Übernahme Viel heiße Luft

Die Spekulationen über eine Übernahme der Postbank durch die Deutsche Bank reißen einfach nicht ab. Doch Finanzexperten sehen dem eher skeptisch entgegen.

In der Bankenmetropole Frankfurt steigt seit Tagen eine Menge Rauch auf - aber deshalb gibt es noch lange kein Feuer. Die Gerüchte über eine Übernahme der Postbank durch die Deutsche Bank überschlagen sich. Angeblich hat die Postbank ihren für Juni geplanten Börsengang abgesagt und sich mit der Deutschen Bank auf einen Kaufpreis von sechs Milliarden Euro geeinigt.

"Das ist eine neue Spitze der Aufgeregtheit, wie Frankfurt sie noch nicht erlebt hat", sagt ein langjähriger Analyst. "Aber es ist wie in Hollywood: Wenn die Namen stimmen, ist die Story immer ein Erfolg." Die Mehrheit der Frankfurter Finanzwelt hält alles nur für heiße Luft. Zu viel spricht gegen einen Einstieg.

Imageschaden wäre sehr groß

"Der Imageschaden für die Deutsche Bank wäre immens", sagt Analyst Sebastian Reuter von der Hessischen Landesbank (Helaba). Die größte deutsche Bank ist beim Börsengang der Postbank Konsortialführerin und berät das Institut. Als Käuferin könnte sie ihr Insiderwissen für eigene Interessen ausnutzen. "Das verstößt gegen sämtliche geschriebene und ungeschriebene Gesetze des Kapitalmarktes", heißt es in Frankfurt. Die Bundesanstalt für Finanzaufsicht (BaFin) wollte den Fall nicht kommentieren.

Zudem hat Post-Chef Klaus Zumwinkel bereits einen detaillierten Fahrplan für den Börsengang vorgelegt. "Jetzt kann er nicht mehr zurück", sagt Olaf Kayser von der Landesbank Rheinland-Pfalz. Bereits vor Monaten habe es Gespräche über eine Beteiligung gegeben, die Deutsche Bank habe schließlich aber abgewunken, heißt es.

Übernahme bringt keine großen Vorteile

Das Einsparpotenzial ist zudem begrenzt. Beide Banken kooperieren seit April im Zahlungsverkehr miteinander. "Die Kundenstrukturen sind sehr unterschiedlich, was eine Zusammenlegung der Filialen verhindert und eine Zwei-Marken-Strategie erforderlich macht", sagt Alexander Plenk von der Bankgesellschaft Berlin.

Interessant wären allerdings die 11,5 Millionen Kunden der Postbank, die die größte deutsche Privatkundenbank ist. Mit 8,5 Millionen Kunden hat die Deutsche Bank nur rund sieben Prozent Marktanteil in diesem Bereich. Nach der gescheiterten Fusion mit der Dresdner Bank hat der Branchenprimus das einstmals ungeliebte Privatkunden-Geschäft wieder entdeckt. "Wir stehen auf zwei Beinen, dem Privatkunden- und dem Investment-Geschäft", betont ein Sprecher.

Machtkampf innerhalb der Deutschen Bank

Die Abwägungen des Für und Widers ist als Stoff für Gerüchte aber gar nicht geeignet. Sie würden bewusst in den Medien lanciert, hieß es. In diesem Fall tobt offenbar ein Machtkampf innerhalb der Bank. "Es gibt riesigen Widerstand gegen Bank-Chef Josef Ackermann", sagt ein Insider: "Er gilt als vaterlandsloser Geselle."

Ackermann hatte zu Jahresbeginn mit der Citigroup in New York Fusionsgespräche geführt. Seitdem wird der Schweizer verdächtigt, er wolle Deutschland einziges Geldinstitut von internationalem Rang mit einem ausländischen Konkurrenten fusionieren. Zu seinen Gegnern zählt Aufsichtsratschef Rolf Breuer, der am Wochenende sagte: "Nirgendwo auf der Welt gibt es eine vaterlandslose Bank. Ein Zukauf in Deutschland ist deshalb der richtige Schritt."

Welche Rolle spielt die Bundesregierung?

Bei dieser "nationalen Verschwörung" ("Spiegel") können Breuer & Co. auf die Bundesregierung zählen. Sie würde die Deutsche Bank gerne noch klarer in den Dienst der deutschen Industrie stellen. Bundeskanzler Gerhard Schröder hatte vor einigen Tagen auf dem Sparkassentag in Frankfurt erklärt: "Es muss in Deutschland und aus Deutschland heraus ein global ernst zu nehmendes Institut geben."

Eines ist sicher: Die Spekulationen um das unwürdige Börsenspiel werden für höhere Preise beim Börsengang sorgen. "Bislang fehlt der Postbank-Aktie eine Story", sagt Analyst Reuter. "Mit dem Deutsche Bank-Gerücht gibt es eine Zukunftsstrategie, die den Kurs treibt."

Marion Trimborn/DPA DPA

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