ZEITGESCHICHTE Das letzte DDR-Geld geht in Flammen auf


Zwölf Jahre nach der deutschen Währungsunion sind die letzten Restbestände der DDR-Mark in die Müllverbrennungsanlage Buschhaus geliefert worden.

Zwölf Jahre nach der deutschen Währungsunion hat nun auch für Restbestände der DDR-Mark die letzte Stunde geschlagen. Aus einem Untertagestollen bei Halberstadt in Sachsen-Anhalt wurde der letzte mit DDR-Papiergeld gefüllte Container an die Müllverbrennungsanlage BKB Buschhaus geliefert.

298 Container alter DDR-Mark

Dort sind in den vergangenen Wochen etwa 3.000 Tonnen Bares aus DDR-Zeiten zusammen mit Hausmüll verbrannt worden. Insgesamt wurden nach Angaben der Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) 298 solcher Container aus der unterirdischen Lagerstätte geholt.

Altes Geld rottet nicht

Die KfW war 1994 durch Fusion mit der einstigen DDR- und späteren Staatsbank Berlin Eigentümerin des ungültigen Geldes geworden. Eigentlich glaubte man es in einem Teil der 14 Kilometer langen Stollenanlage bei Halberstadt sicher verwahrt, wie KfW-Sprecherin Christine Volk sagte. Die Geldscheine, nach Angaben der Staatsbank 620 Millionen Stück, wurden 1990 und 1991 im Zuge der Währungsunion in dem Sandsteinstollen hinter zwei Meter dicken Betonmauern eingelagert, wo sie zügig verrotten sollten.

Überraschend stabil

»Das taten sie aber nicht«, sagte Christine Volk. Von der überraschenden Stabilität der DDR-Mark erfuhr die KfW, als im Sommer vergangenen Sommer zwei junge Männer bei einem Einbruch in dem Stollen eine Wand durchbrochen hatten. »Da sahen auch wir erstmals, dass die Scheine entgegen den Erwartungen noch nicht vollständig zersetzt waren.«

Zerstörung eines Mythos

Um den »Mythos des vergrabenen Schatzes« zu zerstören, habe sich die KfW zur endgültigen Entsorgung des Papiergeldes entschlossen, sagte Sicherheitschef Gerd Kugler. Damit gebe es nun auch für Abenteurer keinen Anreiz mehr zu einem illegalen und auch gefährlichen Eindringen in die Schächte im Vorharz.

Nennwert: 100 Milliarden DDR-Mark

Das dort gelagerte Papiergeld hatte einen geschätzten Nennwert von rund 100 Milliarden DDR-Mark. Teils lose, teils gebündelt oder in Säcken verwahrt, machten die inzwischen mit Sand und Kies vermischten Scheine 4.500 Kubikmeter aus. Vor dem Abtransport zur Müllverbrennungsanlage wurden sie grob gereinigt und in Container mit einem Fassungsvermögen von je 33 Kubikmeter gefüllt. Seit Anfang April wurden täglich sechs dieser Container auf Lastwagen von Halberstadt nach Buschhaus gebracht.


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