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Wirtschaftswachstum: Schröder sieht keinen Anlass zu Pessimismus

Zum Auftakt der Hannover Messe hat sich Bundeskanzler Gerhard Schröder optimistisch gezeigt. Es gebe beim Wirtschaftswachstum keinen Anlass zu Pessimismus, sagte er. Skeptischer äußerte sich Industriepräsident Jürgen Thumann.

"Ich bin sicher, dass sich der optimistische Schwung des letzten Jahres bei der diesjährigen Messe noch verstärken wird", sagte Bundeskanzler Gerhard Schröder zum Auftakt der Hannover Messe. In Deutschland seien die Voraussetzungen dafür gut, war sich der Kanzler sicher. Der weltwirtschaftliche Rahmen werde günstig bleiben, wenn auch vielleicht nicht ganz so günstig wie im letzten Jahr. Insgesamt gebe es überhaupt keinen Anlass zu Pessimismus, sagte er weiter.

Industriepräsident zeigt sich skeptisch

Weitaus skeptischer äußerte sich Industriepräsident Jürgen Thumann. Aus heutiger Sicht scheine "in diesem Jahr mehr als ein Prozent Wachstum nicht erreichbar zu sein", sagte er. Die EU-Kommission hatte ihre Konjunkturerwartung für Deutschland in der vergangenen Woche von 1,5 auf 0,8 Prozent fast halbiert. Die Bundesregierung erwartet für dieses Jahr 1,6 Prozent Wachstum, will die Prognose aber nach der Steuerschätzung Ende April überprüfen.

Die Hannover Messe ist die weltweit größte Industrieschau und ein wichtiger Indikator für die Wirtschaftsentwicklung. Mehr als 6000 Aussteller aus 65 Ländern stellen in diesem Jahr ihre Produkte vor. Das sind doppelt so viele wie im Vorjahr. Zudem ist die Messe ein. Mit Russland hat die Messe erstmals seit sieben Jahren auch wieder ein offizielles Partnerland. Fast 160 Aussteller aus Russland haben sich angemeldet. Schröder hatte die Industrieschau zusammen mit dem russischen Präsidenten, Wladimir Putin, am Sonntagaben eröffnet und den Anlass genutzt, um für eine intensivere deutsch-russische Partnerschaft zu werben. Er kündigte zudem an, dass er mit Russland "eine stabile, langfristig angelegte Kooperation" in den Bereichen Wirtschaft, äußere und innere Sicherheit sowie Forschung, Kultur und Zivilgesellschaft schaffen wolle. Für heute stehe zudem eine Erklärung über eine strategische Partnerschaft in den Bereichen Bildung, Forschung und Innovation auf dem Programm.

Rekordergebnis bei deutsch-russischem Handel

Schröder würdigte vor allem die Zuverlässigkeit des russischen Wirtschaftspartner. Mit einem Volumen von 31 Milliarden Euro habe der Handel zwischen beiden Ländern im vergangenen Jahr erneut ein Rekordergebnis erzielt. "Russland als Deutschlands wichtigster Energielieferant ist ein zuverlässiger und berechenbarer Partner", so der Kanzler. Allerdings solle die Kooperation über Lieferbeziehungen hinausgehen. Als Beispiele nannte Schröder die Beteiligungen deutscher Firmen an der Erdgasförderung und den Bau einer Gaspipeline durch die Ostsee. Das "Handelsblatt" hatte zuvor berichtete, dass der russische Ölkonzern Gazprom und die deutsche BASF am Montag ein Abkommen über die Erschließung und Nutzung des westsibirischen Gasfeldes Juschno Russkoje vereinbaren wollten.

Putin wirbt für mehr Investitionen

Putin wiederum zeigte sich nicht zufrieden mit den Handelbeziehungen zwischen Deutschland und Russland und warb ebenfalls für einen Ausbau. Deutschland stehe bei den Direktinvestitionen in Russland nur an Platz vier stehe. Das sei nicht zufrieden stellend und warb deshalb für mehr deutsche Investitionen. Beim Handel sei Deutschland der wichtigste Handelspartner seines Landes. Zehn Prozent des russischen Außenhandels entfielen auf Deutschland. "Die Hannover Messe betrachten wir nicht nur als Schaufenster für unsere Industrie, sondern auch als Angebot für unsere Partner", so der Präsident.

Ein erster Schritt auf dem Weg zu einer intensiveren Handelsbeziehungen soll schon in Kürze getan werden. Heute soll ein Vertrag über die Lieferung von 60 ICE-Schnellzügen von Siemens an die russische Eisenbahngesellschaft RZD unterzeichnet werden. "Der nächste Schritt ist dann die Produktion von Schnellzügen in Russland", hatte der russische Industrieminister Viktor Christenko vor der Eröffnung der Messe angekündigt. Siemens solle bald Schnellzüge in Russland bauen und daran einheimische Zulieferer beteiligen.

Zudem wollen deutsche und russische Firmen am Montag einen Vertrag über den Bau von Hochgeschwindigkeitszügen unterzeichnen. 70 Prozent der Zulieferungen sollen aus Russland kommen. Auf deutscher Seite hat Siemens die Führung.

Die Hannover Messe dauert bis zum kommenden Freitag.

AP/DPA / AP / DPA