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6. Februar 2008, 15:54 Uhr

Ebay verärgert Kunden

Ebay hat Änderungen seines Bewertungssystems angekündigt: Ab Frühjahr wird es Verkäufern nicht mehr möglich sein, Käufer negativ zu bewerten. Nutzer laufen Sturm dagegen und schmieden Protestpläne.

Zoom

Bei Ebay ändert sich mit dem neuen Chef John Donahoe einiges© Paul Sakuma/AP

Die Internet-Auktionsfirma Ebay ändert ihr Bewertungssystem. Verkäufer können in wenigen Wochen keine negativen Beurteilungen über Käufer mehr abgeben, wie das Unternehmen aus dem kalifornischen San Jose auf seiner Internetseite ankündigte. Damit wäre es nur noch Käufern möglich, Verkäufer zu kritisieren und nicht umgekehrt.

Grundsätzlich stellen die gegenseitigen Bewertungen ein wichtiges System dar, um Käufern und Verkäufern die Möglichkeit zu geben, ihr Gegenüber einzuschätzen. Denn obwohl - kostenpflichtige - Treuhänderdienste zur Verfügung stehen, werden die meisten Geschäfte werden auf Treu und Glauben: Geld wird überwiesen, dann erst wird die Ware verschickt. Nach vollzogenem Geschäft konnten sich bisher Käufer und Verkäufer negativ, neutral oder positiv bewerten. Eine hohe Anzahl positiver Bewertungen ist eine wichtige Währung bei Ebay.

Der neue Chef von Ebay, John Donahoe, der ab April die bisherige Vorstandsvorsitzende Meg Whitman ablösen wird, hatte das neue Bewertungssystem bereits in der vergangenen Woche angekündigt. Seitdem protestieren Ebay-Verkäufer gegen diese einschneidende Änderung.

Das neue Bewertungssystem soll in den USA ab Mai gelten, Wann das neue System in Deutschland wirksam wird, stehe noch nicht fest, sagte Unternehmenssprecher Nerses Chopurian. Einzelheiten zu den Änderungen wird das Unternehmen am kommenden Montag in Berlin bekanntgeben. In der Vergangenheit habe es vielfach Missbrauch bei Bewertungen gegeben, wiederholt hätten Verkäufer aus Rache kritischen Kunden selbst eine negative Bewertung verpasst. In der Folge hätten sich viele Käufer nicht mehr getraut, negative Bewertungen abzugeben.

In Internet-Foren vor allem auf den Ebay-Seiten protestieren Verkäufer gegen die Änderung des Bewertungssystems. fürchten, sich nicht mehr gegen säumige Käufer wehren zu können. Einige drohen mit Klage, andere rufen zum Streik der Verkäufer vom 18. bis 25. Februar auf. "Die Käufer können jeden Verkäufer meiden, der nicht zu 99 Prozent positiv beurteilt wurde. Aber der Verkäufer darf keinerlei negative Bewertung über Käufer abgeben? Das ist ja wirklich gerecht!", schreibt ein anonymer Verkäufer auf der Ebay-Seite in den USA.

san/AFP/DPA
KOMMENTARE (10 von 82)
 
