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Mobile World Congress: Smartphones - so verändern sie unser Leben

Die Smartphones und Tablets, die auf dem Mobile World Congress gezeigt wurden, lassen erahnen, wie mächtig diese Geräte werden. Sie werden alle Aspekte unseres Alltags beeinflussen.

Von Ralf Sander, Barcelona

Herr Schmidt hat Visionen - und wird sogar dafür bezahlt. Der Google-Boss Eric Schmidt hat auf dem Mobile World Congress (MWC) in Barcelona seine Vorstellung des kommenden Jahrzehnts skizziert. Allgegenwärtige Informationstechnik werde folgendes bewirken:

  • Wir werden nie wieder etwas vergessen.
  • Wir werden uns nie wieder verlaufen.
  • Wir werden nie wieder einsam sein.
  • Wir werden uns nie wieder langweilen.
  • Uns werden nie wieder die Ideen ausgehen.

"Information als Schlüssel zum Glücklichsein." Sind das die Ideen eines gnadenlosen Technikoptimisten? Ja, so sieht sich Schmidt auch selber. Sie aber als Spinnereien abzutun, wäre falsch. Der gerade beendete MWC hat gezeigt, dass sich Smartphones, Tablets und die dazu gehörende Kommunikationstechnik in einem Tempo entwickeln, das in jedem Jahr noch schneller zu werden scheint. Wenige Jahre ist es her, als ein Telefon mit Kamera, MP3-Player und Internetzugang als "Alleskönner-Handy" galt, über dessen Daseinsberechtigung durchaus diskutiert wurde. Heute sind aktuelle Modelle nonstop online und lassen sich mit Apps an jedermanns Bedürfnisse anpassen und erweitern. Die nächsten Gerätegenerationen werden mehr können, viel mehr - und unseren digitalen Alltag maßgeblich verändern.

Vollgestopft mit Rechenpower

Die auf dem MWC vorgestellten Smartphones und auch Tablets sind kleine Supercomputer mit einer "20.000-mal höheren Rechenpower, als der Nasa-Rechner für die erste Mondlandung zur Verfügung hatte" (Eric Schmidt). Schneller noch als im vergangenen Jahrzehnt bei den PC steigt zurzeit die Leistung der Prozessoren in den mobilen Geräten.

Smartphones sind relativ jung, sie wachsen noch: Mehr Leistung bedeutet nicht nur eine flüssigere Bedienung für den Nutzer, sondern vor allem völlig neue Funktionen, die vorher gar nicht möglich waren. In Verbindung mit schnelleren Datenverbindungen durch den neuen Mobilfunkstandard LTE und dem Trend zum Cloud Computing - Datenspeicherung und Arbeitsprozesse im Internet - werden die mobilen Geräte zu wahren Alleskönnern. Hier sind drei Beispiele, die auf dem MWC gezeigt wurden.

Spielen
Dass auf Smartphones viel gedaddelt wird, zeigt schon ein Blick auf die Verkäufe in den App-Läden von iPhone und Android: Mehr als 50 Prozent des Umsatzes wurde 2010 laut den Marktforschern IHS Screen Digest mit Spiele-Apps erzielt. Doch bei den Apps bleibt es nicht, Smartphone- und Spielkonsolenwelt wachsen zusammen: Das neue Spielehandy Xperia Play von Sony Ericsson hat einen ausziehbaren Playstation-Controller und kann mit entsprechend angepassten Games von Sonys Konsole gefüttert werden. Weitere Modelle anderer Hersteller werden folgen. HTC geht mit seinem für das Frühjahr angekündigten Tablet "Flyer" einen anderen Weg und hat sich mit dem Spiele-Abodienst Onlive zusammengetan. Das US-Unternehmen bietet Videospiele als Stream aus der Datenwolke an. Statt einer vollwertigen Konsole reicht ein kleiner Empfänger - oder das Tablet von HTC. Da viele Tablets und Smartphones schon jetzt per Kabel HD-Bilder an den Fernseher übertragen können und ihre Grafikqualität rapide besser wird, stellen sie eine wachsende Konkurrenz für Konsolen und Spiele-PCs dar. Und: Aus denselben Gründen graben die mobilen Alleskönner auch DVD und Blu-ray-Playern sowie Festplattenrekordern künftig das Wasser ab.

