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Gehaltsumwandlung: Hey Boss, ich will Betriebsrente

Seit Januar können Arbeitnehmer ruhig fragen: Hey Boss, wie steht's mit 'ner Betriebsrente? Seit Jahreswechsel haben Beschäftigte nämlich ein verbrieftes Recht auf Gehaltsumwandlung.

Seit Januar können Arbeitnehmer ruhig fragen: Hey Boss, wie steht's mit 'ner Betriebsrente? Seit Jahreswechsel haben Beschäftigte nämlich ein verbrieftes Recht auf Gehaltsumwandlung. Sie können damit selbst entscheiden, ob sie einen Teil ihres Einkommens über die Firma für den Ruhestand zurücklegen statt ihn ausgezahlt zu bekommen - ob der Chef nun zustimmt oder nicht.

Bislang Praxis in Großunternehmen

Peter Grieble, Finanzexperte der Verbraucherzentrale Stuttgart, ermuntert zum sanften Nachhaken: "Ein sehr lukrativer Weg, fürs Alter zu sparen". Das Extra-Zubrot über den Betrieb wird steuerlich gefördert, ist kostengünstig und verspricht eine gute Rendite. Bislang kamen vor allem die Beschäftigten in Großunternehmen in den Genuss der Vorteile von betrieblichen Pensionskassen. Weil dies eine freiwillige Leistung des Arbeitgebers war, gingen die Mitarbeiter kleiner Firmen meist leer aus.

Nun will der Staat das "Stiefkind Betriebsrente" aufpäppeln. Die Regeln sind geändert. Die Finanzierung liegt jetzt in der Hand der Beschäftigten. Profitieren können daher alle Pflichtmitglieder der gesetzlichen Rentenversicherung, also auch Millionen Mitarbeiter mittlerer und kleiner Firmen. "Wenn vom Chef nichts kommt, sollte man ihn einmal darauf ansprechen, den Betriebsrat, die Personalstelle oder die Gewerkschaft fragen", ermutigt Grieble.

Deutlich weniger Verwaltunskosten

Gehaltsumwandlung kann sich für den Arbeitnehmer richtig auszahlen. Bis zu 2.160 Euro seines Bruttoeinkommens kann er pro Jahr abzwacken und direkt im kollektiven Sparvertrag mit Sonderkonditionen arbeiten lassen, den entweder der Chef, die Branchen- oder Gewerkschaftsvertreter vorher ausgehandelt haben. Bis zu 50 Prozent der Verwaltungkosten könnten bei solchen Gruppenverträgen im Vergleich zu privaten Einzelverträgen eingespart werden, betont Grieble. Steuert der Chef noch ein freiwilliges Extra-Geld dazu, lohnt sich das betriebliche Sparen fürs Alter noch mehr.

Aber auch der Arbeitgeber kann profitieren. Auf Altersvorsorgebeiträge werden oft keine Sozialabgaben für Renten-, Arbeitslosen- und Krankenversicherung fällig.

Vorsicht bei der Besteuerung

Die Wege, für den Ruhestand via Firma zu sparen, sind vielfältig. Neben den bisher üblichen Varianten der Direktzusage, bei der ein Arbeitgeber Rückstellungen für die Alterversorgung seiner Mitarbeiter macht, und der Unterstützungskasse bleiben auch Direktversicherungs- und Pensionskassenlösung bestehen. Neu ist der fünfte Weg des Pensionsfonds. Diese sind jedoch gerade erst in der Gründung. Möglich ist auch, die Wege zu kombinieren - allerdings nur theoretisch. Denn der Arbeitgeber bestimmt letztendlich, in welches Versorgungswerk das Gehalt fließt.

Kompliziert wird es, wenn es um die Besteuerung geht. Entweder bleibt ein Teil des angesparten Einkommens, steuer- und bis 2009 auch sozialabgabenfrei. Dafür muss die spätere Rentenzahlung voll versteuert werden. Oder es wird Gehalt aus bereits versteuertem Einkommen angelegt, zum Beispiel in eine Direktversicherung oder Pensionskasse.

Anspruch auf Betriebsrente verfällt nicht

Möglich ist auch, die neue Riester-Förderung für die Betriebsrente zu nutzen - allerdings nicht, wenn es um eine Pensionszusage oder Unterstützungskasse geht. Einige Verbraucherschützer raten, die staatlichen Zulagen eher in einen privaten Rentenvertrag fließen zu lassen, wenn es finanziell drin ist.

Wer betrieblich fürs Alter spart, muss keine Angst mehr haben, dass Rentenansprüche verfallen, wenn die Firma gewechselt wird. Kann der Anspruch nicht in den neuen Job mitgenommen werden, bleibt er im alten bestehen. So kann es durchaus sein, dass so mancher frisch gebackene Rentner mehrere kleine Betriebsrenten einsammeln muss.

DPA