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Einstiges Dax-Wunderkind Wirecard kommt nicht zur Ruhe: Bilanz erneut verschoben, Strafanzeige, Aktienkurs rutscht ab

Wirecard
Unruhige Zeiten am Wirecard-Stammsitz in Aschheim bei München
© FrankHoermann/SVEN SIMON / Picture Alliance
Der Bilanzskandal um Wirecard nimmt kein Ende. Jetzt muss der Konzern abermals die Vorlage der Jahreszahlen verschieben – und sieht sich selbst als Opfer eines "gigantischen Betrugs".

Der einst als Dax- und Fintech-Wunderkind bejubelte Zahlungsdienstleister Wirecard kann wegen milliardenschwerer Unklarheiten in der Bilanz seinen Jahresabschluss erneut nicht vorlegen.

Die beauftragte Wirtschaftsprüfungsgesellschaft EY habe das Unternehmen darüber informiert, dass über die Existenz von Bankguthaben auf Treuhandkonten in Höhe von 1,9 Milliarden Euro keine ausreichenden Prüfungsnachweise vorlägen, teilte der Dax-Konzern am Donnerstag in Aschheim bei München mit. Damit geht es um etwa ein Viertel der gesamten Bilanzsumme.

Wirecard sieht sich als Betrugsopfer

Wirecard will Strafanzeige gegen unbekannt erstatten, wie ein Konzernsprecher am Donnerstag sagte. Das Unternehmen sehe sich als mögliches Opfer eines "gigantischen Betrugs".

Es gebe Hinweise, dass dem Abschlussprüfer von einem Treuhänder oder aus dem Bereich von Banken, die die Treuhandkonten führen, "unrichtige Saldenbestätigungen zu Täuschungszwecken vorgelegt wurden", hieß es in der Mitteilung.

Der Aktienkurs brach nach der Verschiebung der Bilanzvorlage ein. Er stürzte am Donnerstagvormittag um fast 70 Prozent ab und war vorübergehend vom Handel ausgesetzt worden. Mit 35 Euro befand sich der Kurs zwischenzeitlich in etwa auf dem Niveau von Juni 2016. Im Anschluss erholte sich der Kurs etwas, lag aber am Mittag noch immer mit mehr als 40 Prozent im Minus.

Aktienkurs Wirecard
Der Aktienkurs von Wirecard brach am Donnerstag zunächst gewaltig ein, ging im Anschluss jedoch wieder hoch

Seit 1999 immer wieder Wirbel um Wirecard

Der Konzern muss seine bereits mehrfach – zuletzt auf diesen Donnerstag – verschobene Vorlage des Jahresabschlusses für 2019 daher erneut vertagen. Ein neues Datum steht offenbar noch nicht fest. "Der Vorstand arbeitet mit Hochdruck daran, den Sachverhalt in Abstimmung mit dem Abschlussprüfer weiter aufzuklären", hieß es. Sollte der Konzern einen testierten Abschluss bis Freitag (19. Juni) nicht vorlegen, könnten Kredite der Wirecard AG in Höhe von etwa zwei Milliarden Euro gekündigt werden, warnte das Unternehmen.

Wirecard stand seit der Gründung 1999 immer wieder im Zentrum von Aktienspekulationen. Anfang 2019 standen sogar schwere Betrugsvorwürfe im Raum. Die britische "Financial Times" berichtete wiederholt über vorgetäuschte Umsätze und gefälschte Verträge bei Wirecard in Singapur. Wirecard wies die Anschuldigungen stets als verleumderisch zurück. 


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rös dpa

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