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Altersvorsorge: Einfach machen

Ja, sie ist kompliziert. Ja, sie ist bürokratisch. Ja, sie nervt total. Aber sie bringt vielen trotzdem etwas: Wie Sie die Riester-Rente richtig nutzen.

Eine "historische Reform" nannte Bundeskanzler Gerhard Schröder die vor gut zwei Jahren beschlossenen Rentengesetze. Und ein Name war auch schnell gefunden: Riester-Rente. Doch der Erfolg der Reform ist bislang eher bescheiden. Besonders aus der privaten Riester-Rente droht ein gigantischer Flop zu werden.

Rund 30 Millionen Anspruchsberechtigte - so heißen arbeitende Menschen auf Riester-Deutsch - gibt es. Nur knapp vier Millionen haben bisher eine private, staatlich geförderte Zusatzrente per Versicherung, Investmentfonds oder Banksparen abgeschlossen. Sie haben sich durch Hunderte von Angeboten gequält, von teils lustloser und manchmal inkompetenter Beratung nicht abschrecken lassen, eine lange Liste "steuerschädlicher" Nebenbedingungen - beispielsweise den Lebensabend im Ausland, der nicht gefördert wird - studiert. Und nun müssen sie obendrein Jahr für Jahr mehrere unverständliche Formulare ausfüllen, um den Staatszuschuss weiter zu erhalten.

Kein Wunder, dass das Interesse der Bevölkerung an dem Thema laut neueren Umfragen sogar weiter abnimmt. "Ich bin für jeden Vereinfachungsvorschlag dankbar", hatte Namenspatron Walter Riester vor zwei Jahren im stern-Gespräch beteuert. Seit knapp einem Jahr ist Ulla Schmidt (SPD) seine Nachfolgerin im Bundessozialministerium. Doch vereinfacht wurde nichts. Die DWS, der Fondsanbieter der Deutschen Bank, hat inzwischen entnervt das aktive Werben für Riester-Fonds eingestellt.

Dabei kann sich die komplizierte Rente für viele Bürger durchaus lohnen, wie Beispielrechnungen zeigen (siehe Tabelle). So ist das Riester-Sparen etwa für nichtberufstätige Ehefrauen oder -männer attraktiv. Sie können ihre Rentenansprüche auch ganz ohne eigene Zuzahlungen erhalten, wenn sie lediglich die staatliche Grund- und gegebenenfalls die Kinderzulage ansparen.

Auch für Arbeitnehmer in Betrieben kann "Riester" attraktiv sein - und es ist viel einfacher. So wurden binnen weniger Monate mehr als zwei Millionen betriebliche Altersvorsorgeverträge abgeschlossen. "Dieses Geschäft entwickelt sich sehr gut", freut sich Michael Hessling, Vorstand bei der Allianz Lebensversicherung. Mit drei betrieblichen Sparvarianten - der Direktversicherung, einer Pensionskasse und Pensionsfonds - lässt sich das Riester-Sparen in Unternehmen organisieren.

In der Regel legt der Arbeitgeber ein Angebot für einen Sparvertrag vor. Konditionen verhandelt er zuvor mit seinem Finanzberater oder schließt sich einer zwischen Arbeitgeberverbänden und Gewerkschaften ausgehandelten Branchenofferte an. Entscheiden müssen Mitarbeiter dann nur noch, ob sie eine solche Betriebsrente lieber klassisch möchten oder zu den Bedingungen eines Riester-Vertrages. Dies kann man zum Beispiel mit dem Betriebsrat oder der Lohnbuchhaltung besprechen.

Wenn Betriebe die Riester-Rente nicht anbieten, sollten Arbeitnehmer nach solchen Angeboten fragen. Die Riester-Reform gibt sogar einen Rechtsanspruch darauf - egal, ob in der Firma zwei oder 2.000 Beschäftigte arbeiten.

Frank Donovitz, Mitarbeit: Joachim Reuter

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