Neil Youngs große Pläne mit dem Pono-Player

27. November 2012, 12:22 Uhr

Neil Young hielt MP3-Dateien immer schon für Mist. Deshalb arbeitet er an einem eigenen Format für digitale Musik. Pono soll der iPod-Generation wieder echten Studiosound nahebringen. Von Jens Tartler

MP3, Pono, Neil Young, digitale Musik

Wenn schon digitale Musik, dann sollte sie aber Neil Youngs Klangansprüchen genügen. Findet Neil Young.©

Beinahe hätte Neil Young die Vorführung seiner jüngsten Idee mit dem Leben bezahlt. Er hatte Craig Kallman, den Geschäftsführer von Atlantic Records, in seinem 1978er Cadillac Eldorado mitgenommen, um ihm vorzuführen, wie viel besser als MP3 oder CD sein neues Musikformat Pono klingt. Young war völlig in die Bedienung seines Geräts vertieft, als Kallman ihm aufgeregt auf die Schulter klopfte. Der Cadillac war auf Kollisionskurs mit einem anderen Auto, Young konnte gerade noch einen Frontalcrash vermeiden.

Dass der Kanadier mit Wohnsitz Kalifornien ein bisschen durchgeknallt ist, wissen wir nicht erst, seit er sein Buch "Ein Hippie-Traum" veröffentlicht hat. Und als der Gitarrist mit einer Neigung zu Holzfällerhemden seinen Feldzug gegen das MP3-Musikformat begann, wurde er von vielen nicht für voll genommen. Schließlich hatte er einst so anhaltend heftig gekifft, bis ein Neurologe ernstzunehmende Veränderungen an Youngs Gehirn feststellte.

"Rechtschaffener" Klang nicht nur für Besserverdienende?

Aber mit seinem Aufnahmeformat Pono (von hawaiianisch "rechtschaffen") samt Onlineplattform und verschiedenen Playern ist es Young bitterernst. Er will den Musikmarkt revolutionieren. "Niemand wird das große Comeback von ultimativer Qualität aufhalten können", schreibt er in seinem Buch. Sein Ziel ist es, allen Hörern den Sound zugänglich zu machen, den die Musiker im Studio eingespielt haben - ohne Verlust durch die technische Übertragung.

In der TV-Show von David Letterman hat Young seinen Pono-Player in Form eines Toblerone-Riegels vorgestellt. Das Gerät soll Musik in der Studioauflösung von 24 Bit und 192 Kilohertz abspielen können, nicht komprimiert wie bei MP3. In Zukunft sollen sogar 384 Kilohertz möglich sein. Neben dem tragbaren Player will der Gitarrist in Zusammenarbeit mit dem schottischen Edel-Hi-Fi-Hersteller Linn auch Geräte für den Wohnzimmergebrauch auf den Markt bringen. Aber ganz wichtig ist ihm: Pono soll nicht nur für Besserverdiener da sein.

MP3 hat Young immer wieder als "Mist" abgetan. Die komprimierten Musikdateien enthielten nur etwa fünf Prozent der Daten der Originalaufnahme, nörgelt er. Er aber möchte, dass seine geliebte Gibson "Old Black" so klingt, wie er sie spielt. Young verwendet ganz bewusst noch sein altes Mischpult und ein Zwei-Zoll-Tonband zum Aufnehmen. "Ich will diesen alten Röhrensound", sagt er. Wer meint, für die endlosen Gitarrenschlachten von Neil Youngs Crazy Horse sei keine High-End-Technik notwendig, der liegt falsch - meint zumindest Young: Gerade die Obertöne erzeugten die Emotionen, die durch MP3 verloren gegangen seien.

Im kommenden Jahr sollen die Geräte auf den Markt kommen. Zu den Hi-Fi-Tüftlern von Linn hat sich Young noch andere Verbündete gesucht. Neben Plattenmanager Kallman ist das vor allem Mark Goldstein, ein Start-up-Spezialist, den Young durch Freunde aus dem Silicon Valley kennengelernt hat. Über die Leute aus dem Valley sagt er: "Im Gegensatz zu mir beherrschen sie die Kunst, ihre Ideen zu Geld zu machen." Etwas kokett fügt er hinzu: "Ich habe große Ideen und wenig Kohle, um sie umzusetzen."