3D
Dreidimensionale Bilder im Kino, auf dem Fernseher, selbst gemacht mit der Digialkamera oder dem Camcorder - 3D wird von den Herstellern der Unterhaltungsindustrie und Technikherstellern zur Zeit gepusht. LG bringt diesen Trend in die mobile Welt: Das Smartphone LG Optimus 3D kann nicht nur Filme und Videos in 3D aufzeichnen, sondern bietet auch ein Display, das dreidimensionale Bilder ohne Brille darstellt. LGs erstes Tablet, das Optimus Pad, kann ebenfalls 3D-Bilder und Videos aufnehmen, benötigt zur Wiedergabe allerdings einen passenden Fernseher. Es ist davon auszugehen, dass andere Hersteller diesem Trend folgen werden und die entsprechende Technik bald zur Standardausstattung gehört. So könnte 3D eher durch Smartphones zum Massenphänomen werden als durch spezielle Kameras - die man sich seltener gönnt als ein Mobiltelefon.

Büro
Das Motorola Atrix 4G hat eine Dockingstation, die aussieht und sich anfühlt wie ein echtes Netbook, inklusive vollwertigem Bildschirm und kompletter Tastatur. Erst wenn man den Monitor herunterklappt, sieht man, dass das aufgesteckte Handy die ganze Arbeit macht. Die Daten kommen drahtlos aus der Cloud. Das Beispiel zeigt: Für einen Großteil der Büroarbeit - E-Mails und Office-Programme - reichen die Ressourcen längst. Zugegeben: Texte auf dem Touchscreen einzugeben, ist immer noch vergleichsweise mühsam, doch Eingabesysteme wie Swype und Snapkeys 2i zeigen dafür interessante neue Ansätze. Und sonst muss eben ein externes Keyboard her. Smartphones werden nicht das Ende des PCs oder des Notebooks einläuten. Aber sie werden die Computer in ihren alten Job als reine Arbeitspferde zurückdrängen. Unterwegs oder auch zu Hause, wo der Computer für viele eher ein nützliches Übel als ein liebgewonnener Helfer ist, übernehmen Smartphones oder Tablets die Macht.

Fünf Gründe, warum sie nicht aufzuhalten sind

Smartphones sammeln neue Funktionen und Fähigkeiten, als wären sie Staubsauger. Ein Feature, das übrigens noch nicht in Sicht ist. Nun ist ein Überfluss an Funktionen an sich nicht automatisch sinnvoll und ein Garant für Erfolg. Doch der Fall der Smartphones ist ein besonderer. Fünf Gründe, weshalb die mächtigen Feature-Monster unseren Alltag verändern werden:

  • Das Mobiltelefon ist seit mehr als einem Jahrzehnt allgegenwärtig. Die Hemmschwelle, ein neues Gerät anzuschaffen, ist wesentlich geringer als bei einer Spielkonsole oder einer Kamera, weil wir seit Beginn des Handyzeitalters daran gewöhnt sind, die Geräte regelmäßig zu erneuern. Und für die Generation, die mit Internet und sozialen Netzwerken aufgewachsen ist, führt kein Weg an einem Smartphone vorbei.
  • Mobiltelefone und Smartphones werden aufgrund der Subventionen der Mobilfunkbetreiber relativ häufig ausgetauscht, schließlich lockt bei jeder Vertragsverlängerung ein Schnäppchen. So können sich neue Funktionen schneller etablieren als zum Beispiel Verbesserungen bei Großanschaffungen wie Fernsehern.
  • Viele Funktionen werden vielleicht nicht gebraucht - aber dennoch benutzt. Niemand hat eine Kamera im Handy vermisst. Dennoch wurde schon millionenfach damit herumgeknipst, als die Bildqualität noch richtig schlecht war.
  • Menschen sind bequem. Smartphones können viel, aber nichts richtig toll? Nicht so wichtig. Wenn es einfache Lösungen gibt, werden Abstriche in der Qualität durchaus akzeptiert. Hardcore-Gamer, Bildbearbeiter und ambitionierte Fotografen werden immer Spezialgeräte für ihre Bedürfnisse anschaffen. Aber für den Rest des Alltags reicht auch ihnen der gute Durchschnitt. Und übrigens: In einigen Disziplinen - Fotos und Spiele - sind viele Mobiltelefone inzwischen besser als manche Spezialisten.
  • Smartphones und Tablets reduzieren die Zahl der Geräte im Haushalt. Fünf Fernbedienungen, DVD-Player, Konsole, Notebook - nur echte Gadget-Freaks lieben die Hardware um ihrer selbst willen. Wenn ein mobiler Begleiter, der sowieso da ist, viele dieser Funktionen übernehmen kann, ist das ein unwiderstehlicher Faktor.

So wie Telefonieren und E-Mails für uns inzwischen selbstverständlich geworden sind, werden wir uns an immer vielseitigere Smartphones gewöhnen. Wir werden mit den mobilen Superrechnern unseren Alltag organisieren, sie werden Teil unseres Lebens sein. Vielleicht sind wir dann einige Schritte näher dran an den Visionen von Eric Schmidt. Ob wir dann glücklich sind, ist eine andere Frage.