deinemama (08.02.2008, 18:50 Uhr)
@ TheWurst:
Hmm.... stimmt. Da hast Du natürlich Recht.
Ideen zur Lösung? Pflichtbewertungen vielleicht? Aber dann könnte der Backstein-Verschicker natürlich auch von vorn herein negativ bewerten...
Im Prinzip führt nichts daran vorbei, dass Ebay, statt sich mit leerem Blabla und so wirkungslosen Aktionen wie dieser aus der Affäre zu ziehen, vernünftige Beschwerde- und Kontaktmöglichkeiten sowie angemessene Hilfestellungen und Sanktionen einführen müsste.
Das werden sie aber nicht tun, denn a) würden sie damit ihre allerbesten Geldquellen - Betrüger, Spaßbieter, Massen-Schrott-Seller & Co - vertreiben und b) müssten sie - Igitt! - V-v-v-erantwortung *ausspuck* übernehmen, so dass c) die Shareholder Value womöglich niedriger ausfällt.
Na pfui, sowas geht ja mal gar nicht, gelle? ;)
TheWurst (08.02.2008, 17:52 Uhr)
@ deinemama
Dein Vorschlag dass Bewertungen erst angezeigt werden wenn beide ihre Bewertung abgegeben haben, ist ja im Prinzip nicht schlecht, aber das heisst ja dass ein Verkäfer, der mit negativ rechnen muss (weil er z.B. einen Backstein statt dem Notebook verschickt hat) dem Käufer einfach keine Bewertung gibt und er somit nichts zu befürchten hat...
sir.california (08.02.2008, 16:49 Uhr)
man kann es drehen und wenden wie man
will. ebay belastet die verkäufer weiter und weiter. durch neue bewertungs-repression und neue höhere gebühren. weitere verkäufer - gerade die wichtigen "kleinen" werden aufgeben und ebay den mittelfinger zeigen, was sich ebay ja faktisch auch redlich verdient hat. damit wird ebay vom angebot her noch unineressanter... und dass die "kunden" hier im forum das nicht blicken, bleibt mir ein rätsel.
deinemama (08.02.2008, 13:12 Uhr)
Neutral als neues Negativ
Auch hier möchte ich's mal schnell erwähnen:
ich frage mich nach wie vor, wo der eigentliche Sinn der Sache ist?
Es scheint, Ebay möchte einfach nur mal wieder in der Zeitung stehen.
Denn: es gibt doch (oder nicht?) noch die Möglichkeit, den Käufer neutral zu benoten - das "Neutral" erfährt dann also demnächst eine Bedeutungsverschiebung in Richtung neues "Negativ". In den Bewertungsprofilen kann man zudem sehen, ob von Käufern oder Verkäufern mit "Neutral" bewertet wurde, und sich dementsprechend sein Urteil bilden, wie auch immer es ausfallen mag.
Von daher: das Ganze ist und bleibt eine völlig sinnlose Aktion. Ein Witz, ein grottenschlechter obendrein.
Würde man "konsequent" im Verkäufer-Ärgern sein wollen, hätte man ihnen die Bewertungsmöglichkeiten komplett nehmen müssen. Hier spielt dann auch das mehrfach gelesene Argument rein, dass jenseits von Ebay ja auch nicht seitens des Verkäufers bewertet werden kann.
Und hätte man sich ernsthaft Fairness und die Vermeidung von Rachebewertungen als Ziel gesetzt, hätte man die Bewertungen einfach erst dann für die Gegenseite und die restliche Welt angezeigt, nachdem beide Parteien bewertet haben.
Aber so? Augenwischerei. "Abfolluterrr Plöttfinn!" Ein Pseudo-Käuferschutz und eine Schikane für Privatverkäufer und seriöse Händler.
Dass diese Aktion den nervigen und unseriösen Schrott-Powersellern wirklich etwas ausmacht, bezweifle ich sehr. (Honi soit qui mal y pense!) Diese finden gewiss ihre Mittel und Wege, sich die Weste reinzuhalten, und geben dann eben Rache-Neutral. Und damit wären wir wieder beim oberen Absatz...
Matze83 (08.02.2008, 13:05 Uhr)
Komisch
Ich versteh ehrlich gesagt nicht, wie das funktionieren soll...
Bei mir verschwidnen nicht erteilte Beurteilungen nach ein paar Monaten.
Danach hatte ich auch keine Möglichkeit mehr, diese nachträglich zu vergeben.
llechwedd (08.02.2008, 11:19 Uhr)
Bewertungen abgewöhnt
Ich habe mal einem Käufer, der eine Motorrad-Jacke gekauft und schnell gezahlt hatte, "vorschnell" ein "Positiv" gegeben. fast ein halbes Jahr darauf krieg ich von dem ein "Negativ" mit der Begründung, die Jacke wäre schmutzig – wohlgemerkt: ein halbes Jahr nach Transaktion.
Seitdem habe ich mir die Bewerterei abgewöhnt.
DickBush (07.02.2008, 20:57 Uhr)
Gut so
Manch ein Arschloch mußte ich noch positiv bewerten, das wird aber nie wieder vorkommen!!
Krakatoa41 (07.02.2008, 17:12 Uhr)
@sir.california
Frage: Gibt es bei Verkäufern eigentlich auch Halb-und Vollirre und wie erkenne ich die und wieviel Prozent sind das und was zeichnet eigentlich Halb-und Vollirre aus?
Ich glaube, mir Ihrer Einstellung und Ihren Vorstellungen von den Menschen, sollten Sie sich schleunigst aus dem Verkäufergeschäft zurück ziehen.
Wenn ich etwas verkaufen will, dann betrachte ich jeden Menschen als potentiellen Kunden, der sein Geld bei mir gegen gleichwertige Waren tauschen will und für ordentliches Geld auch ordentliche Ware erwartet, zum beiderseitigen Vorteil, da gibt es keine Halb -und Vollirren.
mister-mister (07.02.2008, 13:35 Uhr)
@clemens1964
Okay - dann sind wir ja fast beieinander. Der allergrößte Teil der Verkäufer (meiner Erfahrung nach sogar über 95%, sowohl privat als auch gewerblich) gibt sich große Mühe, beschreibt und liefert schnell und korrekt - es wundert mich manchmal fast zu lesen, was so alles abgeht (auch im Freundeskreis - überwiegend positive Erfahrungen).
Aber es gibt eben auch - wie bei den irrationalen und ausgetickten Käufern - diesen kleinen Bodensatz arroganter, nie erreichbarer, unverschämte-Mails-schreibender und portoabzockender 08-15-Hinterzimmerdealer, welche diese Neuregelung nun sicher hart trifft. Und das ist in meinen Augen gut so!
Mit den anderen sagen wir 98% denke ich wird sowohl das Verkaufen wie auch das Kaufen in Zukunft weitergehen wie bisher.
Und da man sich künftig das Userprofil schon etwas näher anschauen muss - auch unter dem "Positiv"-Sternchen kann der Text stehen: NEGATIV!!! ACHTUNG - ZAHLT NICHT - SPASSBIETER - ÄUSSERSTE VORSICHT GEBOTEN etc etc.
Fällt ins Auge.
War aber bisher in dieser Form - bei allerdings "nur" 300 Verkäufen - nicht erforderlich.
Matze83 (07.02.2008, 12:43 Uhr)
Ja richtig...
aber das ist erst im Nachhinein möglich. Nicht vor erfolgreich erteiltem Gebot.
Und diese Möglichkeit geht nicht dadurch verlohren, dass Käufer nicht mehr beurteilt werden können.
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