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13. Dezember 2008, 18:29 Uhr

Facelifting für deutsches Web-Urgestein

Deutschlands größtes Reiseportal befand sich jahrelang im Dornröschenschlaf. Jetzt ist "bahn.de" – elf Jahre nach dem Start - ein bisschen erwachsen geworden. Mit einem aufwändigen Relaunch will die Bahn noch mehr Kunden an den virtuellen Schalter locken. Das könnte gelingen. Von Sebastian Wieschowski

bahn.de, Deutsche Bahn, Tickets buchen, Web-Site, surf and rail

Neues Gesicht für eine alte Bekannte: Mehr Komfort beim Buchen der Tickets auf bahn.de© stern.de

Welcher leidenschaftliche Bahn-Vielfahrer kennt sie nicht, die überraschenden Verspätungsdurchsagen: "Verzögerungen im Betriebsablauf" sind dann meistens die vielsagende Begründung, per Lautsprecher wird freundlich um Verständnis gebeten. Als die Bahn vor einigen Tagen per E-Mail dazu einlud, die neue Internetseite "in einem ganz neuen Look und mit vielen nützlichen Funktionen und Services" schon vorab bei einer Probetour zu erleben, trafen interessierte Bahn-Vielfahrer und Internetsurfer auf eine Szenerie, die an den Alltag auf der Schiene erinnern – Verzögerungen im Betriebsablauf sozusagen: "Dieser Inhalt ist leider im Moment nicht verfügbar" war in roten Lettern zu lesen, darunter hieß es in der Sprechblase einer schwarz gekleideten Dame mit freundlichem Lächeln: "Wir bitten um Ihr Verständnis".

Die kleine Panne, die sich irgendwo zwischen Selbstironie und dummem Zufall einordnen lässt, wurde jedoch schnell behoben - und nun erstrahlt Deutschlands größtes Reiseportal ganz ohne Verspätung und Verzögerungen im Betriebsablauf in neuem Glanz: Die Deutsche Bahn will ihren Kunden künftig einen einfacheren, klarern und komfortableren Internetauftritt bieten. Ein Jahr lang hat das Unternehmen am neuen Auftritt gewerkelt und rund 2000 Web-Seiten einem Tapetenwechsel unterzogen: "Es ist die größte Überarbeitung des Systems seit dem Start von Bahn.de vor elf Jahren", sagt Mathias Hüske, der für den Agentur- und Online-Vertrieb bei der Bahn verantwortlich ist. 40 Mitarbeiter der Bahn und 14 Mitarbeiter der Agentur "namics" haben der Bahn ein neues Gesicht im Internet gegeben.

Sparpreis auf einen Klick

Und das fällt auf. Die Startseite, auf der sich früher klobige und kantige Auswahlkästen stapelten, wurde kräftig aufgeräumt. Ein Buchungsfenster auf der linken Seite, aktuelle Angebote in der Mitte und beliebte Themen auf der rechten Seite - das Auge freut sich, auch über die sanften Farben. "Unser Ziel war es, die Komplexität beim Vergleich von Angeboten und bei der Buchung zu reduzieren. Der Weg zur gewünschten Information und zum Ticket sollte verkürzt werden", erklärt Mathias Hüske gegenüber stern.de. Für mehr Übersicht soll nicht nur die Wahl zwischen drei verschiedenen Schriftgrößen sorgen, sondern auch der Verzicht auf jegliche Werbung Dritter - eine Neuerung, die durchaus zu heftigen Diskussionen innerhalb der Bahn geführt hat, wie Hüske einräumt. Schließlich verzichtet man hier auf Einnahmen.

Auch die Buchungsmaske - bis gestern sah sie noch wie das Antragsformular für eine ziemlich komplizierte Behördenangelegenheit - erfreut durch unkomplizierte Bedienung: Hin- und Rückfahrt können jetzt direkt auf der Auswahlseite geändert werden. Das erleichtert die Suche nach den besten verfügbaren Preisen, zum Beispiel nach dem Dauer-Spezial. Der Sparpreis wird ab sofort auf einen Klick für alle angebotenen Verbindungen angezeigt. Neben dem großflächigen Neuanstrich fällt die neue Bahn-Internetseite auch durch viele Kleinigkeiten auf: Die Zieleingabe wird durch eine Vorschlagliste automatisch unterstützt. Im "Reisebüro" werden spezielle Urlaubsangebote wie Städtereise oder Last-Minute nur noch auf Knopfdruck sichtbar gemacht. Was nicht interessiert, ist auch nicht zu sehen.

