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Wirtschaftskrise: Post baut wegen Arcandor-Insolvenz 560 Stellen ab

Die Insolvenz von Arcandor hat weitere Auswirkungen auf die deutsche Post. Bisher waren nur Verkürzungen von Kündigungsfristen vereinbart. Das hat offenbar nicht gereicht, nun stehen bei der Post 560 Arbeitsplätze auf dem Spiel.

Die Insolvenz des Handelsriesen Arcandor führt zum Abbau von Hunderten von Arbeitsplätzen bei der Deutschen Post. Wegen rückläufiger Sendungsmengen streicht die Post bei ihrer Tochter DHL insgesamt 560 Stellen, wie ein Konzernsprecher am Freitag der Nachrichtenagentur Reuters sagte. Betroffen seien unter anderem Standorte im nordrhein-westfälischen Unna sowie in Nürnberg, Oranienburg und im hessischen Groß-Gerau.

Für die Beschäftigten, die bisher für Quelle und Karstadt Aufträge erledigten, solle ein Sozialplan erstellt werden. Die Post reagiert mit den Stellenstreichungen auf sinkende Umsätze im Geschäft mit dem Großkunden.

Offenbar hat Arcandor-Insolvenzverwalters Klaus Hubert Görg günstigere Vertragsbedingungen für den Handelskonzern ausgehandelt. Ein Sprecher Görgs sagte, mit der Post-Tochter DHL sei eine grundsätzliche Einigung über neue, "marktübliche" Konditionen erzielt worden. Die vorherigen Vereinbarungen mit DHL hätten sich "so entwickelt, dass ein wirtschaftlicher Betrieb nicht mehr möglich war".

Nach Eröffnung des Insolvenzverfahrens zum Wochenbeginn kann Görg nun Verträge mit Dienstleistern kündigen oder günstigere Konditionen aushandeln. Der DHL-Sprecher wollte sich nicht zu den neuen Verträgen äußern, betonte aber, der Konzern hoffe nun, ein zukunftsfähiges Modell für die weitere Zusammenarbeit mit dem Essener Unternehmen gefunden zu haben.

Nicht die ersten durch Arcandor verursachten Probleme

Die Insolvenz des Großkunden Arcandor hatte der Post bereits in den vergangenen Monaten zu schaffen gemacht. Im ersten Halbjahr verlor der Konzern dadurch rund 40 Millionen Euro. Die Post erledigt für Arcandor vor allem Dienstleistungen im Logistik- sowie im Paket- und Briefgeschäft. Insgesamt 4000 Mitarbeiter der Post waren nach früheren Angaben des Konzerns mit Arcandor-Aufträgen beschäftigt. Rund 1000 davon seien im Paket- und Briefgeschäft tätig, die restlichen 3000 in der Logistik.

Die Post hatte sich bereits mit der Gewerkschaft Verdi auf die Verkürzung von Kündigungsfristen für Tarifverträge von 3000 Beschäftigten verständigt, die Aufträge für Arcandor erledigen. Eine Verdi-Sprecherin sagte, die Gewerkschaft sei über die Abbau-Pläne informiert. Sie werde in jedem Einzelfall prüfen, ob die Streichung des Arbeitsplatzes wirklich notwendig sei.

Die Post-Tochter DHL hatte 2005 etwa die Warenhauslogistik für Arcandor sowie das Versenden von Gütern wie Kühlschränke für eine Laufzeit von zehn Jahren übernommen. Damals waren die Post und der Essener Konzern von einem jährlichen Umsatzvolumen von rund 500 Millionen Euro ausgegangen - also fünf Milliarden Euro für die gesamte Laufzeit.

Reuters / Reuters