Weltfinanzgipfel Was war eigentlich "Bretton Woods"?


Die Erwartungen an den Weltfinanzgipfel sind extrem hoch. Viele ziehen den Vergleich zurmWährungssystem "Bretton Woods", welches nach dem Zweiten Weltkrieg eingeführt wurde. Damals sollten fixe Wechselkurse den Welthandel stabilisieren und die Inflation eindämmen.

Der Weltfinanzgipfel am 14. und 15. November soll eine neue Finanzverfassung auf den Weg bringen. Vorbild könnten die Vereinbarungen von "Bretton Woods" aus dem Jahre 1944 sein, die den finanzpolitischen Rahmen für die turbulente Wachstumsphase der Jahre nach dem Zweiten Weltkrieg gesetzt hatten. Viele Politiker und Experten sprechen daher von einem "Bretton Woods II", das geschaffen werden soll. In der Kleinstadt Bretton Woods im US-Bundesstaat New Hampshire wurden im Juli 1944 wenige Monate vor dem Kriegsende das Welt-Finanzsystem neu geordnet und ein neues Regelwerk für das Welt-Währungsgeschehen gesetzt.

Die Architekten wollten Lehren aus der Hyperinflation und dem wirtschaftlichen Chaos der Vorkriegsjahre ziehen. Aus der Konferenz entstanden der Internationale Währungsfonds (IWF) und die Weltbank. 1999 folgte als weitere Kontrollsäule des Finanzsystems das Forum für Finanzstabilität.

Vormachtstellung der USA

Teilnehmer waren 44 Staaten, darunter die USA und Großbritannien als Hauptakteure . Die britische Delegation wurde vom Ökonomen John Maynard Keynes geleitet, dem Vater der antizyklischen Konjunkturpolitik auf Kosten zeitweise steigender Staatschulden.

Die Konferenz einigte sich auf ein System fester Wechselkurse. Neue Leitwährung wurde der US-Dollar, dessen Wert durch Gold unterlegt war. Für den Dollar wurde eine Parität von 35 Dollar pro Unze Gold fixiert. Die US-Notenbank verpflichtete sich dazu, Dollar jederzeit gegen Gold zu tauschen. Der Kurs der übrigen Währungen wurde fest am Dollar ausgerichtet. Die nationalen Notenbanken hatten die Aufgabe, diesen Kurs in einer Bandbreite von einem Prozent durch ihre Geldpolitik und Interventionen am Devisenmarkt abzusichern. Für den Ausnahmefall anhaltend großer Ungleichgewichte in der Zahlungsbilanz war eine Anpassung der Wechselkurse vorgesehen.

Die Vereinbarungen von Bretton Woods gaben faktisch allein den USA die Möglichkeit, ihre Geld- und Währungspolitik autonom zu betreiben und etwa den heimischen Konsum durch das Drucken zusätzlicher Dollar anzukurbeln. Das taten die USA Ende der 60er Jahre expansiv, um den Vietnam-Krieg zu finanzieren. Ihrer Pflicht, Dollarguthaben gegen Gold zu tauschen, konnten die USA dann Ende der 60er, Anfang der 70er Jahre nicht mehr nachkommen. 1971 kündigte sie diese Verpflichtung formal, 1973 wurde das System von Bretton Woods beerdigt. Es begann eine Zeit zunehmend flexibler Wechselkurse und schrittweise immer größerer Spielräume für das freie Marktgeschehen.

Die Flexibilität der Wechselkurse war in der Welt aber nicht grenzenlos. Wichtige Währungen in Schwellenländern wie China blieben am Dollar ausgerichtet. Das trug zu weiteren Ungleichgewichten bei. Einige Wissenschaftler bezeichnen diesen Wechselkurs-Mechanismus bereits als "Bretton Woods II".

DPA/Reuters

Internationaler Währungsfonds (IWF)

Heute ist der Fonds eine der mächtigsten Finanzorganisationen und hat 185 Mitgliedsländer. Sitz ist Washington. Der IWF überwacht weltweit die Finanzsysteme, um bei Zahlungsproblemen von Regierungen oder bei einem drohenden Staatsbankrott einzugreifen. Die Kredite sind meist an Auflagen wie die Sanierung der Staatsfinanzen geknüpft. Die USA sind mit rund 17 Prozent größter Anteilseigner, Deutschland mit etwa 6 Prozent. Bundespräsident Horst Köhler stand von 2000 bis 2004 als Geschäftsführender Direktor an der IWF-Spitze. In der Finanzkrise gewährte der IWF zuletzt der Ukraine, Ungarn und Island Milliarden-Kredite - im Gegenzug musste zum Beispiel Islands Zentralbank den Leitzins um sechs Punkte auf 18 Prozent anheben.

Weltbank

Die durch den Bretton Woods-Gipfel 1944 gegründete Weltbank ist der größte Geldgeber für Entwicklungshilfe. Schwerpunkte sind die Förderung von Infrastruktur, Privatwirtschaft und Umweltprojekten sowie der Kampf gegen Armut und Krankheiten. Insgesamt wurden dafür bislang mehr als 570 Milliarden Dollar ausgegeben. Viele Entwicklungsländer klagen über Auflagen, vor allem eine strikte Sparpolitik zulasten armer Bevölkerungsschichten. Kritisiert wird auch der Einfluss des wichtigsten Geberlandes USA.

Forum für Finanzstabilität

Das internationale Forum für Finanzstabilität (Financial Stability Forum) wurde 1999 auf Initiative der führenden sieben Industriestaaten (G7) gegründet. Das Gremium soll die Stabilität der Finanzsysteme stärken. Zu den Aufgaben des zweimal jährlich tagenden Forums gehört die Analyse der Lage an den Märkten, um Schwachstellen frühzeitig zu erkennen und Vorschläge zu deren Beseitigung auszuarbeiten. Vertreten sind dabei Australien, Deutschland, Frankreich, Großbritannien, Hongkong, Italien, Japan, Kanada, die Niederlande, die Schweiz (seit 2007), Singapur und die USA.


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