Musiker wie Tom Petty oder Kid Rock und Starproduzent Rick Rubin sollen begeistert von Pono sein. Noch wichtiger für den Erfolg des Projekts dürfte aber sein, dass die großen Musiklabels Universal, Sony und Warner das Projekt unterstützen. Warner habe schon 8000 Alben auf die höchste Auflösung von 192 Kilohertz und 24 Bit umgestellt, schreibt das Magazin "Rolling Stone".

Hat die Welt auf Pono gewartet?

Manche sehen Pono auch als Kriegserklärung an Apple. Young schreibt in seinem Buch, dass er mit Steve Jobs bis zu dessen Tod über das Projekt gesprochen habe. Das Unternehmen Apple hält sich heute beim Thema Pono bedeckt. Young glaubt, sein Angebot werde "iTunes zwingen, seine Qualität schneller zu verbessern als bisher".

Fachleute finden Youngs Kampfgeist sympathisch, fragen sich aber, ob die Welt auf Pono gewartet hat. Der Berliner Hi-Fi-Hersteller Dieter Burmester, dessen Anlagen zu den besten der Welt gehören, sagt: "Ich freue mich, dass Neil Young sich abhebt von diesem MP3-Quantifizierungswahn, möglichst viele Titel in mieser Qualität auf einen Datenträger zu pressen." Es sei aber nicht zwingend, dass Aufnahmen in 192 Kilohertz besser klingen als in 96 oder 44 Kilohertz. Und ein Standard von 384 Kilohertz würde sehr teuer. "Das fängt schon in den Studios an." Thomas Sporer, einer der MP3-Erfinder und heute am Fraunhofer-Institut in Ilmenau, räumt zwar gern ein, dass sein altes Format Schwächen habe und nicht mehr auf der Höhe der Zeit sei. Doch das Nachfolgeformat AAC, das auch von Apple - und Android-Geräten unterstützt wird, schaffe schon lange 192 Kilohertz. "Da hört niemand mehr einen Unterschied zum Original", sagt Sporer, "auch Neil Young nicht."

Übernommen aus ...

Übernommen aus ... ... der Onlineausgabe der "Financial Times Deutschland"

Zum Thema
Digital
Ratgeber und Extras
iPhone 6: Die nächste Smartphone-Generation iPhone 6 Die nächste Smartphone-Generation
Vergleichsrechner
Finden Sie den günstigsten DSL-Tarif Finden Sie den günstigsten DSL-Tarif Unser kostenloser DSL-Vergleich zeigt Ihnen die DSL-Tarife, die am besten zu Ihnen passen. Zum Tarifvergleich
 
Noch Fragen?

Neue Fragen aus der Wissenscommunity

  von harun: Mein Hund hat Angst vor der Fahrt

 

  von Gast: darf ich den feuermelder drücken bei einer schlägerei im zug

 

  von maily: Beschäftigung von Rentner

 

  von dorfdepp: Wird es in 20 Jahren noch LKW-Fahrer, Lokführer und Piloten geben?

 

  von bh_roth: Win 8.1 Energiesparen

 

  von Gast: WARUM FÜHREN MANCHE KAPSELN ZUR VERSTOPFUNG?

 

  von Gast 98746: Chiptuning Mercedes Benz E 200 T CDI Erstzulassung 06/13

 

  von BitteFreundlich: Welcher Körperteil ist am häufigsten von Osteochondrose betroffen?

 

  von Gast 98742: Altmietvertrag aus der ehemaligen DDR

 

  von Gast: Das iPhone meiner Freundin hat ne seltsame Macke. schwarzer Bildschirm. anrufe kommen rein, man...

 

  von Amos: Muß die Frage nochmal stellen: Überweisung per Online-Banking auf ein Unterkonto bei derselben...

 

  von Gast: Stern-Sudoku-Gewinnspiel

 

  von Gast: Kann man Handelsübliches Jodsalz in ein Fußsprudelbad geben wenn die Haut verletzt ist?

 

  von Gast: zerbrochene Fensterscheibe

 

  von Amos: Wenn zum Bau eines Hauses Wasser aus einem städtischen Hydranten entnommen wird: wie wird das...

 

  von Der_Denis: Kunststoff - warum so schlechtes Image

 

  von Gast 98682: Wenn ich ein Konto in der Schweiz eröffne, wie hoch ist die Mindesteinlage?

 

  von Gast 98680: Welche Programme gibt es für Zuschüsse an gemeinnützige vereine

 

  von Gast 98676: Führerschein vergleischen

 

  von Amos: Mineralwasser aus dem Schwarzwald nennt sich Black Forrest: ist das ein Gag, ein MIßgriff oder...