Ungeliebte Kästen auf "Meine Bahn"

Vergleichsweise schockierend fällt dagegen der erste Blick auf die Funktion "Meine Bahn" aus. Wer hier eine personalisierte Kommandozentrale mit sofortigem Zugriff auf die eigene Buchungshistorie sowie den Bonuspunktestand erwartet, wird beim ersten Besuch enttäuscht - die alte, unübersichtliche Kästchenbauerei, wie sie noch von der alten Bahnseite bekannt war, wurde erhalten. Gleich acht Informationsboxen werben für Dauer-Spezial, 1. Klasse, Mobile Services und so weiter. Die persönlichen Daten sind links unten versteckt.

Die Details erschließen sich erst allmählich: Die Startseite lässt sich individuell konfigurieren. Die standardisierten Blabla-Werbekästchen zu Bahn-Angeboten verschwinden zwar nicht, dafür kommen aber ein paar nützliche Boxen dazu. Diese zeigen nach Wunsch beispielsweise die jeweils aktuellen Verbindungen zu einer vorher festlegten Strecke an. Geboten wird auch eine Wettervorhersage. Wer über "Meine Bahn" ein persönliches Reiseprofil erstellt und Angaben zu Anzahl der Personen, BahnCard-Ermäßigungen, Klasse und Reservierungswünsche sowie Schnellbuchung hinterlegt, bekommt diese Angaben danach bei jeder Buchung standardmäßig angezeigt.

58.000 Online-Tickets täglich

Mit dem Pixel-Facelift will die Bahn noch mehr Kunden vom Reisezentrum an den virtuellen Schalter locken: Im Jahr 2008 wird der Umsatz auf bahn.de nach Unternehmensschätzungen voraussichtlich bei über einer Milliarde Euro liegen. Mit 4,5 Millionen registrieren Kunden, bis zu 58.000 täglich verkauften Online-Tickets und 77 Millionen Reiseauskünften pro Monat ist bahn.de das mit Abstand größte Reiseportal in Deutschland. "Mittlerweile wird rund 15 Prozent des gesamten Fahrkartenumsatzes über das Internet erzielt", sagt Bahnsprecher Holger Auferkamp zu stern.de. Im Fernverkehr werde bereits jede dritte Karte online gekauft.

Von Sebastian Wieschowski
 
 
KOMMENTARE (7 von 7)
 
