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Versandapotheken: DocMorris verlässt das Web

Kaum hat der niederländische Pillen-Versandhändler Doc Morris in Saarbrücken eine "richtige" Apotheke gekauft, laufen die Branchenverbände Sturm: Sie befürchten eine schlechtere Beratung der Kunden.

Mit Blick auf den Streit über den Kauf einer deutschen Apotheke durch die niederländische Versandapotheke Doc Morris hat der saarländische Gesundheitsminister Josef Hecken die Branche zu Reformen aufgefordert. "Auch Apotheker müssen sich von lieb gewonnenen Besitzständen trennen", sagte der CDU-Politiker der "Welt" vom Dienstag. In Saarbrücken klagt eine Apothekerin dagegen, dass Doc Morris am Ort eine erste Apotheke in Deutschland aufgemacht hat. Auch der Deutsche Apothekerverband und die Apothekerkammer des Saarlandes haben beim Verwaltungsgericht Saarlouis eine Klage dagegen eingebracht. Denn der Versandhändler verstößt nach Ansicht der Branchenverbände mit dem Apothekenbetrieb gegen das deutsche "Fremdbesitzverbot". Dagegen beruft sich die niederländische Firma auf die Niederlassungsfreiheit in der EU.

Minister frodert mehr Reformen

"Mit seiner Entscheidung stellt sich ein Landesminister bewusst gegen deutsches Recht, das nur approbierten Apothekern erlaubt eine Apotheke zu betreiben", kommentierte das Heinz-Günter Wolf, Präsident der Bundesvereinigung Deutscher Apothekerverbände (ABDA) heute in Berlin. Wolf forderte Hecken auf, die Erlaubnis sofort zurückzunehmen.

Doch der CDU-Minister bleibt bei seiner Entscheidung und geht noch weiter: Gerade bei der Arzneimittelversorgung könne laut Hecken Geld gespart werden, ohne die Versorgungsqualität zu mindern. Wenn beispielsweise der Eigentümer einer Apotheke nicht immer Apotheker sein müsste und auch Apothekenketten besitzen dürfte, könnte das nach seinen Worten "ein bis zwei Milliarden Euro Effizienzreserven heben."

Verbände befürchten geringere Medikamentenauswahl

Das saarländische Gesundheitsministerium hatte Ende Juni mit Hinweis auf geltendes EU-Recht der niederländischen Kapitalgesellschaft die Erlaubnis zum Apothekenkauf erteilt. Nach ABDA-Ansicht erklärt aber damit erklärt die Spitze einer Landesverwaltung den Willen des Bundesgesetzgebers für rechtswidrig und schafft entgegengesetzte Fakten: "Auch ein noch so ambitionierter Landesminister darf Gewaltenteilung und Rechtsstaatlichkeit nicht in Frage stellen", sagte Wolf.

Der Branchenverband unterstützt hingegen die geltende Rechtslage, nach der in Deutschland Apotheken nur von freiberuflich tätigen Pharmazeuten betrieben werden dürfen. Nur solche Apotheker würden ihre Kunden in Bezug auf das gesamte Spektrum der Arzneimittel wirklich unabhängig beraten. Würden Apotheken aber von Kapitalgesellschaften betrieben, befürchtet der ABDA auch eine steigende Gefahr, dass die Auswahl der Medikamente eingeschränkt wird.

spi/DPA / DPA