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WETTBEWERB: Kartellamt stoppt Lufthansa-Dumpingpreise

Im Flugverkehr purzeln die Preise, die Lufthansa fliegt plötzlich billig - aber das Kartellamt verbietet es. Die »Kampfpreise« waren nämlich nur gegen die Germania gerichtet.

Was auf den ersten Blick verlockend für Kunden wirkt, könnte längerfristig jedoch wieder zu einem Preisnachteil führen. Das hat Kartellamtspräsident Ulf Böge im Blick, der am Dienstag in Bonn die Entscheidung gegen die Billigtarife der Lufthansa auf der Strecke Frankfurt-Berlin begründete. Böge geht es darum, langfristig für mehr Wettbewerb am deutschen Himmel zum Frankfurter Giganten zu sorgen.

Nur gegen 'Germania' gerichtet

Die Lufthansa, die sich an anderer Front auch des irischen Billigfliegers Ryanair erwehren muss, wolle mit »Kampfpreisen« die neue Germania Fluggesellschaft mbH (Berlin) wieder als Konkurrenten vertreiben, erläuterte Deutschlands höchster Wettbewerbshüter. Außerdem besteht die Gefahr, dass die Lufthansa-Strategie eine »Abschreckungswirkung« auf anderen innerdeutschen Strecken hat und »irreparable Schäden« für den Wettbewerb verhindert werden müssen.

Beispiel Go-fly

»Die Entstehung weiteren Wettbewerbs würde auf Jahre hinaus blockiert«, betonte Böge. Und die Zeche für wenig Wettbewerb hat letztlich der Kunde zu zahlen: »Er hätte zwar einen begrenzten kurzfristigen Vorteil, würde aber auf Jahre hinaus geschädigt.« Nach einem Aus von Germania wäre damit zu rechnen, dass die Lufthansa ihre »Kampfpreise« wieder streicht, benannte Böge das Szenario. Dies hat die LH bereits nach dem Verdrängen des Billigfliegers Go-fly auf der Strecke München-London so praktiziert.

Der Kranich dominiert

Die Kranich-Linie übt ungeachtet des aufkommenden Wettbewerbs im innerdeutschen Verkehr mit rund 73 Prozent Marktanteil eine klare Dominanz aus. Aus dieser unangefochtenen marktbeherrschenden Stellung heraus kann die Lufthansa locker auch begrenzte Verlustpreise wegstecken. Für einen kleinen Marktneuling wie Germania, der bald auch andere Flugstrecken bedienen will, ist eine solche Strategie ruinös. Bei geringerer Auslastung als Folge des LH-Discounts fliegt sie bei einem Preis von 99 Euro für die einfache Strecke Frankfurt/am Main-Berlin in die roten Zahlen, wie auch Böge erläuterte.

Erstmals Konkurrenz

Als Germania im November 2001 zwischen der Bankenmetropole und der Bundeshauptstadt ihre Linienflüge aufnahm, bekam die Lufthansa auf dieser Strecke erstmals Konkurrenz. Sie senkte kurzerhand ihren Tarif um satte rund 60 Prozent auf 100 Euro (inzwischen rund 105 Euro) für die einfache Strecke.

Ticket 35 Euro teurer

Faktisch aber unterbot die Lufthansa aber damit laut Böge den Germania-Preis von 99 Euro deutlich, denn bei der Lufthansa sind für den Kunden zusätzliche Leistungen inbegriffen, wie etwa Bordverpflegung oder die Teilnahme am Vielfliegerprogramm. Weitere Vorteile für Kunden (wie die höhere Anzahl an Flügen oder Zugang zu Reisebüros) summieren sich nach Berechnungen des Kartellamts auf einen preislichen Vorteil von rund 35 Euro für den Einfachflug. Daraus leiten die Wettbewerbshüter ihre Forderung ab, dass die LH ihr Ticket um mindestens 35 Euro teurer anbieten muss als Germania.

Auch 'Newcomer' sollen in den Wettbewerb

Dem Kartellamt geht es darum, »Newcomern« wie der Germania die Chance zu geben, in den Wettbewerb mit der Lufthansa einzutreten, unterstrich Böge. Laut Gesetz kann das Kartellamt bei »Missbrauch einer marktbeherrschenden Stellung« einschreiten. Die Lufthansa will das in diesem Fall aber nicht hinnehmen und präsentiert andere Kostenberechnungen. Daher muss gerichtlich das letzte Wort gesprochen werden.