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Ukraine-Krieg Nach Putins Lieferstopp-Drohung: Das ist Nord Stream 1 und so viel Gas kommt durch sie nach Deutschland

Rohrsysteme und Absperrvorrichtungen in der Gasempfangsstation der Ostseepipeline Nord Stream 1
Blick auf Rohrsysteme und Absperrvorrichtungen in der Gasempfangsstation der Ostseepipeline Nord Stream 1. In Lubmin bei Greifswald endet die Ostsee-Pipeline Nord Stream1, durch die seit 2011 russisches Erdgas nach Deutschland fließt. 
© Stefan Sauer / DPA
Russland bringt erstmals einen Lieferstopp von Erdgas durch die Ostsee-Pipeline Nord Stream 1 ins Gespräch. Wie viel Gas kommt dadurch zu uns nach Deutschland? Und droht wirklich ein Stopp? Ein Überblick.

Inhaltsverzeichnis

Russland hat nach Beginn des Krieges gegen die Ukraine erstmals offen mit einem Gas-Lieferstopp durch die Ostsee-Pipeline Nord Stream 1 gedroht. "Wir haben das volle Recht, eine 'spiegelgerechte' Entscheidung zu treffen und ein Embargo zu erlassen auf die Durchleitung des Gases durch die Pipeline Nord Stream 1, die heute maximal mit 100 Prozent ausgelastet ist", sagte der russische Vize-Regierungschef Alexander Nowak in einer am Montagabend ausgestrahlten Rede im Staatsfernsehen. Er äußerte sich mit Blick auf die gestoppte Leitung Nord Stream 2, deren Inbetriebnahme Russland anstrebt. "Aber noch treffen wir diese Entscheidung nicht. Niemand gewinnt dabei", sagte Nowak.

Was für eine Pipeline ist Nord Stream 1? Und wie viel Gas wird dadurch nach Deutschland geliefert? Ein Überblick:

Was ist Nord Stream 1?

Nord Stream 1 (auch nur Nord Stream genannt) ist die erste der beiden Pipelines des Nord-Stream-Systems. 2011 wurde der erste Strang in Betrieb genommen, 2012 der zweite. Die  Pipeline hat eine Länge von 1124 Kilometern und verläuft vom russischen Wyborg durch die Ostsee nach Lubmin in Mecklenburg-Vorpommern.

Wie viel Gas kommt durch Nord Stream 1 nach Deutschland?

"Europa verbraucht heute 500 Milliarden Kubikmeter Gas im Jahr, 40 Prozent davon sichert Russland", erklärte Nowak. Allein über Nord Stream 1 liefen 60 Milliarden Kubikmeter Gas pro Jahr. Laut einer Pressemitteilung der Nord Stream AG wurden im Jahr 2021 59,2 Milliarden Kubikmeter Erdgas zu Verbrauchern in Europa durch die Nord Stream-Pipeline transportiert – eine gleiche Auslastung wie im Jahr davor. Seit Inbetriebnahme des ersten Strangs der Pipeline seien mehr als 441 Milliarden Kubikmeter russisches Gas durch Nord Stream transportiert worden.

Wie viele Haushalte können durch Nord Stream 1 versorgt werden?

Die Nord Stream AG gibt an, dass 26 Millionen europäische Haushalte mit Gas aus der Nord Stream-Pipeline versorgt werden können.

Was hat Nord Stream 1 gekostet?

Das Investitionsvolumen des Projektes betrug nach Angaben der Nord Stream AG aus dem Jahr 2013 7,4 Milliarden Euro. Die Kosten für Rohre und Pipeline-Material hätten drei Milliarden Euro betragen, die für die Verlegung der Rohre zwei Milliarden.

Wer ist an der Nord Stream AG beteiligt?

Es gibt fünf Anteilseigner: Gazprom international projects LLC, Wintershall Dea AG, PEG Infrastruktur AG (E.ON), N.V. Nederlandse Gasunie und Engie. Gazprom international projects LLC ist mit 51 Prozent beteiligt. Wintershall und E.ON sind jeweils mit 15,5 Prozent beteiligt. Gasunie und Engie jeweils mit neun Prozent. Der Firmenhauptsitz der AG liegt in Zug in der Schweiz.

Maßgeblich vorangetrieben wurde das Projekt auf deutscher Seite vom bis 2005 regierenden Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD), auf russischer Seite von Präsident Wladimir Putin. Kurz nach seinem Ausscheiden aus dem Amt wurde Schröder dann auf Vorschlag der russischen Seite Aufsichtsratschef der damaligen Betreibergesellschaft NGEP.

Droht ein Stopp der Gaslieferungen durch Nord Stream 1?

Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck (Grüne) geht nicht davon aus, dass die russische Regierung den angedrohten Lieferstopp von Gas durch die Pipeline Nord Stream 1 umsetzt. "Ich rechne nicht damit, weil Russland wissen muss, wenn sie das tun, dann sind sie ein unzuverlässiger Lieferant", sagte Habeck am Dienstag in der Sendung "Frühstart" von RTL/ntv. Dann werde, auch wenn "es wieder Frieden gibt, Europa nicht zurückkommen".

Habeck betonte, für den Fall eines Lieferstopps vorbereitet zu sein. "Wir kommen gut durch den Winter, wir kommen gut durch das Jahr", sagte der Minister. Für den nächsten Winter allerdings müssten die Gasspeicher gefüllt werden.

Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) hatte am Montag mit Blick auf die russischen Energielieferungen erklärt: "Die Versorgung Europas mit Energie für die Wärmeerzeugung, für die Mobilität, die Stromversorgung und für die Industrie kann im Moment nicht anders gesichert werden." Zugleich hob er hervor, dass die Bundesregierung mit ihren Partnern "mit Hochdruck" daran arbeite, Alternativen zur russischen Energie zu entwickeln. Dies gehe aber nicht "von heute auf morgen".

Ukraine-Krieg: Nach Putins Lieferstopp-Drohung: Das ist Nord Stream 1 und so viel Gas kommt durch sie nach Deutschland

Läuft noch weiter Erdgas nach Europa?

Ungeachtet des Kriegs laufen die russischen Gaslieferungen durch die Ukraine nach Angaben des Energiekonzerns Gazprom weiter auf hohem Niveau. Die durchgeleitete Menge liege wie vertraglich vereinbart bei 109 Millionen Kubikmetern pro 24 Stunden, teilte Gazprom am Dienstag in Moskau mit. Insgesamt sei eine jährliche Menge von 40 Milliarden Kubikmetern vereinbart. Die europäischen Käufer hätten ihre Bestellungen seit Inkrafttreten der Sanktionen gegen Russland deutlich hochgefahren, sagte Gazprom-Sprecher Sergej Kuprijanow der Agentur Interfax zufolge.

Hinweis: Dieser Artikel wurde um eine Passage bei der Frage "Wer ist an der Nord Stream AG beteiligt?" aktualisiert. 

Quellen: Nachrichtenagenturen DPA, AFP und Tass, Focus online, "Welt", Nord Stream AG, NDR

rw

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