszeit) in New York mit. Konkrete Gründe wurden nicht genannt: Es hieß, Sharma sei "bereit zu neuen Herausforderungen" gewesen. Medienberichten zufolge könnten jedoch Konflikte mit zwei neuen Großaktionären von McGraw-Hill dabei eine Rolle gespielt haben.

Standard & Poor's steht neben den anderen zwei großen, angelsächsisch geprägten Ratingagenturen Moody's und Fitch seit der Finanzkrise 2008 unter Druck. Den Unternehmen wird vorgeworfen, Bestnoten für Wertpapiere vergeben zu haben, in denen hochriskante Immobilienkredite gebündelt waren. Vor wenigen Wochen wurde Standard & Poor's auch für seine Herunterstufung der Top-Bonität der USA kritisiert. Die Entscheidung war mitverantwortlich für den Kurssturz an den Börsen weltweit.

Neuer Chef kommt von der Citibank

Der Wechsel an der Unternehmensspitze habe jedoch schon vor der umstrittenen US-Herabstufung am 5. August festgestanden, berichtete das "Wall Street Journal" online unter Berufung auf Kreise. Der künftige Chef - offiziell "Präsident" - Peterson hatte bisher eine führende Position bei der US-Bank Citibank inne. Sharma hatte den Spitzenposten bei Standard & Poor's im August 2007 übernommen und war zuvor im Mutterkonzern tätig gewesen.

Der Medienkonzern McGraw-Hill hat verschiedene Sparten und verlegt unter anderem Schulbücher. Die profitable Ratingagentur gilt als Perle des Konglomerats. Zwei neue Großaktionäre, ein kanadischer Pensionsfonds für Lehrer und der Hedge-Fonds Jana Partners, hatten die Struktur des Unternehmens kritisiert und das Management zu Änderungen aufgefordert. Am Montag sprachen sich die Investoren, die zusammen 5,2 Prozent der Anteile halten, nach einem Bericht der Nachrichtenagentur Bloomberg konkret für eine Aufspaltung in vier Teile aus.

Aufspaltung soll Unternehmenswert steigern

Nach Einschätzung von Branchenbeobachtern könnten einzelne Geschäftsbereiche wie Standard & Poor's nach einer Aufspaltung zusammengerechnet mehr wert sein als der börsennotierte Mischkonzern heute. McGraw-Hill hatte auf die Kritik bereits reagiert und unter anderem Verkäufe von Sparten in die Wege geleitet. Auch denke man darüber nach, was eigentlich der "strategische Kern" des Unternehmens sei, hatte es in einer Mitteilung vom Anfang des Monats geheißen.

iml/DPA / DPA