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Katholische Kirche: Priester stiehlt angeblich 100.000 Dollar - und gibt sie für Männerbekanntschaften aus

Die Kollekte ist für viele Kirchen immer noch eine wichtige Einnahmequelle. Ein katholischer Priester in Pennsylvania betrachtete sie laut Vorwürfen der Staatsanwaltschaft aber eher als seine Privatkasse. Nun wurde er festgenommen.

Der Pfarrer war im Messgewand auf die Frauen zugestürmt und hatte sie aufgefordert, die Kirche zu verlassen (Symbolbild)

Der Pfarrer war im Messgewand auf die Frauen zugestürmt und hatte sie aufgefordert, die Kirche zu verlassen (Symbolbild)

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Für seine Gemeinde in Dwonington, Pennsylvania dürfte es ein Schock sein: Seit elf Jahren gab der katholische Priester Joseph M. offenbar Spenden und Teile der Kollekte für einen verschwenderischen Lebensstil aus. Jetzt wurde der 56-Jährige festgenommen.

Ihm werde Diebstahl durch unrechtmäßige Aneignung vorgeworfen, erklärte die zuständige Staatsanwaltschaft von Chester County in einem Statement. M. hat demnach Spenden teilweise falsch deklariert sowie eigenmächtig die Gebühren für Dienstleistungen wie Beerdigungen oder Hochzeiten verdoppelt und die Überschüsse abgezweigt. 98.405,50 Dollar soll er sich so angeeignet haben.

Geheimes "Aktivitäten"-Konto

Die Diözese war ihm auf die Schliche gekommen, weil M. die Gelder auf ein geheimes Konto überwies. Das Konto mit dem Namen "St. Joseph Activity Account" (Sankt Josephs Aktivitäten Konto) sei nicht in den Büchern der Gemeinde gelistet worden, niemand außer M. habe darauf Zugriff gehabt. Nachdem die Kirche darauf aufmerksam wurde, schaltete sie die Behörden ein. Die erschlichene Summe wolle man zurückfordern, so die Diözese.

Mit dem Geld soll M. seinen verschwenderischen Lebensstil finanziert haben. So soll er sich davon ein Strandhaus gekauft haben und gereist. Außerdem habe er Männern Geldgeschenke gemacht, mit denen er trotz seines Zölibats sexuelle Beziehungen gehabt hatte, so die Staatsanwaltschaft. Viele von ihnen soll er über die in der US-Schwulenszene sehr beliebte App Grindr kennen gelernt haben. Für eine der Bekanntschaften soll er Tausend Dollar in die Gefangenenkasse eingezahlt haben, als der Mann im Gefängnis einsaß.

Anwältin bestreitet Vorwürfe

"Pater M. hatte eine Führungsrolle inne. Seine Gemeinde betraute ihn damit, ihre großzügigen Spenden zu verwalten. Dieses Vertrauen hat er gebrochen, um sich selbst zu bereichern", erklärte die Staatsanwaltschaft von Chester County. Nun droht ihm eine hohe Strafe. Wegen der Höhe der veruntreuten Summe wertete die Staatsanwaltschaft M.s Taten als schweres Verbrechen. 

Die Anwältin des Beklagten bestreitet die Vorwürfe derweil. "Die Vorwürfe sind absurd", sagte sie "NBC". "Sie beruhen auf einem Brief an seinen Arbeitgeber, sie sind nicht von Substanz." Die zuständige Staatsanwaltschaft sei berüchtigt dafür, Klagen nur auf Basis von Verdacht zu erheben.

Seine Gemeinde reagierte indes geschockt. "Wir haben Vater Joseph in alle unsere Gebete aufgenommen", sagte ein Gemeindemitglied "NBC". "Wir werden alle Fakten abwarten, bevor wir ein Urteil fällen."

Quellen: Erzdiözese von Philadelphia, Staatsanwaltschaft Chester County, NBC

mma