Router-Zwang womöglich illegal

14. September 2012, 20:45 Uhr

Wer einen DSL-Vertrag abschließt, bezahlt meist nicht nur die Datenleitung, sondern bekommt auch noch vorgeschrieben, welchen Router er zu verwenden hat. Doch das ist möglicherweise illegal. Von Christoph Fröhlich

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Einstecken und los geht's: Viele Internetanbieter bevormunden ihre Kunden mit simplen Installationsroutinen©

Router anschließen, Zahlenkombination eintippen und ab ins Internet - immer mehr Provider verzichten auf langwierige Installationsprozesse und komplizierte Menüs und setzen stattdessen auf eine simple Einrichtung. Bei Vodafone reicht beispielsweise ein 20-stelliger "Modem-Installationscode", der bei der ersten Inbetriebnahme ins Telefon getippt werden muss. Der Rest passiert vollautomatisch, sämtliche Rufnummern und Daten für den Internetzugang werden auf das Gerät übertragen. Das ist praktisch - aber womöglich verboten, wie das Magazin "PC Welt" feststellt. Denn: Wer versucht, einen anderen Router als die mitgelieferte Easybox anzuschließen, scheitert oft schon an den benötigten Zugangsdaten.

Weniger Service, mehr Gewinn

Viele Provider verzichten bei DSL-Verträgen auf die Angabe von Zugangsdaten und die Daten für Telefonverbindungen, beispielsweise für Voice over IP (VoIP), das Telefonie über das Internet ermöglicht. Diese sind aber zwingend notwendig, wenn der Kunde einen anderen Router als den des Anbieters verwenden möchte - beispielsweise, weil er schon ein teures oder besseres Gerät gekauft hat.

Doch warum schreiben viele Provider ihren Kunden vor, welchen Router sie zu verwenden haben? "Es gibt klare Gründe, den Kunden nur bestimmte Geräte anzubieten" sagt Vodafone-Pressesprecher Thorsten Hoepken. "Nur so können wir garantieren, dass der Internetzugang richtig funktioniert. Außerdem kann der Kundenservice bei Problemen schneller helfen." So können Vodafone-Mitarbeiter jede Easybox anfunken und nach eventuellen Störstellen suchen.

Offensichtlich wollen die Provider aber vor allem eins: am Kundenservice sparen. Die Einrichtung mit einem Installationscode verursacht weniger Probleme als die Installation eines Fremdgeräts, wodurch sich die Zahl der nötigen Telefonservice-Mitarbeiter reduzieren lässt. Indirekt bezahlt der Kunde die simple Einrichtung mit der Einschränkung seiner Möglichkeiten.

Freie Wahl für den Router

Die Bundesnetzagentur prüft derzeit die Rechtmäßigkeit des Router-Zwangs einiger Hersteller. Ein Urteil hat die Behörde bislang noch nicht gefällt, laut Pressesprecher Rudolf Boll werde der Nutzer aber definitiv eingeschränkt: "Jeder kann nach dem Gesetz selbst entscheiden, welchen Router er benutzen möchte", sagt er im Gespräch mit stern.de.

Den Rahmen dafür liefert das "Gesetz über Funkanlagen und Telekommunikationseinrichtungen" (FTEG). Das besagt: "Betreiber öffentlicher Telekommunikationsnetze dürfen den Anschluss von Telekommunikationsendeinrichtungen an die entsprechende Schnittstelle aus technischen Gründen nicht verweigern, wenn die Endeinrichtungen die geltenden grundlegenden Anforderungen erfüllen." Das heißt konkret: Der Provider darf den Anschluss von fremden DSL-Routern mit eingebautem Modem nicht verbieten. Prinzipiell ist der Anschluss auch möglich, allerdings verweigern die Geräte ohne die nötigen Zugangsdaten den Dienst. Und die rücken die Betreiber nur ungern hinaus.

Lange Wartezeit

Vodafone ist nicht der einzige Anbieter, der mit der Easybox im "Classic"-Tarif die Kunden in der Wahl des Routers einschränkt. Auch o2 bietet laut "PC Welt" keine echte Wahlfreiheit. Auf Nachfrage rückt der Provider in der Kundenhotline zwar die Zugangsdaten heraus, nicht aber die Angaben zur Einrichtung von VoIP-Telefonie. Vorbildlicher ist dagegen 1&1: Zwar wird auch hier ein Router zwangsweise mitgeliefert, allerdings ist dieser kostenlos, außerdem werden sämtliche erforderlichen Daten für den Einsatz eines anderen Routers angegeben.

Auch die Deutsche Telekom überlässt ihren Kunden die Wahl: Zwar sei die beste Verbindungs- und Sprachqualität nur mit den mitgelieferten Speedport-Routern gewährleistet, heißt es bei dem rosa Netzriesen, allerdings werden alle Daten im Begrüßungsschreiben aufgelistet. Zudem bietet die Telekom auf ihrer Webseite eine ausführliche Anleitung zur Einrichtung eines anderen Routers.

Bei Vodafone wird sich trotzdem so schnell nichts ändern: "Bis es keine gesetzliche Regelung gibt", erklärt Pressesprecher Thorsten Hoepken, "halten wir an unserer Vorgehensweise fest." Diese Vorschrift dürfte aber frühestens in einigen Monaten kommen.

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