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Waffenmarkt: Flinten für Frauen

Gedrungene Griffe für kleine Hände und Transporttaschen nach weiblichen Vorlieben - Waffenhersteller haben das mutmaßlich schwache Geschlecht entdeckt. "Lady-Waffen" entwickeln sich zum neuen Trend.

Lange Zeit waren Hoch- und Schießstände eine reine Männerdomäne, Frauen bei der Jagd und in Schützenvereinen eher verpönt. Doch das soll sich nach Vorstellungen der deutschen Jagd- und Sportwaffenhersteller ändern. Unter dem Druck sinkender Inlandsumsätze haben die Hersteller das mutmaßlich schwache Geschlecht entdeckt - und bereits mit einer Erweiterung ihres Sortiments darauf reagiert. "Frauengerechte Waffen" heißt der Trend, auf den Besucher bei der am Freitag in Nürnberg eröffneten viertägigen Waffenmesse IWA & OutdoorClassics an vielen Ständen stoßen.

Potenzial längst noch nicht ausgeschöpft

Nach Einschätzung von Branchenkennerin Margret Spindler stellen Frauen vor allem für den Fachhandel eine Chance dar. Das liege auch am Sinneswandel vieler Schützenvereine, die seit einiger Zeit um Frauen werben, berichtet die Herausgeberin der Fachzeitschrift "Waffenmarkt intern". Nach Auskunft des Deutschen Schützenbundes (DSB) stellen Frauen inzwischen rund ein Fünftel der 1,6 Millionen Vereinsmitglieder. Die damit verbundenen Umsatzpotenziale seien längst noch nicht ausgeschöpft, schätzt man in der Branche.

So präsentieren Hersteller erstmals in größerem Umfang Jagdgewehre und Schrotflinten mit kleineren Schäften, verstellbaren Schaftkappen und angepassten Griffen. Auch für den Transport der Waffen haben Hersteller Taschen den weiblichen Vorlieben angepasst. Ein Gehörschutzhersteller bietet nach einer Anregung des Deutschen Schützenbundes inzwischen sogar Gehörschutz für Mutter und Kind an. Schließlich brächten immer mehr Frauen zum Schießtraining gleich ihre Jüngsten mit, berichtet die DSB-Frauenbeauftragte Renate Koch.

Einen Hinweis, wohin der Trend bei den frauengerechten Waffen geht, lieferte zum Messeauftakt der Gummersbacher Waffenimporteur Manfred Kind. Die von ihm präsentierte "Lady-Waffe" des US- Herstellers Smith & Wesson zeichnet sich durch einen gedrungenen Griff aus, damit auch kleine Frauenhände sie problemlos umfassen können. Statt der sonst üblichen Brünierung verleiht mattes Silber der tödlichen Waffe einen Hauch von Eleganz, der sie schmuckstückgleich zum Objekt weiblicher Begierde machen soll. In dem bordeaux-rot-grauen Reisverschlusstäschchen wirkt die Pistole harmlos wie ein Reisefön.

Produkte zur Deeskalation im Vordergrund

Auch die Hersteller von Selbstschutzartikeln sehen in Frauen einen interessanten Wachstumsmarkt. Dabei stehen nach Darstellung von Björn Dräger von der Firma Hofmann (Mellrichstadt) Produkte zur Deeskalation immer mehr Vordergrund. Ein Beitrag hierzu solle eine neue neuartige Taschenlampe leisten: Mit einem grell blinkenden Stroboskoplicht soll sie Angreifer so stark blenden, dass diese orientierungslos von ihrem Opfer ablassen und flüchten. Neu sind auch Pfeffersprays fürs das Mountainbike oder den Schlüsselbund. "Es nutzt nichts, wenn solche Sprays in Frauenhandtaschen verwühlt sind", meint der Firmenvertreter.

Klaus Tscharnke/DPA / DPA
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