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Verwaltungsgericht Auftritt bei "Frauentausch" bringt Mutter um Wohngeld

Eine Mutter wollte für sich und ihre zwei Kinder Wohngeld erhalten - doch weil  sie in der RTL II-Sendung "Frauentausch" ihre wirklichen Lebensverhältnisse offen gelegt hat, wird nichts aus dem Zuschuss.

Zwei Frauen, zwei Haushalte, ganz viel sozialer Bodensatz und ein hohes Maß an Fremdschämpotenzial - aber wie viel Realität steckt in der Reality-Show "Frauentausch" von RTL II? Um diese Kernfrage geht es bei einem Fall vor dem Berliner Verwaltungsgericht. 

Konkret geht es um eine 2011 produzierte Sendung, die nun sogar als Beweismittel vor Gericht herhalten musste. Bei dem Fall handelt es sich um eine zweifache Mutter, die im Jahr 2014 Wohngeld beim Wohnungsamt in Berlin Neukölln beantragt hatte. Womit die Frau offenbar nicht gerechnet hat: Dass sich jemand beim Amt an ihren Auftritt in der RTL II-Sendung erinnern könnte. Doch die Mitarbeitern beim Amt erkannte die Frau sofort wieder. Eigentlich kein Thema - sich öffentlich zum Deppen in einer Scripted-Reality-Show zu machen, ist schließlich nicht verboten. Doch die Sendung hat juristische Konsequenzen für die Mutter. Schon in der damaligen Programmankündigung zu der Folge stand, dass die Klägerin einen Mann über eine Partnervermittlung kennengelernt habe. Es sei "die ganz große Liebe" gewesen, heißt es in der Pressemitteilung des Verwaltungsgerichts. Doch dieser Mann wurde nicht nur ihr Lebensgefährte, sondern vor allem: ihr Vermieter. Durch diese Partnerschaft sei Wohngeld juristisch nicht möglich, schreibt der Blog "lawblog.de"weiter. Das Amt kann Wohngeld als Zuschuss zur Miete versagen, wenn Mieterin und der Vermieter in einer Paarbeziehung zusammenleben. 

Wie real ist "Frauentausch"? 

Aber ist alles echt, was "Frauentausch" den Zuschauern auftischt? Die 48-jährige Klägerin beteuert, dass sie mit dem Mann nur in einer Wohngemeinschaft gelebt habe und für die Sendung so getan habe, als seien sie ein Paar. Aber real sei dies nicht gewesen - und pocht weiterhin auf den Anspruch, Wohngeld zu erhalten. 

Das Wohngeldamt war unsicher - und fragte bei der Produktionsfirma nach. Sowohl beim Casting als auch bei Dreh im Juni 2011 sei der Vermieter als Lebenspartner vorgestellt worden. Daraufhin wurde der Antrag wegen Missbrauchs abgelehnt. 

Das Gericht schaute sich die Sendung an - und vertraut am Ende dem Fernsehen offenbar mehr als der Dame selbst. Das Wohngeld bleibt weiterhin abgelehnt. 

kg

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