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Bonusprogramme: Spendable Kassen

Lust auf einen Qi Gong-Kurs auf Mallorca oder Fitness im Luxus-Hotel? Dann fragen Sie doch mal Ihre Krankenkasse. Denn die Kassen buhlen derzeit mit großzügigen Angeboten um Mitglieder. stern.de hat die Offerten durchforstet.

Früher sind die Versicherten auf Kosten ihrer Krankenkasse auf Kur gefahren - wenn vorher ein entsprechender Antrag eingereicht und genehmigt wurde. Inzwischen können sich Kassenversicherte ihre Gesundheitsreise im Katalog aussuchen, in Urlaub fahren und anschließend die Quittung bei ihrer Kasse einreichen.

Entspannungswoche in Italien

Da der Leistungskatalog für die Gesundheitsversorgung für alle Krankenkassen gleichermaßen gilt, müssen sie sich bei der Eigenwerbung etwas einfallen lassen. Mitgliedern finanzielle Zuschüsse für ausgefallene und exklusive Präventionsangebote zu gewähren, ist eine Möglichkeit. Besonders gut laufen die Gesundheitsreisen. Gesetzlich Versicherte, die sich sportlich betätigen oder sich unter professioneller Anleitung entspannen wollen, nehmen zunehmend entsprechende Kurse in ausgewählten Hotels in Deutschland, Tschechien, Österreich oder Italien zum Vorzugspreis in Anspruch.

Die Gmünder Krankenkasse, die Techniker Krankenkasse und die DAK gewähren zum Beispiel Zuzahlungen für einwöchige Ernährungs-, Entspannung- und Bewegungskurse von bis zu 200 Euro. Die GEK unterstützt ein elftägiges Programm zur Raucherentwöhnung in den Bergen sogar mit 400 Euro. Reiseveranstalter freuen sich über die wachsende Nachfrage und haben ihre Angebote entsprechend ausgebaut. Tui hat beispielsweise einem eigenen Katalog aufgelegt, in dem rund 50 Programme in 35 Hotels in sechs europäischen Ländern angeboten werden. Die Kassen gewähren für diese Kurse bis zu 210 Euro Zuschuss.

Bewegung ist die Gegenleistung

Komfortabler ist Gesundheit nicht zu kriegen: Bei dem Spezialisten Dr. Holiday können viele Kassenmitglieder sogar eine Fitness-Woche in einem bayerischen Luxus 5-Sterne Hotel für 285 Euro pro Person buchen, wenn ihre Kasse 185 Euro vom ursprünglichen Preis übernimmt. Begrüßungssekt und "Dinnerarrangement" inklusive. Dafür müssen die Gäste ein umfassendes Gesundheitsprogramm mit Rückenschule, Nordic Walking, Aquafit und Qi Gong absolvieren.

Andere Kassen wollen bei den Versicherten mit der Übernahme der Reiseimpfkosten punkten. Die Atlas BKK, die Audi BKK und Mobil Oil umgarnen beispielsweise Globetrotter: Sie übernehmen die Kosten für Impfungen gegen Hepatitis, Typhus, Tollwut und FSME, die normalerweise privat bezahlt werden müssen. Die Novitas Vereinigte BBK zahlt sämtliche Reiseimpfungen, darunter auch gegen Cholera und Gelbfieber.

Auch das Fitnesscenter wird gesponsert

Die Angebote der Kassen vor Ort sind nicht minder attraktiv: Viele BBKs werben um junge Mitgliedschaft, indem sie ihnen Kurse im Fitnesscenter mitfinanzieren. Gewinner des Wettbewerbs sind aber vor allem gesetzlich Versicherte, die alternative Behandlungsmethoden in Anspruch nehmen wollen. Akupunktur zur Therapierung von chronischem Kopfschmerzen, Migräne, Rücken- oder Knieschmerzen ist inzwischen schon fast zur Regelleistung gesetzlicher Kassen geworden.

Die Techniker Krankenkasse übernimmt zum Beispiel auch die Kosten für homöopathische Behandlungen, andere Kassen bezuschussen sie. Und die Kaufmännische Krankenkasse Hamburg zahlt im Einzelfall sogar die Bioresonanztherapie.

Wahltarife für Sparer

Am deutlichsten unterschieden sich die Kassen aber bei den Zusatzversicherungen und den Wahltarifen. Je nach Struktur ihrer Mitglieder schnüren sie unterschiedliche Pakete. Versicherte, die wechseln wollen, sollten sich zunächst überlegen, was ihnen eigentlich wichtig ist, rät deshalb der Bundesverband der Betriebskrankenkassen. "Dann lohnt sich ein Blick in Satzungsleistungen der Kassen, wo die Kassen ihre speziellen Leistungen, die über den Regelkatalog hinausgehen, festlegen", sagte seine Sprecherin Ann Hörath.

Für Preisbewusste lohnt sich auch in Zeiten des Einheitsbeitrags ein Vergleich. Denn fast alle Kassen bieten - ähnlich wie die privaten Versicherungen - Tarife mit Selbstbehalt, Bonusprogramme oder Sonderleistungen an.

Künftige Situation richtig einschätzen

Bei den Wahltarifen und besonders bei den Tarifen mit Selbstbehalt müssen die Versicherten ihre künftige Situation gut einschätzen können. Wer als junger und gesunder Mensch einen besonders günstigen Tarif mit einem Selbstbehalt wählt, und dann eine Familie gründet, muss später eventuell kräftig draufzahlen. Versicherte, die bereit sind, ein Risiko zu übernehmen, können aber auch gleich zu einer privaten Krankenversicherung wechseln und zusätzlich die Vorzüge von Privatversicherten nutzen.

Durch den Gesundheitsfonds und den damit einher gehenden Einheitsbeitrag von 15,5 Prozent ist also die ständige Suche nach der billigsten Kasse - zumindest in der gesetzlichen Krankenversicherung - sowieso überflüssig geworden. Was ab jetzt zählt sind die Leistungen - besonders die zusätzlichen.

Inga Niermann