Wie wäre es, wenn wir auf unsere digitalen Daten von überall unkompliziert zugreifen könnten? Wenn wir Software nicht mehr mühsam installieren müssten? Cloud Computing, einer der Trends der Cebit, verspricht genau das. stern.de erklärt, wie das "Rechnen in der Wolke" funktioniert. Von Dominik Lechler

Mit einer Wolke auf leuchtende Bällen symbolisiert IBM auf der Cebit das Cloud Computing© Jörg Sarbach/AP
Ein neues Programm zu installieren, ist für PC-Nutzer ein langwieriger Prozess. Erst wollen die DVD eingelegt, die AGBs gelesen und der Speicherort bestimmt werden. Und dann wartet man, bis die Daten von der DVD gelesen und installiert wurden. Mit dem so genannten Cloud Computing soll all das der Vergangenheit angehören. Das Prinzip ist simpel: Dank immer schnellerer Webverbindungen werden weniger Informationen und Programme auf den einzelnen Computern am Arbeitsplatz gespeichert, sondern auf Zentralservern im Internet. Die Vorteile klingen gut: So kann man immer und überall per Handy oder PC auf seine Daten zugreifen - uns umgibt quasi eine digitale Wolke. Noch interessanter als der allgegenwärtige Zugriff auf die eigenen Dateien ist die Möglichkeit, ganze Programme auf den Internetservern laufen zu lassen. Die werden einfach im Browserfenster ausgeführt und nehmen dem heimischen PC eine Menge Rechenarbeit ab.
Die Idee an sich ist nicht neu, schon Mitte der 1990er Jahre wurden Konzepte für "Net Computer" vorgestellt, die noch nicht mal über eine Festplatte verfügen sollten, weil die gesamte Arbeit im Netz erledigt. Die Idee floppte damals, war aber nie ganz verschwunden. Inzwischen ist das Cloud Computing als einer der wichtigsten Hypes der IT-Branche wieder da. "Die Cloud entsteht nicht über Nacht, das ist eine Evolution, keine Revolution", sagt IBMs Deutschland-Chef Martin Jetter. Und diesmal gibt es tatsächlich Programme, die sich die Wolke zu nutzen machen. (Eine für Privatanwender interessante Übersicht von Online-Alternativen zu bekannten Programmen zeigt die Bilderstrecke.)
Das Cloud Computing beeinflusst bereits heute unseren Umgang mit dem Internet. Ein Beispiel: Jeder kennt das praktische Kartentool Google Maps, mit dem man sich kostenlos und unkompliziert Routen berechnen lassen kann - die auf Wunsch auch in hochauflösenden Satellitenbildern dargestellt werden. Um eine Wegbeschreibung auszugeben oder auch nur auf Satellitenaufnahmen rein- und rauszoomen zu können, sind aufwendige Rechenoperationen nötig. Die laufen aber nicht auf dem eigenen PC ab, sondern in den riesigen Serverfarmen von Google. Dort sind sämtliche Kartendaten der Erdoberfläche gespeichert, denn deren gigantischer Datenumfang würde nicht einmal ansatzweise auf einen Heimcomputer passen. Mit diesen Daten und Programmroutinen wird auf den Google-Servern die Anfrage des Nutzers bearbeitet und das Ergebnis schließlich im Browser-Fenster dargestellt. Sämtliche Arbeit macht also fremde Hardware, die Berechnungen laufen in der Wolke ab.
Sehr ähnlich soll auch "Windows Azure" funktionieren, ein auf Cloud Computing basierender Service von Microsoft. Noch befindet sich das Angebot in der Entwicklung, wird aber laut dem Softwarekonzern Ende des Jahres Marktreife erlangen. Mit Azure werden User etwa die Textverarbeitungssoftware Word und den Tabellenkalkulator Excel einfach im Browserfenster öffnen und ausführen können. Weil die gänzlich auf den Microsoft-Servern laufen, spart man sich praktischerweise die Installation. Auch ist die Software immer auf dem neuesten Stand. Während man bei der herkömmlichen Version der Büro-Software eine DVD einlegen und sich nach langer Installation durch Seriennummern und Nutzungsbedingungen klicken muss, verspricht die Office-Anwendung von Azure ungleich simpler sein. Einfach ein Mitgliedskonto anlegen - und schon kann man loslegen. Bezahlen muss man natürlich auch für die Online-Variante von Office, allerdings veranschlagt Microsoft für den Service keinen Festpreis, sondern ein vom Userverhalten abhängiges, flexibles Preismodell. Wer also das Online-Word nur einmal im Monat nutzt, zahlt auch nur für dieses eine Mal.
Diese Kostenflexibilität gilt als ein großer Vorteil des Cloud Computing und macht die digitale Wolke gerade in Zeiten der Finanzkrise vor allem für Unternehmen interessant. "Mit Cloud Computing sparen Unternehmen im Rechenzentrum bis zu 80 Prozent an Fläche sowie 60 Prozent an Strom- und Kühlungskosten ein", sagt IBM-Manager Martin Jetter. Das Internetversandhaus Amazon beispielsweise vermietet ungenutzten Platz in seinen riesigen Serverfarmen an Firmen. Das ist insbesondere für kleine Start-ups praktisch, denn die müssen nicht mehr horrende Summen in eigene IT-Hardware investieren. Auch mehr und mehr mittlere und große Unternehmen nutzen die Amazon-Server, denn ähnlich wie Microsoft mit "Azure" rechnet auch Amazon nur tatsächlich gebrauchte Serverleistung ab. So kommt es für die Kunden zu keinen unnötigen Kosten wegen brachliegender Ressourcen. Joseph Reger, CTO beim Computerhersteller Fujitsu-Siemens, sagt: "Dynamische Infrastrukturen sind die wichtigste Möglichkeit, im IT-Bereich effizienter zu werden." In Zukunft sollen Firmen aber nicht nur Daten auslagern können, sondern ganze Programme auf angemieteten Servern ablaufen lassen, etwa ihre Mailsoftware oder häufig gebrauchte Bürosoftware wie Photoshop.