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Wochenmarkt - die Wirtschaftskolumne zur Konjunktur: Wir Deutsche haben es gut

Uns geht's gut! Auch wirtschaftlich - selbst wenn die Kauflaune wegen der Benzinpreise leicht gesunken ist. Meint unser Kolumnist Thomas Straubhaar und versprüht Optimismus.

Wetter gut, Stimmung gut, alles gut? Ja. Denn es sieht so aus, als würde die deutsche Wirtschaft auch in diesem Jahr von allen schlechten Geistern verschont bleiben. Griechenland am Abgrund, Portugal kurz davor, Spanien und Italien alles andere als auf sicherem Grund. Die europäischen Nachbarn stehen vor schwierigen Zeiten mit steigender Arbeitslosigkeit und sinkendem Lebensstandard. Der deutsche Musterschüler hingegen schwelgt in ökonomischen Frühlingsgefühlen. Zum fünften Mal in Folge verbesserte sich der ifo-Index, der die Unternehmer nach Geschäftslage und künftigen Erwartungen befragt. Andere Stimmungsindikatoren zeigen ein ähnlich positives Bild - allein die Kauflaune wurde durch die hohen Benzinpreise etwas gedämpft, wie der GfK-Konsumklima-Index zeigt, der zum ersten Mal nach sechs Anstiegen in Folge leicht gesunken ist. Doch das trübt den Optimismus nicht. Und für den gibt es drei gute Gründe: den Binnenkonsum, die Investitionen und den Außenhandel.

1. Binnenkonsum: Stabiler Arbeitsmarkt, steigende Löhne

Die Menschen geben mehr Geld aus - trotz des leicht gesunkenen GfK-Werts ist die Konsumklima im Großen und Ganzen stabil. Verantwortlich dafür ist, dass Deutschland jene Hausaufgaben erledigt hat, die andere europäische Länder bis dahin verschlampt haben. Was als neoliberale Wende Widerstand und Hass provozierte, hat Deutschland in einem Maße verändert und modernisiert, wie es sich viele Deutsche weder vorstellen konnten noch wollten. Der Erfolg darf sich sehen lassen. Der Arbeitsmarkt entwickelt sich stabil, die Zahl der Erwerbslosen ist tief, jene der Beschäftigten hoch. Die Löhne steigen. Langsam zwar und für einige genügt das Plus nicht einmal, um die Inflation aufzufangen. Aber andere verdienen erstmals seit langem deutlich besser. Das gilt vor allem für Beschäftigte in der Autoindustrie, im Maschinenbau und in der Chemie- und Metallindustrie. Sichere Jobs und höhere Löhne sorgen im Einzelhandel für steigende Umsätze.

2. Investitionen - trotz der Probleme mit dem Kreditgeschäft

Die Unternehmen investieren mehr. Bei so tiefen Realzinsen wie zurzeit rechnet sich alles und jedes. Wer jetzt kein Haus hat, baut sich keines mehr. Denn billiger kann es nicht mehr werden. Natürlich schwebt über vielen Finanzierungsgeschäften das Damoklesschwert der Kreditklemme. Aber wer Geld verdienen muss, kann sich neuen Geschäftsideen nicht verschließen. Das gilt für beide Seiten: Gläubigerbanken und ihre Kunden. Also dürfte sich zwar langsam, aber doch stetig der Knoten lösen und dann sollte sich das Kreditgeschäft wieder normalisieren.

3. Außenhandel: In den USA läuft der Motor wieder an

Das Ausland schätzt "Made in Germany". Der Weltuntergang hat nicht stattgefunden. Im Gegenteil. Die USA, immer noch mit Abstand die größte Volkswirtschaft der Welt, feiert gerade ihr Comeback. Nach China ausgewanderte Fabrikjobs kehren nach Amerika zurück. Automobilindustrie und Energiefirmen fassen wieder Tritt. Das Wahljahr tut ein Übriges, um die US-Konjunktur zu befeuern. Im Schlepptau des amerikanischen Riesen kommt auch Lateinamerika besser über die Runden als noch vor Kurzem befürchtet. Und schließlich hat sich zwar in China die wirtschaftliche Entwicklung verlangsamt. Sie kommt aber immer noch schnell genug voran, um für deutsche Investitionsgüter eine wichtige Stütze zu bleiben.

Optimismus hilft!

Nimmt man das zusammen, zeigt sich, dass die gute Stimmung gute Gründe hat. Das Glas der Konjunktur ist halb voll, nicht zur Hälfte leer. Die "German Angst" ist hinter, ein gelassener Realismus steht vor uns. Das wird helfen, auch die nicht zu leugnenden Risiken und Schwierigkeiten zu bewältigen. Natürlich kann vieles schief gehen. Aber wie bei den Frühlingsgefühlen führt das eine Erfolgserlebnis zum andern. Optimismus erzeugt eine sich selbst verstärkende Eigendynamik. Und deshalb passte die Antrittsrede des neuen Bundespräsidenten Joachim Gauck nicht nur zur Jahreszeit, sondern auch zur Wirtschaftslage: "Nach einem Wort Gandhis kann nur ein Mensch mit Selbstvertrauen Fortschritte machen und Erfolge haben. Dies gilt für einen Menschen wie für ein Land. Ob wir den Kindern und Enkeln dieses Landes Geld und Gut vererben werden, das wissen wir nicht. Aber dass es möglich ist, nicht den Ängsten zu folgen, sondern den Mut zu wählen, das haben wir gezeigt."

Von Thomas Straubhaar