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Verbraucher: Stiftung Warentest gibt Apotheken schlechte Noten

Apotheken beraten ihre Kunden häufig schlecht und verkaufen ungeeignete Medikamente. Bei einer entsprechenden Untersuchung der Stiftung Warentest erreichte von 50 Apotheken nur eine einizige gute Resultate.

Apotheken beraten ihre Kunden häufig schlecht und verkaufen ungeeignete Medikamente. Das ergab eine Untersuchung der Stiftung Warentest, die am Donnerstag in Berlin vorgestellt wurde. Apothekerorganisationen erklärten, dass sie die "negativen Ergebnisse" ernst nehmen würden. „Auch wenn der Test nicht repräsentativ ist, werden wir ihn prüfen und die notwendigen Schlüsse daraus ziehen“, sagte der Präsident der Bundesvereinigung Deutscher Apothekenverbände, Hans-Günter Friese.

Nach Angaben von Stiftung Warentest hat nur eine der 50 untersuchten Apotheken in Berlin, Köln und München in allen Prüfpunkten positive Resultate erreicht. In vielen Testkäufen seien ungeeignete Präparate verkauft worden. Die Kunden seien häufig nicht ausreichend nach ihren Beschwerden befragt worden. Warentest-Chefredakteur Hubertus Primus sprach von "eklatanten Verstößen gegen die selbst verordneten Beratungsstandards". Weil sich durch die Gesundheitsreform aber der Anteil der Selbstmedikation erhöhe, seien Kunden zunehmend auf den Rat der Apotheker angewiesen.

Verbände wollen Ergebnisse prüfen

Die Apothekerverbände verwiesen auf andere repräsentative Umfragen in Bezug auf Qualität und Vertrauen. Im größten Vertrauenstest Europas über Berufsgruppen von der Zeitschrift "Readers Digest" lägen die deutschen Apotheker 2003 auf Platz vier. "Der Gegensatz zwischen den Warentest-Stichproben und der positiven Erfahrung von täglich drei bis vier Millionen Apothekenkunden muss sicher aufgeklärt werden", sagte Friese. Er wies darauf hin, dass die Untersuchung kaum mehr als zwei Tausendstel der rund 21.000 Apotheken in Deutschland einbezogen habe. Der Präsident der Bundesapothekerkammer Johannes Metzger appellierte an die Kunden, gezielt nachzufragen. "Das macht eine gute Beratung einfacher."

Bei der verdeckten Untersuchung der Stiftung Warentest im Herbst 2003 wurde getestet, ob die verkauften oder empfohlenen Medikamente für den Testkunden und sein Beschwerdebild geeignet waren. Testkunden erkundigten sich nach einem Schnupfenmittel und einem Abführmittel. Bei dem Schnupfenmittel waren laut Primus 21 von 50 Beratungsgespräche schlecht: Die Kunden wurden "kaum hinreichend zum Beschwerdebild befragt und auffallend schlecht über Nutzen und Risiken" des Medikaments informiert. "Insgesamt 100 Gespräche in 50 Apotheken sind sicher statistisch gesehen nicht repräsentativ. Ich denke aber, dass die Ergebnisse den Beratungsalltag widerspiegeln", sagte Primus.

Die Ergebnisse werden in der März-Ausgabe von Stiftung Warentest vorgestellt.

DPA