Versicherung Branche schmiedet Rettungsplan für Mannheimer


Die endgültige Entscheidung des BaFin steht zwar noch aus, aber die deutsche Versicherungswirtschaft will die schwer angeschlagene Mannheimer-Gruppe mit einer Finanzspritze von 370 Millionen Euro retten.

Die deutsche Versicherungswirtschaft will die schwer angeschlagene Mannheimer-Gruppe retten. Wie die "Financial Times Deutschland" (FTD) berichtete, verständigten sich das Präsidium und der Hauptausschuss Lebensversicherung des Gesamtverbandes der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) darauf, die Mannheimer mit insgesamt 370 Millionen Euro zu stützen. Die Unternehmen sollen entsprechend ihrer Marktanteile zahlen. Eine GDV-Sprecherin wollte den Bericht nicht kommentieren.

Mannheimer kommentiert nicht

Ein Sprecher der Versicherungsgruppe Mannheimer AG wollte den Bericht ebenfalls nicht kommentieren. Eine Entscheidung der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) stehe noch aus. Die BaFin will sich nach Angaben aus Behördenkreisen am kommenden Freitag erneut mit dem Thema Mannheimer befassen.

Experte: "Sinnvoller Weg"

Nach Einschätzung des Versicherungsexperten Manfred Poweleit ist die geplante Rettungsaktion ein sinnvoller Weg. Damit wende die Branche Schaden von dem Image des Produktes Lebensversicherung ab. Es sei ein gutes Zeichen, dass die Branche eine Lösung außerhalb Protektors gefunden habe. "Protektor ist noch frei", sagte der Herausgeber des Versicherungs-Branchendienstes "map-Report" dem Tagesspiegel (Donnerstagausgabe). Die vor Kurzem gegründete Auffanggesellschaft soll die Verträge von Pleite-Versicherungen übernehmen. Protektor habe nur begrenzte Kapazitäten, sagte Poweleit: "Je später von Protektor Gebrauch gemacht wird, desto besser".

Ohne Hilfsaktion käme Schließung

Die 370 Millionen Euro beruhen laut Bericht auf den letzten Schätzungen einer Arbeitsgruppe, die sich mit dem Rettungsplan beschäftigt hat. Im 15-köpfigen Präsidium sitzen die Spitzen der deutschen Assekuranz, darunter Münchener-Rück-Chef Hans-Jürgen Schinzler, Walter Thießen, Chef von AMB Generali, und die Allianz-Vorstände Reiner Hagemann und Gerhard Rupprecht. Ohne die Hilfsaktion müsste die Finanzaufsicht BaFin die Mannheimer schließen, die Verträge würden in die Auffanggesellschaft Protektor wandern. Dabei würden hohe Kapitalisierungs- und Anlaufkosten anfallen, zu deren Übernahme sich alle Lebensversicherer verpflichtet haben. Die Befürworter der Mannheimer-Rettung eint auch der Optimismus, dass keine weiteren deutschen Lebensversicherer mehr in Schieflage kommen.

Brutal verspekuliert

Die Mannheimer hatte sich unter dem zurückgetretenen Konzernchef Hans Schreiber an der Börse verspekuliert. Die österreichische Uniqa hält 13 Prozent, die Münchener Rück 10 Prozent, sechs weitere Versicherer jeweils unter fünf Prozent an dem angeschlagenen Unternehmen. Mehr als 90 Prozent der deutschen Lebensversicherer dürften bei der Rettungsaktion mitmachen. Sie zahlen laut FTD dabei entsprechend des Anteils ihrer Kapitalanlagen an denen des Gesamtmarktes. Für den Marktführer Allianz etwa bedeute dies das, dass er rund 20 Prozent - etwa 75 Millionen Euro - aufbringen muss.

Quasi-Enteignung der Aktionäre

Das Geld für die Mannheimer soll auf drei Wegen fließen. Rund 130 Millionen Euro sollen aus einer Kapitalerhöhung mit Kapitalschnitt kommen. Als Folge wären die Aktionäre fast enteignet, wenn sie nicht selbst frisches Geld einschießen. Der größte Teil der restlichen 240 Millionen Euro soll aus der Ausgabe von nachrangigem Genussscheinkapital stammen. Zudem sei immer noch eine Vorfinanzierung künftiger Gewinne aus der Lebensversicherung auf dem Weg der Rückversicherung im Gespräch.


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