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Werbeagentur JWT Zoff um Gender-Pay-Gap: Zwei Männer gewinnen nach Kündigung Anti-Diskriminierungsklage

Mad Men
Die Werbeagentur als "Boys Club weißer Männer" - diese Zeiten wurden zuletzt in der Serie "Mad Men"  glorifiziert
© Everett Collection/action press
Eine Werbeagentur in London versucht gegen ihren hohen Gender-Pay-Gap zu kämpfen. Zwei Männer fürchten deshalb um ihren Arbeitsplatz und werden tatsächlich gefeuert. Sie klagten wegen Diskriminierung - und haben gewonnen. 

Die erfolgreiche Diskriminierungsklage der beiden Werber begann damit, dass ihre Agentur J Walter Thompson (JWT) vor ein paar Jahren feststellen musste, bei der "Gender-Pay-Gap-Weltmeisterschaft im Finale" zu stehen, wie einer der Chefs damals dazu sagte. Eine interne Untersuchung hatte ergeben, dass der Lohnunterschied zwischen Männern und Frauen der Londoner Filiale im Mittel bei fast 45 Prozent lag. Die weltweit agierende Firma bat also eine ihrer Kreativdirektorinnen darum, den Ruf von JWT, den sie "Boys-Club für weiße, heterosexuelle Männer, die klassische Werbung machen" nannte, umzukrempeln.

Sollten sie "ausgelöscht" werden?

Im Grunde war es nur ein "falsches" Wort, das die Diskriminierungsklage von Chas Bayfield, 52, and Dave Jenner, 50, ins Rollen brachte: "obliterate". Es bedeutet auslöschen, vernichten, tilgen. Benutzt hatte es Jo Wallace auf einer Konferenz, die dazu gedacht war, die Sinne der Werber für Diversität und Ungleichbehandlungen zu schärfen. Das Ziel der Veranstaltung erläuterte die Kreativdirektorin mit den Worten: "Ich glaube, wir sind uns darin einig, dass der Ruf von JWT – (männlich), britisch, weiß, privilegiert – vernichtet werden muss."

Diese Worte kamen bei den beiden Männern, ebenfalls Kreativdirektoren und weiße Briten, als unverhohlene Kündigungsdrohung an – so jedenfalls argumentierten sie später erst intern und letztlich auch vor Gericht. Bayfield schickte eine E-Mail an seinen Chef, in der er seine Sorge beschrieb: "Wie ich erfahren habe, gab es eine Sitzung, in der gefordert wurde, weiße, heterosexuelle Mittelklasse-Kollegen aus der Kreativabteilung loszuwerden. Es gibt viele hier, denen das Sorge bereitet." Die Personalabteilung berief ein Treffen mit allen Beteiligten ein, doch das verschärfte die Situation erst.

Denn offenbar wurden die Bedenken von Bayfield und Jenner als rigorose Ablehnung der neuen Firmenpolitik verstanden, weshalb die Leitung innerhalb von zwei Tagen beschlossen hat, sich von den beiden Männern zu trennen. Der zuständige Arbeitsrichter Mark Emery schrieb in seinem Urteil: Die Personalverantwortlichen seien von Beginn an "verärgert gewesen und wollten nicht akzeptieren, dass die Herrn Bayfield und Jenner nur ihre Bedenken geäußert hatten".

Die Männer wurden "schikaniert"

In seinem Urteil stellte der Richter fest, dass die Kommunikation in der Werbeangentur offenbar vollkommen außer Kontrolle geraten war. So wurden die Ansichten der Kläger als "inakzeptabel betrachtet", was zu einem vergifteten Umgang miteinander und letztlich zu einer "schikanösen" Behandlung geführt habe. Mark Emery schreibt weiter: "Wir kommen zu dem Schluss, dass das Unternehmen das Geschlecht der beiden im Sinne hatte, als sie beschloss, sie zu entlassen. Einer Frau in gleicher Lage wäre das nicht passiert", so der Richter.

Einer der Kläger, Chas Bayfield, sagte nach der Urteilsverkündung: "'Auslöschen' ist ein heftiger Begriff. Diversität und die Sichtbarkeit von Frauen und Minderheiten beschäftigen uns, aber eben auch die Sicherheit unserer Arbeitsplätze. Aber ihr Ansatz gegen den Gender Pay-Gap zu kämpfen beschränkte sich nur darauf, einen Feind zu suchen. Also haben sie ein Scheingericht geschaffen und uns gefeuert." Er und sein Mitkläger Dave Jenner steht nun ein Schadenersatz zu, die Firma will dagegen in Berufung gehen.

Quellen: "Financial Times", "The Guardian", Campaign Live


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