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12. Juli 2005, 12:43 Uhr

Der Teufel hat den Sex versteckt

Pubertärer Quatsch oder Untergang des Abendlandes? Im populären Computerspiel "GTA: San Andreas" sind Sexszenen versteckt, die man mit etwas Mühe freischalten kann. Konservative in den USA toben.

Wer träumt davon nicht? Anweisungen (oben links), wie man sich beim Sex zu verhalten hat© www.sanan.com

"Make War Not Love" - so scheint in den USA das inoffizielle Motto bei den Altersfreigaben von Filmen oder Computerspielen zu lauten. Blut statt Brüste, Ballern statt Beischlaf: Besonders Europäer schütteln häufig den Kopf angesichts dessen, was junge Amerikaner sehen dürfen - und was nicht. Und so enthält die folgende Geschichte eine kleine Prise Kulturkampf, denn ausgerechnet ein Holländer war es, der eines der derzeit angesagtesten Computer- und Videospiele ins Visier konservativer Moralhüter zurückschubste. In "Grand Theft Auto: San Andreas" ist die Möglichkeit versteckt, im Spiel Dinge zu tun, über die in Rap-Videos nur gesungen wird. Groß ist die Aufregung, ein Jugendverbot wird gefordert, die US-Freigabebehörde ESRB guckt sich "GTA: San Andreas" noch einmal an.

Was war passiert?

Sie waren nie für Kinder gedacht, die Spiele der "GTA"-Reihe: Hauptrolle spielen immer Kriminelle, die der Spieler durch eine skrupellose Gangsterkarriere führen muss. Der neueste Teil der Reihe, "San Andreas", macht da keine Ausnahme: Als afroamerikanisches Gangmitglied "CJ" muss der Spieler sich mit Autodiebstählen, Kurierdiensten und Auftragsmorden in der Hierarchie nach oben arbeiten. Gewalt ist für CJ ein wesentliches Mittel, seine Ziele zu erreichen. Neben durchweg positiven Kritiken erhielt das Spiel eingeschränkte Jugendfreigaben: in den USA ein "M" für Käufer ab 17 Jahren, in Deutschland ist es ab 16 freigegeben.

Hardcore in Software?

Dass sich im Programmcode von "GTA: San Andreas" mehr versteckte, als gemeinhin bekannt war, entdeckte vergangenen Monat ein niederländischer Programmierer namens Patrick Wildenborg. Der 36-Jährige entwickelte ein kleines Stück Software, einen so genannten "Mod" (für "Modification"), der interaktive Sexszenen freischaltet, die von den Entwicklern offenbar deaktiviert wurden, bevor das Spiel in die Herstellung ging. Per..., nun ja, Joystick kann CJ dann auch ein paar Ladies beglücken. Diese Szenen lassen sich nur durch die Anwendung des "Mods" auf einen gespeicherten Spielstand aktivieren. "Man kann nicht zufällig darüber stolpern, während man das Spiel spielt", sagte Wildenborg gegenüber der "New York Times".

Auftritt: der Moralhüter

Das interessiert Leland Yee überhaupt nicht. Dem kalifornischen Abgeordneten sind Gewalt darstellende Computerspiele schon längst ein Dorn im Auge - und "GTA: San Andreas" ganz besonders. Kaum bekam er Wind von der Sexaffäre, warf er dem Entertainment Software Rating Board (ESRB), das die Altersfreigabe für Computerspiele festlegt, Versagen vor und forderte eine Einstufung auf "Adults only". Titel "nur für Erwachsene" unterliegen strengen Werbebeschränkungen. Was für den Hersteller Rockstar Games und seinen Vertrieb Take 2 allerdings noch schlimmer wäre: Die großen Warenhausketten wie Wal-Mart, über die in den USA ein Großteil von Spielesoftware verkauft wird, stellen grundsätzlich keine "Adults only"-Produkte in die Regale. Das ESRB hat angekündigt, sich mit dem Fall zu befassen, und Rockstar Games versichert prophylaktisch schon mal seine volle Kooperation.

Es wird um die Frage gehen: Wie mühsam muss es sein, an Sex zu kommen?

Ralf Sander
 
 
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