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25. April 2008, 14:30 Uhr

Alice macht mir schöne Augen

stern.de-Kolumnist Carsten Scheibe hat die Nase voll. Im Speckgürtel von Berlin lebt es sich mit Sandstraßen, Fasanen im Garten und dörflicher Atmosphäre ja ganz nett. Aber muss das Internet so langsam sein? Da kommt Alice und macht ihm schöne Augen. Wird der Wechsel von der Telekom gelingen?

 

© Carsten Scheibe

Silvester 2007 war der erste Jahreswechsel in meinem Leben, der mit Vorsätzen fürs kommende Jahr begangen wurde. Mehr Ordnung im Büro halten, erstmals in meinem Leben eine Adress- und Terminverwaltung benutzen und viele derartige Dinge mehr: Mit 40 muss man langsam in einem Bereich des eigenen Lebens ankommen, wo alles von alleine läuft und man eben nicht mehr wie ein Teenager von jedem Tag neu überrascht wird. In diesem ganzen Kontext habe ich mir vorgenommen, endlich einmal meine Versicherungen zu kontrollieren und meine Telefonrechnung zu senken.

Alle meine Freunde sind inzwischen schon zu Arcor, 1&1, Alice oder sonstwo hin gewechselt. Sie zahlen nur noch ein paar Euro Pauschale im Monat und nutzen eine Flatrate nicht nur im Internet, sondern auch bei den Telefongesprächen. Das sieht bei mir ganz anders aus. Die Telefonrechnung ist nie unter 100 Euro. Klar, ich habe ja auch zwei ISDN-Anschlüsse, sodass wir im Büro vier gleichzeitig nutzbare Leitungen haben. Und dann kommt noch DSL dazu, und, und, und. Das Problem ist aber nicht nur das Geld. Auch das Tempo der DSL-Leitung ist katastrophal. Mehrere Anrufe beim T-Kundendienst inklusive einer Weiterreicharie über tausend Schreibtische hinweg bis hin zum kompetenten Ansprechpartner haben nur dazu geführt, dass ich von DSL-1000 auf DSL-2000 angehoben wurde. Mehr wäre bei mir im Ossiland nicht möglich, höre ich, der nächste Hauptverteiler sei viel zu weit entfernt. Mist: In Berlin, wo ich geboren bin und noch bis vor zehn Jahren lebte, könnte ich problemlos das zigfache an Performance buchen. Bei der Telekom, T-Online oder wie die Subfirma nun heißt, die für die Anschlüsse zuständig ist, gibt es für mich aber nur DSL-2000. Das ist in meinem Alltag als PC-Journalist nun, sagen wir einmal, suboptimal.

Kosten könnte ich auch keine sparen, sagt man mir am Telefon. Ich hätte ja einen Anlagenanschluss. Das sei etwas gaaanz anderes als ein normaler Privatanschluss. Da gäbe es noch keine Flat-Sparpakete für. Immerhin rief mich dann letztens doch einmal jemand von der Telekom an. Er sei mein Geschäftskundenbetreuer, Hallo erstmal, und er würde mir gern ein paar Modelle vorschlagen, wie ich denn beim Telefonieren und Surfen Geld sparen könne. Gern, sagte ich. Und: Geht das auch am Telefon? Nein, das ginge nur im persönlichen Gespräch. Hm, meinte ich, da müssten wir uns aber absprechen. Wochen später klingelte es dann an der Bürotür, und der Herr von der Telekom steht vor der Tür. Unangemeldet. Aber sehr fröhlich. Da ich so etwas überhaupt nicht leiden kann und überhaupt keine Zeit hatte, habe ich ihn gleich wieder nach Hause geschickt. So etwas aber auch.

Der Knoten platzte, als mein Nachbar eine neue DSL-Aufschaltung bekam. Bei Alice. Er kam gleich mit DSL-4000 ins Rennen, war für sein Privatvergnügen also bereits doppelt so schnell wie ich mit meinem Firmenbedarf. So ja nun auch nicht, grollte ich und rief meinen Kumpel Thomas an. Der hat den Bruder-Hund zu meinem Golden Retriever und beruflich als Mitarbeiter des Geschäftskundenvertriebs mit Alice zu tun. Er war fassungslos, was ich mir denn da bislang angetan hatte und informierte mich. Ich könne auch zu Alice wechseln, da würde eine Unterschrift reichen. Auch mit meiner Telefonanlage wäre ein Flatangebot kein Thema, sodass ich zum Einheitspreis nicht nur im Internet surfen, sondern auch im Festnetz telefonieren könne. Das Paket würde mir im Monat 100 Euro sparen und ich würde definitiv mehr DSL-Power haben - mindestens DSL-4000.

Mit zitternder Hand unterschrieb ich

Nun, mit zitternder Hand unterschrieb ich den Vertrag. In meinem Geschäft ist es unvorstellbar, plötzlich nicht mehr erreichbar zu sein - weder per Telefon noch über E-Mail und das Internet. Thomas beruhigte mich und stellte mich darauf ein, dass ich maximal ein paar Stunden ohne Verbindung zur Außenwelt sein würde. Nun gut, einem guten Kumpel glaubt man ja.