xt22 (16.12.2008, 12:48 Uhr)
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Sitzt da jemand aus der Stern-Redaktion zufällig auch in einer hohen Position bei der Bahn? Die Seite der Bahn ist ja nun wirklich nicht so toll, dass Sie so einen Auftritt bei Stern.de verdient hätte. Es gibt doch nun wirklich besseres...
NoXcuses (14.12.2008, 13:46 Uhr)
Das einzige was noch funktioniert hat
Hilfe!
Als Mensch ohne Auto, sprich als Bahnfahrer, war ich sehr zufrieden mit dem Internet Auftritt der Bahn. Es war noch ein wenig Old Fashion. Also unmodernisiert und von daher noch voll funktionsfähig. Wenn die Bahn AG nun hier auch noch "verbessern" will, stehe ich bald genauso ratlos am Bahnhof rum, wie die Mitarbeiter der Bahn.
Gehrke/Duisburg
uachtaran (14.12.2008, 13:09 Uhr)
Strg + C, Strg + V
Ich nochmal! "Recherchiert" wurde der brillante Artikel offensichtlich hier:
http://www.deutschebahn.com/site/shared/de/dateianhaenge/themendienste/personenverkehr/relaunch__bahn__de__20081210.doc
Ausschnitt aus der Pressemitteilung:
Hin- und Rückfahrt können jetzt direkt auf der Auswahlseite geändert werden. Das erleichtert die Suche nach den besten verfügbaren Preisen, zum Beispiel nach dem Dauer-Spezial.
Kostprobe der Rechercheleistung von stern.de:
Hin- und Rückfahrt können jetzt direkt auf der Auswahlseite geändert werden. Das erleichtert die Suche nach den besten verfügbaren Preisen, zum Beispiel nach dem Dauer-Spezial.
Mal ganz abgesehen davon, dass der erste Satz für das im zweiten beschriebene komplett irrelevant ist - das Dauer-Spezial kann und konnte man nämlich auch für EINE Strecke buchen - Hut ab, mehr Journalismus war nie.
deinemama (14.12.2008, 11:50 Uhr)
Ein bisschen Make-Up...
...sonst nichts. Nach wie vor kaum funktionaler. Daumen runter.
gesox (14.12.2008, 10:40 Uhr)
Form vs. Funktion
Jedes Design, auch im Web, hat damit zu tun, wie gut Form und Funktion zusammenpassen. Das Pendel bei der Bahn ist, wie so oft, in Richtung Form gebogen worden. Hübsch anzusehen, aber 1. komme ich mit meinem bisherigen Namen und Passwort nicht mehr rein, und die Zusendung eines neuen Passworts funktioniert auch nicht. 2. machen derzeit Wartungsarbeiten, wie so oft auch beim Schienenverkehr, die Benutzung schwer bis unmöglich und 3. und schlimmstens ist es nur das alte, überkomplizierte Tarif- und Regelwerk der Bahn im neuen Kleid. Statt endlich einmal das alte Gestrüpp zu lichten, wird genau so weitergemacht wie bisher. Danke, oh Mehdorn, in Zeiten einer sich schnell wandelnden Welt sorgst Du dafür, daß uns allen zumindest das erhalten bleibt, was wir schon immer zum Heulen fanden.
Hätte man Bahnkunden gefragt, was sie gerne an der Bahn verbessern würden, dann hätte der Wunsch nach einem hübscheren Onlineportal wahrscheinlich auf Platz 438 der Hitliste gelegen. Die Spitzenreiter wären Pünktlichkeit, Zuverlässigkeit, bessere Verbindungen, niedrigere Preise und eine drastische Vereinfachung des kafkaesken Preissystems gewesen. Der neue Slogan "Schneller mobil. Schneller am Ziel." wurde bestimmt für Millionen von einer Werbeagentur ersonnen, aber er klingt in den Ohren von Vielfahrern wie blanker Zynismus.
uachtaran (13.12.2008, 20:52 Uhr)
Schön wär's
Ich habe heute eine Fahrkarte gebucht, und ich kann Sachen wie "Sparpreis auf einen Klick" oder einer "erleichterten Suche nach den besten verfügbaren Preisen" leider nicht bestätigen. Das Buchungssystem ist leider nur optisch verändert worden. So wurden ja die Sparpreise 50 und 25 damals (angeblich) eingeführt (und die Normalpreise drastisch angehoben), um die Auslastung besser zu steuern, also den Fahrgast, der flexibel ist und die schwach ausgelasteten Züge im Voraus bucht, zu belohnen. Wenn das tatsächlich der Grund wäre, müsste das Buchungssystem so aussehen, dass man da in etwa eingibt: "Ich möchte irgendwann am Wochenende vor Weihnachten nach Hause fahren und irgendwann am Wochenende nach Silvester zurückkommen. Bitte die günstigsten Preise anzeigen. Uhrzeit egal."
Stattdessen muss man sich mühselig durch praktisch durch alle Kombinationen aus Hin- und Rückfahrt klicken, und wenn die Kombination in billig ausgebucht ist (was man erst nach Auswahl der Rückfahrt erfährt), von vorne anfangen. Das war vor der optischen Neugestaltung ("Relaunch" erscheint mir etwas hoch gegriffen), und das ist auch jetzt so: Die Bahn führt Sondertarife ein, und wenn die dann erfolgreich sind, denkt man sich schnell so lange Mätzchen und Regeln aus, bis das Angebot keiner mehr versteht. Wieso ist es z. B. zur Steuerung der Auslastung nötig, dass ich nicht nur einen schwach ausgelasteten Zug zu einer ungünstigen Zeit nehme und im Voraus buche, sondern auch noch eine WOCHENENDBINDUNG einhalten muss? Allein das Wort schon! Was es auch weiterhin gibt, ist die unseriöse Sitte, dass die jeweils teuerste Buchungsmöglichkeit schon vor-angekreuzt ist - so z. B. die Option "schnelle Verbinungen bevorzugen", die eigentlich "teure Verbindungen bevurzugen" heißen müsste. Klickt man die nicht weg, werden die billigeren, oft genau so schnellen ICs gar nicht erst angezeigt. Gleiches gilt für Reservierungen, die man schnell mal mitkauft, wenn man am Ende des Buchungsvorgangs nicht höllisch aufpasst - Reservierungen für eine Verbindung, die ja angeblich billiger ist, weil sie schwach ausgelastet ist, also noch genug Plätze frei sein müssten (was auch meist der Fall ist). Eine schmierige Praxis, die man ja übrigens den Fluggesellschaften, mit denen sich die Bahn ja gerne messen würde, Gottseidank EU-seitig verboten hat. Hoffentlich fällt dort bald mal einem auf, dass dieses Verbot auch bei der Bahn einiges verbessern könnte.
Und hoffentlich hören die Pressemenschen bald mal auf, einfach immer alles ungeprüft aus den Pressemitteilungen der Konzerne abzuschreiben.
Tim00 (13.12.2008, 19:26 Uhr)
Das wurde aber auch Zeit
Die Bahn hat doch jahrelang einfach hinter dem www-mond gelebt. Hab mir nACH EURER geschichte die neue Seite mal angeschaut: Ist echt nicht schlecht geworden. Buchungen viel einfacher - wenn jetzt auch die Preise noch günstiger werden..
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