HOME

Verhaftung: Knast statt Kinowelt

Der Firmengründer des zahlungsunfähigen Filmhändlers Kinowelt, Michael Kölmel, wurde Montag in München verhaftet. Man wollte damit einer möglichen Flucht vorbeugen.

»Wir bestätigen, dass wir Herrn Kölmel verhaftet haben«, sagte ein Sprecher der Münchener Polizei am Dienstag und verwies für weitere Angaben auf die Staatsanwaltschaft. Dort war zunächst niemand für eine Stellungnahme zu erreichen. Einem Bericht des Boulevard-Blatts »Bild« (Dienstagausgabe) zufolge wird Kölmel ein Insolvenzvergehen vorgeworfen. Da Fluchtgefahr besteht, wurde Haftbefehl erlassen worden, hieß es in dem Bericht.

Überteuerte Firmenkäufe waren der Untergang

Im November 2001 hatte die Gläubigerbank ABN Amro Insolvenzantrag für Kinowelt gestellt. Das damals noch am Neuen Markt gelistete Medienunternehmen hatte knapp eine halbe Milliarde Euro Schulden bei den Instituten angehäuft und alleine für die ersten drei Quartale 2001 einen Verlust vor Steuern und Zinsen (Ebit) von gut 270 Millionen Euro ausgewiesen. Grund des Untergangs waren vor allem überteuerte Filmkäufe, die Kinowelt am Ende nicht zu akzeptablen Preisen absetzen konnte.

Kölmel wollte insolvente Firma übernehmen

Anfang Oktober hatte Insolvenzverwalter Wolfgang Ott mitgeteilt, eine Investorengruppe um Michael Kölmel und seinen Bruder Rainer werde zum 1. November für 32 Millionen das Kinowelt-Kerngeschäft erwerben. Damit setzten sich die Brüder, die Kinowelt bis zur Insolvenz geführt hatten, gegen ein Alternativangebot der Interims-Geschäftsführer Marcus Schöfer und Jerry Payne durch. Bei den Beschäftigten von Kinowelt hatte dies zu massiven Protesten geführt, zumal die Kölmels offenbar eine Verlegung des Firmensitzes nach Leipzig anstreben.

Wurde zum 'Penny-Stock'

Die Kinowelt-Aktie war zu den Boomzeiten des Neuen Marktes im Herbst 2000 einmal rund 57 Euro wert gewesen. Am Dienstag notierte die mittlerweile in den Geregelten Markt gewechselte Gesellschaft noch mit 18 Cent. Die Kernaktivitäten der Kinowelt AG waren Rechtehandel, Filmverleih und das Geschäft mit Videos und DVDs.

DPA