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ZEW-Barometer: Konjunkturerwartungen hellen sich auf

Die Börsenprofis in Deutschland blicken wieder mit mehr Zuversicht auf die Konjunktur. Ein wichtiger Indikator, das ZEW-Barometer, verbesserte sich überraschend deutlich auf plus 13 Punkte. Das ist der höchste Stand seit Mitte 2007.

Die Konjunkturerwartungen für Deutschland hellen sich trotz vielfach schlechter Wirtschaftsdaten weiter auf. Das vom Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) in Mannheim ermittelte Konjunkturbarometer erreichte im April erstmals seit Juli 2007 wieder den positiven Bereich. Der Index stieg im Vergleich zum Vormonat um 16,5 Punkte auf 13,0 Punkte, wie das ZEW am Dienstag in Mannheim mitteilte. Damit liegt es allerdings noch unter dem historischen Mittelwert von 26,1 Punkten. Experten hatten im Schnitt nur mit einem Anstieg auf plus 1,5 Punkte gerechnet.

Nach ZEW-Angaben profitieren die Konjunkturerwartungen unter anderem von den staatlichen Konjunkturpaketen, die zunehmend ihre Wirkung entfalten. "Die ZEW-Konjunkturerwartungen zeigen zusammen mit einer Reihe anderer Indikatoren, dass es eine begründete Aussicht auf eine Bodenbildung gibt, so dass die Abwärtsdynamik der Wirtschaftsaktivität zum Stillstand kommen wird. Sogar eine zaghafte Belebung in der zweiten Hälfte des Jahres wird wahrscheinlicher", sagte ZEW-Präsident Wolfgang Franz laut Mitteilung.

Auch die Konjunkturexperten führender Unternehmen sehen Grund zur Zuversicht. "Es geht im zweiten Quartal wieder etwas bergauf", sagt Allianz-Konjunkturchef Rolf Schneider. Mit dieser Prognose steht er nicht alleine da. Die Ökonomen von Postbank, Helaba, Barclays oder HSBC Trinkaus erwarten für April bis Juni ein Wachstum von bis zu 0,5 Prozent zum Vorquartal.

Der Optimismus fußt auf drei Annahmen: Die Abwrackprämie kurbelt Konsum und Produktion an, die Bauwirtschaft hat nach dem langen Winter viel zu tun und die weltweiten Konjunkturprogramme stützen den Welthandel.

Behalten die Experten recht, ginge die längste Talfahrt in der Geschichte der Bundesrepublik zu Ende. Seit dem zweiten Quartal 2008 schrumpft die Wirtschaft ununterbrochen: Im Frühjahr und Sommer um je 0,5 Prozent, ehe es im Herbst mit 2,1 Prozent den stärksten Einbruch seit 1987 gab. Im ersten Quartal dürfte das Minus noch größer ausgefallen sein, befürchtet die Bundesbank, die Daten werden Mitte Mai veröffentlicht.

Konjunkturmotor Abwrackprämie

Hoffnung macht derzeit vor allem der Konsum. "Dank der Abwrackprämie werden die Deutschen wieder mehr Geld ausgeben", sagt Postbank-Ökonom Heinrich Bayer. 1,2 Millionen Anträge auf die staatliche Zulage von 2500 Euro für die Verschrottung von Altautos wurden bislang eingereicht. Bereits im März stieg deshalb die Zahl der Neuzulassungen um 40 Prozent. Der Boom wird im Frühjahr anhalten. "Dadurch wächst der private Konsum", sagt Bayer. Dieser macht immerhin 56 Prozent der gesamten Wirtschaftsleistung aus.

Spürbar zulegen dürften die Bauinvestitionen, die für zehn Prozent des Bruttoinlandsproduktes stehen. Zwar halten sich Privatleute mit dem Wohnungsbau zurück und geben Unternehmen angesichts der ungewissen Aussichten weniger neue Fabrikgebäude in Auftrag. Doch blieb im strengen Winter witterungsbedingt jede Menge Arbeit liegen. "Das wird jetzt nachgeholt", sagt Bayer.

Welthandel stabilisiert sich

Auch eine Stabilisierung des Welthandels hilft Deutschland. Der Exportweltmeister kämpfte zu Jahresbeginn mit den schwersten Umsatzeinbrüchen seit fast 60 Jahren. Im Januar und Februar brachen die Ausfuhren um fast ein Viertel ein. "Es gibt aber Anzeichen dafür, dass der Verfall des Welthandels gestoppt ist", sagt HSBC-Experte Rainer Sartoris. In China, der Exportnation Nummer zwei, lagen die Ausfuhren im März knapp ein Drittel höher als im Februar. Die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) sieht erste Hinweise dafür, dass die weltweiten Konjunkturprogramme zu wirken beginnen. "Die globale Schockstarre löst sich ein wenig", sagt auch Sartoris.

Auch wenn die Wirtschaft im Frühling tatsächlich wieder wachsen sollte, wird sie 2009 unterm Strich einbrechen. Fast alle Experten erwarten ein Rekordminus von vier bis zu fünf Prozent. Dafür sprechen vor allem der miserable Jahresbeginn und leere Auftragsbücher in weiten Teilen der Industrie. "Es ist noch ein steiniger Weg bis zu einer nachhaltigen Erholung", sagt HSBC-Experte Sartoris.

Reuters/DPA / DPA / Reuters