Anonymous ärgert FBI und Scotland Yard

3. Februar 2012, 18:43 Uhr

Anonymous-Hacker haben die Aufnahme einer Telefonkonferenz zwischen Ermittlern des FBI und des Scotland Yard veröffentlicht. Bisher ist ungeklärt, wie sich die Hacker Zugriff verschafft haben. Von Christoph Fröhlich

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Die Hackergruppe Anonymous hat ein geheimes Telefongespräch zwischen Ermittlern der US-Behörde FBI und der britischen Polizei Scotland Yard veröffentlicht©

Mitglieder der Webguerilla Anonymous haben ein vertrauliches Telefongespräch zwischen Ermittlern der US-Behörde FBI und der britischen Polizei Scotland Yard im Internet veröffentlicht. In dem 17 Minuten langen Telefonat – welches als MP3-Datei auf dem Videoportal Youtube veröffentlicht wurde - diskutieren die Ermittler über die Hackergruppen Anonymous, Lulzsec und deren gemeinsames Projekt "Operation Antisec".

Zu hören ist eine Menge Smalltalk. Doch daneben geht es in dem Gespräch um geplante Gerichtstermine der beiden Verdächtigen Ryan Cleary und Jake Davis. Cleary wird unter anderem vorgeworfen, für Attacken gegen Webseiten britischer Regierungsbehörden verantwortlich zu sein, während Davis angeblich als eines der aktivsten Mitglieder des Hacktivisten-Kollektivs Lulzsec gilt. Weitere Namen wurden von dem verantwortlichen Hacker durch einen Piepton ersetzt, um ihre Identitäten zu schützen.

An einer anderen Stelle des Telefonats bitten die US-amerikanischen Ermittler ihre britischen Kollegen, während der Verhöre anwesend sein zu dürfen. Diese wiederum reagieren verhalten und erklären, dass sei eigentlich keine gängige Praxis – man werde aber schauen, was sich machen lässt. Das Gespräch soll am 17. Januar aufgenommen worden sein.

Auch eine E-Mail gehackt

Das Hacker-Kollektiv veröffentlichte nicht nur das geheime Telefongespräch, sondern auch eine auf den 13. Januar datierte E-Mail mit dem Betreff "Anon-Lulz-International Coordination Call", die die Details des Telefongesprächs beschreibt. Die Nachricht wurde offenbar an mehr als 40 Polizeibeamte in verschiedenen Ländern verschickt, unter anderem in den Niederlanden, USA, Frankreich, Schweden – auch eine deutsche E-Mail-Adresse eines BKA-Mitarbeiters ist unter den Empfängern zu finden. In dem Telefongespräch sind jedoch nicht alle Adressaten zu hören.

Das FBI hat den Hack mittlerweile bestätigt, wie ABC News berichtet. "Die Dateien wurden auf illegalem Weg beschafft", sagt FBI-Sprecher Tim Flanelly der US-Nachrichtenseite FoxNews. "Die Ermittlungen wurden bereits eingeleitet."

"Fuck FBI Friday"

Wie sich die Hacker Zugang zu den brisanten Daten verschafft haben, ist bislang unbekannt. Nach Angaben der US-Bundesbehörde haben die Internetaktivisten das Zugangspasswort in einer E-Mail abgefangen und sich so in das persönliche Telefongespräch eingeklinkt. Das Hackerkollektiv bezeichnete das illegale Mithören auf Twitter als "Operation Infiltration".

Anonymous veröffentlicht bereits seit Juli 2011 geheime Daten der US-Bundesbehörde im Rahmen der Aktion "Fuck FBI Friday". Allerdings ist die Veröffentlichung der Telefonkonferenz die bisher brisanteste Enthüllung.

Wachsende Bedrohung

Noch vor wenigen Tagen erklärte Robert Mueller, Chef der US-Behörde FBI, dass Cyber-Angriffe gegen Regierungen und Unternehmen eine der größten Bedrohungen in den kommenden Jahren sein werden. Jetzt wurde seine Behörde selbst zum Ziel der Internetaktivisten:

Der Kampf gegen den Terror ist im Moment die oberste Priorität", sagte Mueller auf einer Senatsversammlung. "Aber in den nächsten Jahren wird die Cyber-Bedrohung die größte Herausforderung unseres Landes werden." Dabei drohe nicht nur von Hackern anderer Regierungen eine wachsende Gefahr, sondern auch von nicht-staatlichen Organisationen wie Anonymous oder die im vergangenen Sommer aufgelösten LulzSec, die mit Hacks gegen die CIA und die britische Boulevardzeitung "The Sun" für Schlagzeilen sorgten.

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