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Norwegen: Gläubiger vergällen exzentrischem Milliardär teure Hobbys

Nervös gewordene Gläubiger haben Kjell Inge Røkke, den mit Abstand ausgefallendsten Industriellen Nordeuropas, zu einem bescheideneren Lebensstil gezwungen.

Nervös gewordene Gläubiger haben Kjell Inge Røkke, den mit Abstand ausgefallendsten Industriellen Nordeuropas, zu einem bescheideneren Lebensstil gezwungen. Nachdem dem 44 Jahre alten Herrn über Norwegens größte Industriegruppe und zwei Tochterwerften in Deutschland in den vergangenen Wochen die Rückzahlung eines Kredits über 600 Millionen Kronen (72 Mio Euro) nicht gelang, muss er sich nun bei seinen extrem teuren Hobbys einschränken.

Mein Stadion, meine Jet, meine Yacht

So lang wie die Liste der Ausgaben dafür, ist auch die der Einschränkungen, von denen die Osloer Presse in diesen Tagen berichtet: Keine komplett neuen Fussballstadien mit 17.250 Plätzen mehr als Geschenk an eine Kleinstadt mit 23.959 Einwohnern, keine Zweitkarriere als Fahrer beim Grand Prix für extrem schnelle Rennboote, kein Transport mehr im persönlichen Düsenjet "Rebel's Tool" oder auf der gewaltigen Luxusjacht "Reverie".

Überlebenskampf mit unsicherem Ausgang

Dass Røkke nach mehrwöchigem Tauziehen mit dem Orkla-Konzern - einem der größten norwegischen Konzerne - als Gläubiger zunächst 150 Millionen Kronen zahlte und für den Rest eine Galgenfrist bekam, gilt unter Beobachtern als Auftakt für einen Überlebenskampf mit unsicherem Ausgang. Mehr als 3 Milliarden Kronen sollen Orkla-Experten als Gesamtschuldenstand des aus bescheidenen Verhältnissen aufgestiegenen Skandinaviers ermittelt haben. Eine Summe, die den derzeitigen Wert seiner Beteiligungen deutlich übersteigen dürfte. Die Entwicklung des Aktienkurses beim Energie- und Schiffbaukonzern Aker Kvaerner, zu dem auch zwei Werften in Rostock-Warnemünde und Wismar gehören, gilt als entscheidend für Røkkes Zukunft.

Kanzlerlob für Arbeitsplätze

Noch vor einem Jahr hatte Røkke als Gastgeber von Bundeskanzler Gerhard Schröder dessen Lobeshymnen auf sich anhören können. Hier sehe man doch mal, wie weit es jemand mit Unternehmungsgeist und Risikobereitschaft bringen könne, hatte der Kanzler vor Journalisten gesagt, ehe er mit dem sichtlich stolzen Norweger zu einem privaten Abendessen durch das klirrend kalte Oslo spazierte. Dass es dem Berliner Regierungschef vor allem um die Sicherung der 1.200 Jobs bei Aker Kvaerner in Mecklenburg-Vorpommern ging, schmälerte den Imagegewinn für Røkke nicht.

Versuch die Werften am Leben zu erhalten

Tatsächlich schaffte es der Mann aus der Kleinstadt Molde, den Ruf des Spekulanten ohne seriöse langfristige Ziele als Industrieller wenigstens teilweise abzuschütteln. Auch bei Aker Kvaerner zollte man Røkke Respekt für seine Bemühungen, neben den lukrativen Aktivitäten im Offshore-Geschäft auch den höchst schwierigen Schiffbau nach der durch ihn erzwungenen Zusammenlegung der Konkurrenten Aker und Kvaerner am Leben zu erhalten.

Wollte sich Bootsführerschein ergaunern

Der möglicherweise erdrückende Schuldenberg und immer nervösere Gläubiger aber haben nun auch in den Medien den "anderen" Røkke wieder ins Rampenlicht gerückt. Der muss im nächsten Jahr nicht nur drei Prozesse über Forderungen unzufriedener Aktionäre in Höhe von 500 Millionen Kronen durchstehen, sondern sich selbst wegen Beamtenbestechung in Schweden vor Gericht verantworten. Røkke hat bereits zugegeben, dass er sich einen fehlenden Bootsführerschein im Nachbarland erkaufen wollte. Die dafür nicht unwahrscheinliche Haftstrafe will der Norweger absitzen - das hat er schon angekündigt.

Thomas Borchert / DPA
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