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7. Oktober 2002, 16:23 Uhr

Amtsschimmel als Dukatenesel?

Vieles mit dem großen E ist pfui. E-Commerce zum Beispiel erinnert zu viele Verarmte an bessere Zeiten. Aber es gibt noch gute E-Worte: die allgegenwärtige E-Mail selbstverständlich - aber auch E-Government. Doch das kostet Geld, das Kommunen nicht haben. Was tun? Genau: Kassieren.

Guido Augustin, Kolumnist für stern.de seit 1997 - und das A der »H&A medien«: Redaktion, Public Relations und Online-Konzepte.© HeikeRost.de

Vieles mit dem großen E ist pfui. E-Commerce zum Beispiel erinnert zu viele Verarmte an bessere Zeiten. Aber es gibt noch gute E-Worte: die allgegenwärtige E-Mail selbstverständlich - aber auch E-Government. Doch das kostet Geld, das Kommunen nicht haben. Was tun? Genau: Kassieren.

»Macht's wie die USA«

Zumindest schlagen das Unternehmensberater vor. Die Kollegen von Mummert waren es diesmal, und wie alles wirklich Gute kommt das Vorbild aus den Vereinigten Staaten von Amerika. Denn wer dort online Behördliches erledigt, zahlt dafür. Und zwar mehr, als er in der Amtsstube berappen müsste. Der originelle Vorschlag der Berater: »Macht's wie die USA, kassiert einfach mehr.« Kann doch wohl nicht wahr sein.

Wie wär's mal mit Standards?

Gegenvorschlag: Wie wäre es denn, wenn sich Kommunen, Gemeinden, Länder und vielleicht auch der Bund auf Standards einigen würden? Ein Pass ist ein Pass in Flensburg wie in Garmisch, Autos fahren in der ganzen Republik, Wohngeld lässt sich per Auto-Responder erledigen und der Bauantrag geht auch schematisch. Schließlich weichen die Vorschriften ohnehin von Straße zu Straße ab. Dann wäre auch das Kostengejammer vom Tisch, wie teuerteuerteuer doch das Internet sei. Logisch ist das teuer, wenn jeder es selbst erfindet. Es lebe der Föderalismus. Schließlich baut die Waschmittelindustrie auch keine neue Fabrik für jedes neue Pulver. Schäumt auch so genug.

Sparen könnte helfen

Vielleicht sollte es der Staat in seinen Verästelungen machen wie Menschen da draußen: Wenn denen das Geld knapp wird, überlegen sie nicht, wo sie Geld von anderen (hier: Steuerzahlern) herbekommen können, sondern, wo sie weniger ausgeben können. Damit ist jetzt mal nicht das teureteureteure Internet gemeint. Träumen wir doch mal: Weil es die Architekten virtueller Rathäuser in einer fernen Galaxie geschafft haben, bürgernahe Portale zu schaffen, werden sie auch akzeptiert und rege genutzt. Das spart mindestens acht Hartplastik-Schalensitze Marke Schwitze-Ritze pro Amt. Und Linoleum.

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