In den Supermärkten gibt es nach Branchenangaben nun auch bei Rindfleisch Bewegung zu mehr Produkten mit höheren Tierhaltungsstandards. Nach der im Handel eingeführten Kennzeichnung ging der bisher hohe Anteil zurück, der aus Ställen nur mit gesetzlichen Mindestanforderungen stammt. Bei Rindfleisch aus dem SB-Regal kamen nach neuen Daten für 2024 noch 62,4 Prozent aus der untersten Haltungsstufe 1 - nach 75,6 Prozent im Jahr zuvor. Das teilte die Trägergesellschaft zur Agrarmesse Grüne Woche in Berlin mit.
Außerdem legte in den Kühlregalen demnach der Rindfleisch-Anteil der Stufe 3 mit mehr Platz und weiteren höheren Anforderungen von 5,6 auf 16,7 Prozent zu. In den Bedientheken wuchs der Anteil von Rindfleisch der Stufe 3 auf 34,7 Prozent, der Anteil von Stufe 1 sank auf 42,2 Prozent. Die Entwicklung zeige, dass Landwirte und Handel bereit seien, Schritte für mehr Tierwohl zu gehen, wenn die Verbrauchernachfrage dies rechtfertige, hieß es zur Begründung.
Kennzeichnung mit fünf Stufen
Die seit 2019 bestehende freiwillige Kennzeichnung der Supermarktketten mit dem Aufdruck "Haltungsform" gilt für Fleisch und verarbeitete Produkte von Rind, Schwein und Geflügel sowie für Milchprodukte. Nach einer Angleichung an ein künftiges staatliches Tierhaltungslogo hat es auf den Etiketten in Rot, Blau, Orange, Hellgrün und Dunkelgrün inzwischen die Zahlen 1 bis 5 für fünf Stufen mit wachsenden Anforderungen an die Bedingungen der Tierhaltung. Der Start des staatlichen Pflicht-Logos zunächst für Schweinefleisch ist für 2027 geplant.
Nach der privaten Kennzeichnung gibt es in den SB-Regalen praktisch kein Geflügelfleisch der untersten Stufe 1 mehr. Es dominiert weiterhin Stufe 2 mit 88,6 Prozent bei Hähnchenfleisch - und 78,0 Prozent bei Putenfleisch, bei dem der Anteil der Stufe 3 nun von 5,3 Prozent auf 18,6 Prozent zulegte. Die Angaben beziehen sich auf Frischfleisch und Zubereitungen wie Hackfleisch der Eigenmarken des Handels, die einen Großteil des Angebots ausmachen.
Neue Anreize für Bauern starten
Auch bei Schweinefleisch im SB-Regal stammt der Großteil weiter aus Stufe 2 mit jetzt 86,3 Prozent. Der zuletzt gesunkene Anteil der untersten Stufe 1 wuchs nun wieder leicht von 1,5 auf 3,7 Prozent. Hintergrund seien normale Marktschwankungen, die durch Änderungen bei Haltungsvorgaben einmalig etwas verstärkt worden seien, hieß es zur Erläuterung von der Trägerin.
Der Anteil der höchsten Stufe 5 für Bio-Produkte liegt nun bei Rindfleisch aus dem SB-Regal bei 14,1 Prozent - bei Hähnchen sind es 4,8 Prozent, bei Schwein 4,3 Prozent und bei Putenfleisch 3,0 Prozent.
Angesichts der zunehmenden Bedeutung der Stufe 3 kommen für Bauern auch neue Anreize in Sicht. Die von Landwirtschaft, Fleischwirtschaft, Handel und Firmen der Gastronomie getragene "Initiative Tierwohl" startet 2026 zwei neue Programme mit Preisaufschlägen für zusätzliche Tierwohlanforderungen der Stufen 3 und 4. Am bestehenden Programm für Stufe 2 nehmen bisher rund 13.000 Betriebe teil. Abgedeckt werden damit den Angaben zufolge bei Rindern 20 Prozent des Marktes, bei Schweinen 60 Prozent und bei Geflügel 90 Prozent.