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Weiß-blauer Renner: Das Erfolgsgeheimnis von BMW

Stellenabbau bei Opel, Nullrunden bei VW, Absatzrückgang bei Mercedes - die deutsche Autoindustrie kämpft mit Problemen. Umso mehr erstaunen die fortgesetzten Erfolgsmeldungen von BMW.

Am Mittwoch gaben die Münchner Autobauer ein neues Rekordquartal bekannt und kündigten den höchsten Jahresgewinn der Firmengeschichte an. Seit vergangenem Herbst stellten sie über 2000 Mitarbeiter zusätzlich ein. Und BMW zahlt nicht nur Löhne nach dem bayerischen Metall-Tarif - die Beschäftigten erhalten sogar mehr als 15 Monatsgehälter im Jahr.

Klare Produkte

Für den bayerischen IG-Metall-Chef Werner Neugebauer ist BMW ein gutes Argument gegen Forderungen nach Lohnsenkungen. Entscheidend seien als erstes attraktive Produkte. "Wenn langweilige Produkte angeboten werden, gibt es keinen Erfolg - siehe Opel", sagt Neugebauer. Der Münchner Wirtschaftsprofessor Horst Wildemann erklärt, BMW habe sich gerade noch rechtzeitig von Rover getrennt, sich auf Premium-Produkte konzentriert und die richtigen Modelle angeboten. Jetzt ernte das Unternehmen die Früchte.

"Andere Hersteller müssen nebeneinander billige und teure Autos entwickeln - das erfordert natürlich einen größeren Aufwand", sagt BMW-Sprecher Linus Schmekel. "Wenn ein Unternehmen ganz billige und ganz teure Autos macht, fragt sich der Kunde vielleicht: Hab ich jetzt ein teures Auto mit billigen Teilen?" BMW, Rolls-Royce und auch der Kleinwagen Mini dagegen seien als Premium-Produkte positioniert und entsprechend teurer zu verkaufen.

Sehr flexible Arbeits-Organisation

Ein zweiter Grund für den Erfolg der Münchner ist die ungewöhnlich flexible Arbeits-Organisation. BMW-Chef Helmut Panke sagt: "Unsere Werke können mit der Nachfrage atmen, statt auf hohen Fixkosten zu sitzen." Professor Wildemann bestätigt: "Die haben ihre Fabriken schon sehr früh nach neuen Erkenntnissen gestaltet und flexible Arbeitszeitmodelle eingeführt." Andere machten das inzwischen auch, "aber die machen das exzellent".

Während VW in der gläsernen Fabrik in Dresden den Phaeton baut, laufen im niederbayerischen Dingolfing 5er, 7er und 6er direkt hintereinander vom selben Band. Im Werksverbund können Produktionen je nach Nachfrage rasch umgesteuert werden. "Das ist ein Teil der Erfolgsstory", sagt Neugebauer. Zudem habe BMW schon in den 80er Jahren angefangen, die individuellen Arbeitszeiten der Arbeiter von den Laufzeiten der Maschinen zu entkoppeln. "Da haben andere noch von Flexibilität geträumt" sagt Neugebauer. Die IG Metall habe dies Modell mit initiiert.

"Nicht wie Lopez"

"Die Werke können zwischen 80 und 140 Stunden pro Woche produzieren, ohne Einstellungen oder Entlassungen", erklärt Schmekel. "Im neuen Werk in Leipzig sogar zwischen 60 und 140 Stunden." Trotzdem gilt der IG-Metall-Tarif mit der 35 Stunden-Woche. Aber je nach Nachfrage kann der einzelne Arbeiter auch mal 30 oder 48 Stunden arbeiten. Es sind bis zu 220 Unter- und Überstunden möglich, nur übers Jahr müsse das Konto ausgeglichen sein, wie Neugebauer sagt. BMW gibt die Arbeitszeit im Werk für einzelne Gruppen vor. In der Gruppe machten die Arbeiter dann untereinander aus, wer wann wie viel arbeite. In der Forschung und Entwicklung sind auch auf Dauer 40-Stunden-Wochen möglich.

Die Mitarbeiter seien zufrieden und hoch motiviert, sagen der Gewerkschaftsboss und der Unternehmenssprecher übereinstimmend. Neben dem regulären Gehalt bekommen sie einen BMW-Tarifzuschlag, Urlaubsgeld, 1,2 Gehälter Weihnachtsgeld und 1,5 Gehälter als Erfolgsbonus. Einen weiteren Grund für den BMW-Erfolg sieht Wildemann im Umgang mit den Zulieferern. "Nicht wie Lopez - die pflegen einen anderen Umgang, die haben die Entwicklungsleute der Zulieferer in ihre Entwicklungsteams integriert und nutzen deren Know-how."

Bonus: BMW ist mehrheitlich im Familienbesitz

Ein weiterer Unterschied ist: BMW gehört mehrheitlich der Familie Quandt. Deshalb steht BMW weniger unter dem Druck des Kapitalmarktes und muss keine feindliche Übernahmen fürchten. "Da kann man längerfristig planen", sagt Wildemann. Schließlich sind die Münchner auch frühzeitig andere Vertriebswege gegangen und ins Flotten- und Leasinggeschäft eingestiegen. Von den 106.000 BMW-Beschäftigten arbeiten über 80.000 in München, Dingolfing, Regensburg, Berlin und Leipzig. "Wir beziehen 51 Prozent des Produktionsvolumens aus Deutschland", sagt Schmekel.

Roland Losch/AP / AP