Passend zur stern.de-Kolumne. HEUTE ist der Tag der Umstellung. Die Telekom hat eine Kündigung (schluck! Jetzt gibt es kein Zurück mehr) geschickt, Alice neue Anmeldedaten, ein Paket mit Hardware und noch diverse andere Schreiben mehr. Alice bestätigte mir auch, dass am 25. April die Umstellung erfolgen sollte. Thomas berichtete mir, dass dies meist früh um 9 Uhr passieren würde. Am Morgen schon war meine ganze Ruhe weg. Ich musste doch noch so viel arbeiten! Hektisch tippte ich letzte Texte und war heilfroh, wenn ich sie noch per Mail verschicken konnte. Auch ein Mailing an 6.000 Adressen musste noch raus. Auch das ging noch glatt über die Bühne. Trotzdem: Was wäre wenn? Wenn mein alter Anschluss gekappt wird, Alice nicht einspringen kann und ich dann NIE MEHR telefonieren oder mailen könnte? Mein Leben, wie ich es kenne, wäre damit vorbei.

Um 10 Uhr hatte ich einen Außentermin. Als ich um 11 Uhr wieder ins Büro stürzte, meldete mir mein Mail-Programm bereits: "Fehler beim Ausführen der Aufgabe". Nur 14 von 96 Mails waren bezogen worden, danach war Sense, Essig, aus und vorbei. Tatsache: Das Internet war tot. Die Panik kroch mir mit eiskalten Fingern den Rücken empor und stach mir mit den Nägeln direkt ins Mark. Nun gut, ruhig bleiben.

Brad Pitt war noch nicht da

Eine halbe Stunde später rief auch schon Thomas vom Handy aus an. Er sei bereits in Tempelhof und in einer Viertelstunde vor Ort. Noch während wir telefonierten, stellten wir fest, dass Telefon schon wieder funktionierte. Ich sollte zur Sicherheit die Nummer 0310 anrufen, das sei so eine Art Feststellungsnummer. Tatsache. Da begrüßte mich jemand mit "Willkommen im Hansenet-Dienst." Alles klar. Ich war bereits geswitcht worden, und das Telefon funktionierte bereits, nun aber nicht mehr über die Telekom, sondern über Alice. Meine Frau rief als nächstes an. Ob denn Brad Pitt schon da sei, um auch noch den Rest freizuschalten. Dann würde sie auch mal früher Schluss machen auf der Arbeit und nach Hause kommen, um Brad Pitt Schnittchen zu machen. Zuhause würde der ja nix zu essen kriegen, bei dieser Angelina. Pitt war noch nicht da. Alice aus der Werbung auch nicht. Aber Thomas rauschte mit seinem Hund an. Während die schlimmen Hunde sofort das wilde Toben anfingen, zwang mich Thomas gleich dazu, das Kommando "Fritz.box" in den Web-Browser einzugeben.

Das kannte ich bislang noch nicht. So bekam ich einen direkten Zugriff auf meine Fritz-Box, die mir zur Begrüßung gleich einmal meldete, dass ich nun mit der neuen Alice-Verbindung 9.312 Kbit/s im Download und 1.130 Kbit/s im Upload nutzen könnte. Wahnsinn. Das ist natürlich eine enorme Potenzierung meiner Geschwindigkeit bei zugleich sinkenden Kosten. Thomas meinte, wir müssen nun nur noch die neuen Zugangsdaten in den WebBrowser eingeben, dann würde alles laufen. Das taten wir doch gleich. Leider passierte aber nichts. Thomas winkte ab. Das sei nicht unbedingt schön, sondern eher selten, aber da könnte man schon noch etwas regeln. Er baute die Fritz-Box aus und hing den Siemens-Router an, den Alice mitgeschickt hat. Während ich mich um die Hunde kümmerte, brachte Thomas leider nur schlechte Nachrichten aus "dem Raum, wo DSL aus der Wand kommt." Das System spuckt die Meldung aus, dass das Kennwort falsch ist.

Schneller als der Account erlaubt

Nun wusste auch Thomas auch nicht weiter und rief bei seiner Hotline an. Die wusste prompt Rat und erzählte Thomas etwas. Der murmelte nur "Na, dann rutscht mir mein Puls aber doch wieder etwas nach unten" und verschwand erneut in unserer Kellerrumpelkammer "da, wo DSL aus der Wand kommt". Die Hunde hatten inzwischen beide einen Knochen bekommen, und ich konnte ungestört an der stern.de-Kolumne weiterschreiben. Ich holte mir aber doch nach ein paar Minuten ein Update bei Thomas und bekam mit, dass wir anscheinend zu schnell waren: Es hätte sein können, dass die Verbindung zwar schon stand, aber mein Account noch nicht endgültig aktiviert war.

