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Betrug bei Krypto-Währung: Wie ein Betrüger den Bitcoin-Wert verachtfachte - und was das über die Währung aussagt

Dass bei Bitcoin manipuliert wird, munkeln Experten schon lange. Eine Studie hat Betrug im großen Stil nachgewiesen. Ein einziger Nutzer schaffte es, die Währung steil nach oben schießen zu lassen. Dann kam der Absturz.

Betrug bei Bitcoin

Betrug mit Bitcoin: Experten warnen vor der Kryptowährung

Seit Anfang 2017 steigt der Bitcoin immer weiter, im Dezember war die Währung innerhalb eines Jahres von 700 auf 17.000 Euro gestiegen. Dass es bei steil steigenden Bitcoin nicht immer mit rechten Dingen zugeht, zeigt eine Studie. Sie stellt dar, wie ein einzelner Betrüger es schaffte, den Wert von Bitcoin zu verachtfachen.

Die gerade im Fachmagazin "Journal of Monetary Economics" erschienene Studie befasst sich allerdings nicht mit dem aktuellen Boom. Der Betrug fand bereits 2013 auf der damals größten Bitcoin-Börse Mt. Gox statt. Geleakte Daten des Handelsplatzes aus diesem Zeitraum erlauben sonst unmögliche Einblicke in die Handelströme der Börse. Und wie sie manipuliert wurden.

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Wer sind "Markus" und "Willy"

Die Forscher der Unis von Tulsa und Tel Aviv haben die Daten genau studiert. Die Besonderheit der Leaks ist, dass sie die Anonymität der Transaktionen aufheben, die Bitcoin sonst gewährt. Weil alle Nutzer bei Mt. Gox eine Nutzer-ID haben, lassen sich die Geldbewegungen zuordnen - und einen Betrüger entdecken.

Der hatte in Blogs die Spitznamen "Markus" und "Willy" erhalten. Markus kaufte über Monate in großen Mengen Bitcoin. Mehr als 300.000 sollen es am Ende nach Angabe der Forscher gewesen sein. Sie wurden stutzig, weil der Käufer nie Transaktionsgebühren zahlen musste. Und die Verkäufer nie Geld erhielten. Auch die Bitcoin landeten nicht auf Markus' Konto. Sämtliche Käufe waren also fingiert. Weil sie den anderen Kunden aber angezeigt wurden, stiegen die Preise des Bitcoin wegen der hohen Nachfrage an.

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Millionen im Minutentakt

An einem Tag hörte Markus plötzlich auf. Sieben Stunden später ging Willy ins Rennen. Willy war kein einziger Kunde, sondern ein Netz aus 49 Accounts. Jeder von ihnen kaufte Bitcoin für genau 2,5 Millionen Dollar - und hörte dann wieder auf zu handeln. Minuten später wurde der nächste Account aktiv und tat das Gleiche. Und wieder kletterten die Preise. Die Forscher sind sicher: Willy alleine ist für den Anstieg des Botcoin von 150 auf über 1000 Dollar in nur zwei Monaten verantwortlich. 

Doch wozu das Ganze? Die Forscher vermuten, dass es sich um eine Vertuschungsmaßnahme des Betreibers von Mt. Gox handelt. Der Handelsbörse wurden vermutlich bereits 2011 satte 650.000 Bitcoin durch einen Hack gestohlen. Ihre These: Mit der Manipulation und den Gewinnen aus den steigenden Preisen wollte der Betreiber die Verluste ausgleichen.

Handel mit Geld, das es nicht gibt

Das würde auch die Willy-Methode erklären. Sie basiert auf derselben Maschen, der sich auch kriminelle Aktien-Händler wie Bernie Maddof bedienten und die nur ein Insider mit Zugriff auf das System nutzen kann. Die Kunden erhielten zwar nominell Geld für ihre Bitcoin. Weil sie ihre Bar-Reserven aber aus Bequemlichkeit meist einfach bei Mt. Gox liegen ließen, statt sie auszuzahlen, musste der Betreiber das Geld gar nicht wirklich besitzen. Er konnte einfach die Zahl des Kontostandes erhöhen und hoffen, dass er das Geld nie bezahlen müsste. 

Tatsächlich kam es auch so: Anfang 2014 sperrte Mt. Gox sämtliche Auszahlungen. Einige Wochen später meldete der Betreiber die Insolvenz an. Der Bitcoin brach in bis dahin nie gekanntem Maße ein, es sollte vier Jahre dauern, bis sich die Währung wieder erholt hatte - und der aktuelle Boom losging.

Die Forscher sehen den Fall als klare Warnung. Die Möglichkeiten der Manipulation gäbe es weiterhin, nur geleakte Daten um sie nachzuweisen fehlten, stellen sie trocken fest. Vor allem die geringe Anzahl an Käufern und Verkäufern, die große Mengen an Währung bewegen, machten Bitcoin und die vielen anderen Krypto-Währungen so leicht angreifbar. "Es ist wichtig zu verstehen, wie anfällig Märkte für Krypto-Währungen für Manipulation sind", warnen sie daher. Bevor der nächste Crash kommt.

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