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14. Dezember 2008, 19:21 Uhr

Computerbilder sind neuer Tattoo-Trend

Punkt, Punkt, Komma, Strich, fertig ist das neue Arschgeweih. Doch statt Tribal und anderen Fantasy-Verzierungen, stehen nun Computer-Bilder als Tätowierung hoch im Kurs. Dabei handelt es sich allerdings nicht um komplizierte Grafiken, sondern um einfache Buchstabenbilder.

Erst aus der Nähe sieht man, dass das Motiv aus einzelnen Zeichen besteht© DPA

Aus einigen Metern Entfernung sieht die frischgestochene Tätowierung wie ein gewöhnliches Totenkopf-Motiv aus. Erst beim genauen Hinsehen wird deutlich, dass das Hautbild aus Punkten, Kommata oder Buchstaben besteht. Bislang in der virtuellen Welt beheimatet, hat "ASCII-Art", eine Kunstform, bei der Bilder am Computer allein aus Satzzeichen und Buchstaben gestaltet werden, auch Einzug in Tattoo-Studios erhalten. "Ich kann mir gut vorstellen, dass das ein neuer Trend wird", sagt Totto Jeratsch, Chef des Tätowierladens "Freie Manufaktur" im Hamburger Schanzenviertel. Seit zwanzig Jahren arbeitet er in der Szene. "Aber sowas habe ich noch nie gesehen."

Der digitale Totenkopf ziert jetzt das rechte Bein von Sabine Puchler aus Diepholz (Niedersachsen). Die Frau mit den pinkfarbenen Haaren hat kaum eine Miene verzogen, als Tätowierer Jabba die surrende Nadel an ihrer Wade ansetzte. "Das ist wirklich Pille- Palle", erklärt die 31-Jährige. Ihre fünfzehn weiteren Tattoos seien weitaus schmerzhafter gewesen. Nach nur einer Stunde ist das jüngste und wohl außergewöhnlichste Hautbild an ihrem Körper fertig. "Eigentlich ist es das perfekte Motiv für Einsteiger", erklärt Jabba nach vollendeter Arbeit. Wenig Farbe auf wenig Fläche verursache wenig Schmerzen. "Außerdem heilt das Tattoo superschnell ab, weil kaum Schürfwunden entstehen."

Die Prozedur ist weniger schmerzhaft als bei anderen Motiven, da weniger Fläche ausgemalt wird© DPA

Auch wenn er als Tattoo ein Novum ist, entwickelt wurde der Computercode ASCII (American Standard Code for Information Interchange) bereits in den 1960er Jahren. "Er regelt, wie das Alphabet dargestellt wird und da Computer lange Zeit keine Bilder darstellen konnten, entstand die Idee, Grafiken aus Buchstaben zu entwickeln", erklärt der Hamburger Trendberater Christian Riedel. Zunächst sei die ASCII-Kunst dann eher ein Nischenphänom gewesen, etwa für Computerfreaks und Medienkünstler.

Umso erstaunlicher, dass sie sich trotz der heutigen Multimedia- Computer, die hochauflösende Grafiken darstellen können, zu einem Massenphänomen entwickelt habe. "Der Begriff ASCII ist nur den wenigsten geläufig, aber fast jeder kennt doch Buchstabenbilder aus SMS-Nachrichten", sagt der 30-Jährige. Zur Zeit tauchten die Bilder auch vermehrt auf den Pinnwänden und Message Boards von Social Communities, wie meinVZ oder Facebook auf. "Die ASCII Fan Gruppe von meinVZ hat inzwischen knapp 9000 Mitglieder", erklärt Riedel.

Unterdessen wickelt Jabba das frischgestochene Werk an Sabines Wade mit Plastikfolie ein. Er ist zuversichtlich, dass ASCII auch in seiner Branche ein neuer Trend werden kann. "Die Kunst des Tätowierens ist tausende von Jahren alt. Da gibt es selten etwas richtig Neues", sagt der Tätowierer. "Und wenn doch, springen die Leute erfahrungsgemäß drauf an." Reizvoll sei zudem, dass die Kunden ihr eigenes Motiv ohne viel Aufwand am heimischen Computer selbst basteln könnten. Schließlich gibt es inzwischen frei verfügbare Programme, die aus jedem Foto ein ASCII Bild errechnen können. "Die bringen dann ihre ausgedruckte Vorlage mit und wir setzen sie um."

Und wenn man sich irgendwann an seinen digitalen Hautbildern sattgesehen hat, bieten die ASCII-Motive einen unschlagbaren Vorteil: Dank des geringen Farb- und Flächenverbrauchs können die Tattos relativ einfach wieder weggelasert werden.

DPA/Jenny Tobien
 
 
KOMMENTARE (1 von 1)
 
Sandygirl (15.12.2008, 14:50 Uhr)
Selbstverstümmelung
....wer's brauch.
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