Welle von Hacker-Angriffen auf US-Firmen

20. Februar 2013, 07:42 Uhr

Jeep gehört jetzt Cadillac? Hacker knacken seit Tagen Twitter-Accounts großer US-Firmen. Und auch Apple meldet nun einen Angriff auf Mitarbeiter-Computer. Die Angreifer kommen vermutlich aus Europa.

Eine neue Welle von Hacker-Angriffen setzt US-Unternehmen zu. Am Dienstag wurde das Twitter-Konto der Automarke Jeep von Unbekannten gekapert - nur einen Tag nachdem das gleiche der Fast-Food-Kette Burger King wiederfuhr. Fast gleichzeitig räumte Apple ein, Ziel eines anderen Hacker-Angriffs geworden zu sein. Einige Computer von Mitarbeitern seien durch Schadsoftware infiziert worden, es gebe aber keine Hinweise darauf, dass irgendwelche Daten Apple verlassen hätten, teilte das Unternehmen mit. Nach Informationen der Finanznachrichtenagentur Bloomberg war dies Teil eines Angriffs aus Osteuropa, von dem bis zu 40 Unternehmen betroffen gewesen seien.

Im Fall von Jeep waren die Parallelen zum Angriff bei der Hamburger-Kette unübersehbar: Die Internet-Witzbolde erklärten bei Twitter den Verkauf der Geländewagen-Marke an den Konkurrenten Cadillac. Bei Burger King hatte es geheißen, das Unternehmen gehöre jetzt zu McDonald's, "weil der Whopper gefloppt ist". Wie am Vortag folgten Foto-Scherze über den angeblichen Drogenkonsum von Mitarbeitern.

Imageschaden für Twitter

Nach über einer Stunde bekam Twitter die Lage zumindest teilweise unter Kontrolle: Das Jeep-Konto mit den falschen Nachrichten wurde nur noch in einigen Fällen angezeigt, offenbar je nachdem, von welchem Server der Inhalt abgerufen wurde. Für andere Nutzer sah es wieder normal aus. Am Montag hatte es gut eine Stunde gedauert, bis Twitter das gehackte Profil von Burger King blockierte. Das Unternehmen bekam es einen halben Tag später wieder zurück.

Die Hacker-Angriffe entwickeln sich zu einem Problem für Twitter: Der Kurzmitteilungsdienst ist auf Unternehmen als zahlende Kunden angewiesen. Die scheinbare Leichtigkeit, mit der die Hacker ein Firmenkonto nach dem anderen aufknacken, schadet dem Image. Besonders unangenehm: Die Profile trugen die ganze Zeit über das blaue Häckchen eines von Twitter selbst bestätigten Accounts.

Musiksender nutzen Welle für Werbe-Gags

Bei Twitter können bis zu 140 Zeichen lange Nachrichten sowie Links zu Webseiten, Bildern oder Videos an die Abonnenten verbreitet werden. Auch immer mehr Unternehmen nutzen den Dienst als Marketing-Kanal oder zur Kommunikation mit ihren Kunden. Zudem können sie Werbung schalten oder sich mit bezahlten Tweets bei den Nutzern bemerkbar machen.

Auf dieser Welle täuschten der Musiksender MTV und der TV-Kanal BET offenbar eine Übernahme durch Hacker als Werbe-Gag vor. Jedenfalls teilte der Mutterkonzern Viacom dem Fernsehsender CNBC mit, dass das seltsame Verhalten der beiden Twitter-Accounts nur eine Marketing-Aktion gewesen seien. Zuvor schien es, als seien auch die Twitter-Konten der Sender gekapert worden. So hieß MTV bei Twitter plötzlich "Hacked MTV!". Die Scherze hatten allerdings einen etwas harmloseren Ton als bei Burger King und Jeep.

Während die Twitter-Hacks lästig für die Unternehmen und schlecht für das Geschäftsmodell des Kurznachrichtendienstes sind, wirken sie wie harmlose Streiche im Vergleich zu den Angriffen auf Unternehmen wie Facebook oder Apple, bei denen Daten von hunderten Millionen Nutzern liegen.

Angriffe kommen vermutlich aus Osteuropa

Bei Apple hätten die Hacker dasselbe Programm eingesetzt, mit dem im vergangenen Monat das Online-Netzwerk Facebook ins Visier genommen wurde, berichtete das "Wall Street Journal" unter Berufung auf informierte Personen. Auch Facebook hat nach Angaben vom Wochenende keine Anzeichen dafür, dass Nutzerdaten in Mitleidenschaft gezogen worden seien. In beiden Fällen diente eine zuvor nicht bekannte Schwachstelle in der Java-Software als Einfallstor. Apple will die Sicherheitslücke umgehend stopfen.

Ermittler vermuteten die Urheber der Attacken in Osteuropa und hätten in zumindest einem Fall die Spur in die Ukraine zurückverfolgt, berichtete die Finanznachrichtenagentur Bloomberg. Ziel sei es wohl gewesen, Informationen wie Firmengeheimnisse zu sammeln, die später weiterverkauft werden können. Zudem kann man Wissen über Mitarbeiter für personalisierte Angriffe zum Beispiel per E-Mail einsetzen, und dadurch ins Firmen-Netzwerk gelangen.

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