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11. Mai 2007, 12:05 Uhr

Druckertinte mit Werbung bezahlen

Druckertinte ist eine der teuersten Flüssigkeiten der Welt. Ein deutsches Unternehmen lockt mit kostenlosen Originalpatronen. Wer die haben will, muss Werbung ausdrucken. Mit dem eigenen Drucker, auf selbst bezahltem Papier. Von Matthias Lauerer

Der Printcast-Druckertreiber identifiziert den Kunden, so dass angepasste Werbung zurückgeschickt werden kann© Printcast

Das Drucker-Drama kennen wir alle. Manche Geräte werden uns für 39 Euro in jedem Elektro-Markt hinterher geworfen. Aber die Tinte schlägt dann preislich voll ins Kontor, wenn der Kunde neuen Druck-Stoff braucht. Zehn Milliliter für 26 Euro und mehr sind die Realität. Macht pro Liter unglaubliche 2.600 Euro. Doch statt einer kompletten Einbauküche bekommt man dafür nur ein wenig nasse Farbe schnell aufs Papier gespritzt.

Dieser Zustand ärgerte auch Birger Wunderlich. Der Geschäftsführer des Unternehmens "Printcast" mit Sitz in Castrop-Rauxel wollte nicht mehr mit billiger, aber nervig nachzufüllender Tinte oder mit Patronen-Kopien arbeiten. Im Gespräch mit stern.de erklärt er seine einfache Idee des kostenlosen Druckens: "Sie melden sich auf unserer Homepage an. Und geben danach mindestens zehn persönliche Interessen an. Wir, über einen speziellen Druckertreiber, schicken Ihnen personalisierte Werbung auf den PC." Dieses Treiberprogramm lädt man sich von der Homepage des Unternehmens herunter. Jeder Ausdruck wird dann auf einem Tintenkonto registriert. Damit das Modell funktioniert, muss der PC online sein. Ein Werbebanner beschert den druckenden Kunden 20 Cent aufs Konto. Für ganze Din-A-4 Seiten gibt es zwischen 40 und 50 Cent. Wenn er jedoch mehr persönliche Interessen angibt, dann können das laut Birger Wunderlich auch 80 Cent pro Seite werden. Dieses Druck-Spiel geht solange weiter, bis der Betrag von 50 Euro erreicht ist. Nach knapp 100 Werbe-Ausdrucken erhält der Kunde seine nagelneue Original-Patrone per Post zugesandt. Diese reicht für den Ausdruck von 400 Papierseiten. 20 Prozent des Patronen-Inhalts werden laut Printcast für Werbung verdruckt. Für Unternehmen sei das Angebot interessant, da sie kaum Streu-Verluste bei der Werbung verzeichneten.

Der Andrang ist groß

Wunderlichs Idee traf wohl den Zeitgeist. Denn schon jetzt, in der Test-Phase, ist die Online-Nachfrage gewaltig. Ganz ohne teure Werbekampagne. "Wir haben zurzeit ungefähr 30 Anmeldungen pro Stunde", vermeldet Wunderlich. Eigentlich wollte man erst in ein paar Wochen durchstarten. Unterstützt dann "mit 500.000 Euro Werbe-Geldern für Print-Werbung." Um damit den bundesdeutschen Markt aufrollen. Doch nach dem großen Zuspruch sind Wunderlich und sein Team schon jetzt am Start.

Trotzdem wurde die Idee über ein halbes Jahr geheim gehalten. Der Grund: "Wir verhandelten mit allen renommierten Drucker-Herstellern, um sie von unserer Idee zu überzeugen." Jetzt sitzen alle großen Firmen wie HP, Canon, Epson, Lexmark und Brother mit im Tinten-Boot. Für deren Drucker-Typen soll es passende Patronen geben. Die Hersteller profitieren davon, dass Kunden mit der Original-Ware versorgt werden.

Bislang steckte Wunderlich 180.000 Euro in seine Idee. Das Geld stammt aus seiner Werbe-Agentur. Die Firma stellt unter anderem Animationen für die Sendungen "Nano" und "Quarks und Co." her. Das Fach-Wissen sammelte sich in "17 Jahren im Geschäft" an, wie der erst 33-jährige Wunderlich betont.

Große Pläne

Die Geschäftsidee ließ sich der Unternehmer schnell in den USA schützen. Die Software wurde dann sowohl in Deutschland, als auch weltweit als Patent angemeldet. Sechs Millionen Euro will "Printcast" noch im Jahr 2007 umsetzen. Als nächsten Schritt plant die Firma so genannte "PrintCasts". Der Kunde erhielte zum Beispiel den frischen Ausdruck der aktuellen TV-Zeitung, sobald er morgens online geht.

Steigender Papierverbrauch

Fraglich bleibt, ob die Kunden bereit sind, für ein bisschen Tinte die letzten persönlichen Daten herauszurücken. Um sie dann an Firmen weiterzugeben, die sich mit ihren Werbe-Botschaften gezielt an vollends gläserne Verbraucher wenden können, die in ihren Arbeitszimmern sitzen. Und auf selbst bezahltem Papier fleißig Werbung ausdrucken, die sie normalerweise im Briefkasten wohl niemals beachtet hätten.

Von Matthias Lauerer
 
 
KOMMENTARE (3 von 3)
 
heiner5362 (11.05.2007, 16:02 Uhr)
kann mir gestohlen bleiben
solange ich mit eratztinte für 9,98 pro 100ml weitaus bessere ergebnisse erziele als mit dem original.
da verklebt nämlich nichts den druckkopf, was ja auch gewollt ist von den herstellern. mal ein paar harze beigemischt um die lebensdauer zu senken.
die flüssige sollbruchstelle sozusagen.
das selbstbefüllen ist ein klacks, geld und wege gespart.
wer da für das original die hosen runterlässt kauft auch bei ebay auf treu und glauben ein.
selbst schuld wenn man nicht weiter denken kann als unsereins ein klavier werfen.
tagora-sagittara (11.05.2007, 14:40 Uhr)
Geiz ist geil,...
traurig aber wahr,...und wer rechtfertigt die verplemperten Resourcen??
Alex64 (11.05.2007, 14:13 Uhr)
Soviel...
... zum Thema Umweltschutz, Treibhausgase, Klimawandel.....
Aber Hauptsache, Geiz bleibt weiterhin geil.
Schliesslich hat sich unser Schöpfer, so es ihn denn gibt, auch bei der Vergabe von Intelligenz an so manchen ja auch schon recht geizig gezeigt und kann somit als Vorbild dienen.
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