Aber zehn Minuten später war klar, daran lag es auch nicht. Thomas telefonierte mit der Hotline und fand heraus, dass er noch einen kleinen Fehler gemacht hat. Ein paar Augenblicke später schrie er durch den ganzen Keller: "Carsten, wir sind drin!" Und Tatsache: Ich habe ein neues Netzwerk, das heißt "Becky - Sky", wie unsere Hunde. Ein Mausklick reicht aus, um die neue Verbindung aufzubauen. Hurra, alles klappt. Ich bin wieder online, habe deutlich mehr Tempo, und einen Hunderter im Monat spare ich auch noch. Wenn jetzt noch anstelle von Thomas Alice persönlich im Bikini angetanzt wäre, um alles einzurichten, dann wäre die Welt zumindest heute perfekt für mich.

Eine Glosse von Carsten Scheibe, Typemania

Mehr von Carsten Scheibe In seiner Freizeit geht Carsten Scheibe golfen - und arbeitet daran, dass der Golfball auf der selben Bahn ankommt, von der er abschlägt. Wenn's mit dem Spielen nicht so gut klappt, schreibt er lieber - für das eigene, kostenfrei in den Golf-Clubs ausliegende Magazin "Mein Golf-Heft". Das gibt's mit allen Artikeln auch im Internet. Natürlich ist der PC auch hier ein Thema.

 
 
KOMMENTARE (7 von 7)
 
Scoox (27.04.2008, 18:06 Uhr)
Journalistenanschluss
An alle die jetzt denken es würde immer so laufen: Für einen Journalist wird selbstverständlich mehr Aufwand getrieben, als für einen Normalnutzer...
-Peter- (26.04.2008, 16:10 Uhr)
und nächsten Monat teilst du uns sie Kosten,
die durch die kostenpflichtige Hotline aufgelaufen sind, mit.
Mein ja nur!
pcfreak90 (26.04.2008, 15:07 Uhr)
Und wieviel Power haste wirklich?
Hallo Carsten,
mach doch mal einen Speedtest (z.B. bei wieistmeineip.de) und teile das Ergebnis mit. So ganz glaube ich nicht, das du die versprochene Geschwindigkeit bekommst...
Gruß,
Jan
Graffy (26.04.2008, 13:55 Uhr)
Na ja ...
... mal sehen, wie lange die Leitung so schnell bleibt! In der Regel stellt Hansenet das Profil zum reinen "Anfüttern" viel zu hoch ein, was häufig über die Leitungskapazität geht. Später kommt dann die Drosselung auf Telekom-Niveau.
Alles selber an 2 Anschlüssen erlebt.
Der Sparfaktor kommt auch ganz schnell in's Wanken, da z.B. kein Call-by-Call mehr möglich ist. Auslands- und Handygespräche sind nur noch über horrende Minutentarife möglich.
Nicht ohne Grund laufen Hansenet gerade die Kunden nur so weg.
alterzappel (25.04.2008, 20:45 Uhr)
alice
hallo,war auch begeistert,habe alice weiterempfohlen.meine dsl-geschwindigkeit schwankt dauerd zwischen 16000 und 1000.fehlerliste von alice,(kann,meiner meinung nach nur ein pc-fachmann abarbeiten).hotline,wie eine produktwerbesendung.am rechner und der telefonanlage ist nichts verändert worden.bei anruf,haben immer nur die anderen schuld !!!in meinem sendegebiet surfen alle 80 bis 90% schneller als ich !!aber nächste woche vielleicht,wieder voll speed ?wechsel nicht ausgeschlossen!
jabadahat (25.04.2008, 19:42 Uhr)
Watt blöd
Die Strippe ist immer noch von der Telekom und die kassiert weiter ohne einen nörgelnden Kunden (außer Alice die hat nämlich nur Kollegen Pitt und den Telekom-Techniker)
Die Telekom ist schon lange kein Monopolist mehr, wann darf sie also endlich ihre Strippe mitnehmen wenn der Kunde woanders hin will?
Ob dann Alice auch noch so schön lächelt?
SpeedyBoo (25.04.2008, 15:19 Uhr)
Die Telekom ist selber schuld...
Das kommt mir ja so bekannt vor. Auf der einen Seite die Aussage, da würde nix schneller gehen wegen Verteiler oder Verstärker zu weit weg, und dann kommt ein neuer Anbieter, der die gleiche Infrastruktur ja auf der letzten Meile nutzt, und ist trotzdem doppelt oder mehr so schnell. Da darf sich die Telekom nicht wundern, wenn ihr Monat für Monat die Kunden weglaufen. Ich selber kann bei sowas nur noch den Kopf schütteln.
Scheibes Kolumne

Seit 1990 lebe ich als freiberuflicher Journalist vom Schreiben. Das war schon immer ein Traum. Kurios: Als Diplom-Biologe mit Kernfach Bakteriengenetik hat es mich in den PC-Journalismus getrieben.

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