HOME

Erfurter Artenschutzbeamter abberufen: Elefantenjäger hat sich abgeschossen

Der Artenschutz mit der Flinte hat den Elefanten-Jäger aus Erfurt den Job gekostet. Der Spitzenbeamte des Landesumweltministeriums wurde versetzt und darf sich nicht mehr um bedrohte Tiere kümmern.

Der leitende Beamte Udo W. hat sich hauptamtlich um bedrohte Tiere gesorgt, in der Freizeit aber seiner Jagdleidenschaft gefrönt. Beides passt nicht zusammen, urteilte Minister Jürgen Reinholz (CDU). Er habe den Beamten von seiner Funktion als Zentralabteilungsleiter entbunden und "ihm mit sofortiger Wirkung eine Aufgabe außerhalb des Ministeriums" zugewiesen, so die Behörde in Erfurt. Der Beamte werde in die untergeordnete Landesanstalt für Landwirtschaft versetzt und dort ebenfalls eine leitende Tätigkeit übernehmen, sagte Ressortsprecher Andreas Maruschke.

Minister Reinholz zog mit der Maßnahme die Notbremse, um eine für das Ministerium peinliche Diskussion zu beenden. Seit Tagen sorgte die Jagdleidenschaft des Spitzenbeamten für wütende Kritik. Im Dezember 2013 flog Udo W. um die halbe Welt, damit er im Naturschutzgebiet in Botswana einen Elefantenbullen zur Strecke bringen konnte. Der Bulle wird zwar durch Artenabkommen geschützt, die Jagd war aber vollkommen legal. Überall auf der Welt lassen Naturschutzreservate überzählige und alte Tiere begehrter Rassen von Jagdverrückten abschießen, weil sie damit gute Einnahmen erzielen. Die Motivation der Parks ist daher verständlich, die Geisteshaltung der Schützen weniger.

Pikant allerdings: Udo W. war zu diesem Zeitpunkt im Thüringer Umweltministerium noch für den Artenschutz zuständig. Irgendeine Sensibilität ließ er nicht erkennen. Wäre er einfach auf die Pirsch gegangen, hätte den Fehltritt sicher niemand bemerkt. Udo W. musste sich aber selbst als Großwildjäger outen und die Trophäenfotos von sich und "seinem" Bullen an Mitarbeiter des Ministeriums schicken. Stolz beschrieb er seine Beute in der Mail: Gewicht fünf Tonnen, Länge der Stoßzähne 69 bis 72 Zentimeter. Dazu gab es eine Schilderung des strapaziösen Jagdausflugs.

Im Ministerium hingegen waren einige Mitarbeiter über den Großwildjäger im Chefsessel nicht erfreut und leiteten die Mail an die Grünen weiter. Gegenüber der "Thüringer Allgemeinen" räumte W. später die Elefantenjagd ein. Er zeigte sich aber keineswegs reuevoll. Auch konnte er den Widerspruch zwischen Tierschutz und reiner Jagdfreude nicht erkennen und rechtfertigte sein Jagdvergnügen: "Natürlich ist das für mich kein Problem", sagte er. "Ich gehe doch keinem illegalen Hobby nach." In der Zeitung vermutete er Neider und Feinde hinter der Indiskretion, die ihm schaden wollten.

Für Tierschützer war seine Tat unverzeihlich. Die normale Jagd im Revier ist gesetzlich geregelt und gehört zu einem System der Hege und Pflege. Eine Touristenjagd im Naturschutzgebiet frönt dagegen allein der Lust am Abschuss des Tieres.

Von Gernot Kramper