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Warnstreiks: Briefträger im Arbeitskampf

Briefkästen blieben leer, Pakete werden nicht ausgeliefert. Die Gewerkschaft Verdi kündigte an, dass die rund 130.000 Postbeschäftigten am Dienstag in den Warnstreik treten werden. Besonders betroffen: "ausgewählte Ballungsräume" in Köln, Bonn und Essen.

In vielen Großstädten bleiben am (morgigen) Dienstag die Briefkästen leer. Nach der Vertagung der Tarifverhandlungen für die 130.000 Tarifbeschäftigten der Deutschen Post AG am vergangenen Wochenende ruft die Gewerkschaft Verdi die Beschäftigten nun zu befristeten Streiks auf. Betroffen sind die Brief- und Paketdienste in bundesweit ausgewählten Ballungsräume, darunter in Nordrhein-Westfalen Köln, Bonn und Essen, wie ver.di am Montag mitteilte. Auch in den folgenden Tagen muss mit weiteren Streikmaßnahmen gerechnet werden, wie eine Verdi-Sprecherin sagte. Dabei würden aber immer andere Schwerpunkte in anderen Städten gesetzt.

Streiks auch in den kommenden Tagen

Die Verhandlungen über Beschäftigungssicherung und Arbeitszeit waren am Wochenende ergebnislos auf den 9. April vertagt worden. Verdi will den Ausschluss betriebsbedingter Kündigungen bis 30. Juni 2011 verlängern. Der entsprechende Tarifvertrag läuft am (heutigen) Montag aus. Zugleich fordert die Gewerkschaft für die Tarifkräfte zehn Arbeitszeitverkürzungstage pro Jahr, um die "arbeitsplatzvernichtende Wirkung" der Arbeitszeitverlängerung für die 55.000 Postbeamten von 38,5 auf 41 Stunden auszugleichen.

Nach fast zwölfstündigen Verhandlungen bis zum späten Freitagabend hatte die Post angeboten, die Vereinbarungen des Beschäftigungspakts bis 30. Juni zu verlängern, auf betriebsbedingte Kündigungen zu verzichten und die für Beamte ab 1. April geltende längere Arbeitszeit zunächst nicht abzufordern. Ver.di will dennoch streiken: "Wir brauchen ein ernsthaftes, verhandlungsfähiges Angebot", erklärte die stellvertretende Verdi-Chefin Andrea Kocsis.

Streiks im Einzelhandel wahrscheinlich

Die Verdi-Tarifkommission beriet am Montag zudem über mögliche Streiks im Einzelhandel. Die Gewerkschaft hatte am Freitag die Tarifverhandlungen für die rund 400.000 Beschäftigten in Nordrhein-Westfalen für gescheitert erklärt. Die Beratungen über das bundesweite Vorgehen dauerten am Nachmittag noch an. Verdi hatte die Verhandlungen im nordrhein-westfälischen Einzelhandel bereits im September 2007 für gescheitert erklärt. Seitdem kam es immer wieder zu Streiks.

Nach zehn Auftaktverhandlungen auf regionaler Ebene beginnen am Dienstag in Hannover die Chemie-Tarifverhandlungen auf Bundesebene. Die Gewerkschaft IG BCE fordert eine Tariferhöhung um sieben Prozent, ein Anschlussabkommen für den Tarifvertrag "Zukunft durch Ausbildung" sowie einen neuen Tarifvertrag zur Gestaltung der Lebensarbeitszeit. 2007 hatten sich die Tarifparteien auf ein Einkommensplus von 3,6 Prozent, eine Einmalzahlung von 0,7 Prozent für 13 Monate sowie eine weitere Zahlung von 70 Euro geeinigt.

Tarifverhandlungen für Klinikärzte

Und noch eine weitere Tarifrunde gibt es in dieser Woche: In Wiesbaden treffen sich am Donnerstag und Freitag die Ärztegewerkschaft Marburger Bund und die Vereinigung kommunaler Arbeitgeberverbände zur 5. Runde der Tarifverhandlungen für die rund 55.000 Ärzte in den kommunalen Kliniken.

AP / AP