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Wir Facebook-Schauspieler

Möglichst cool, irre lustig, immer gut drauf - viele nutzen Facebook für Eigen-PR. Wir schreiben nicht, was uns wichtig ist, sondern was bei den anderen gut ankommt. Was macht das mit uns?

Von Lara Fritzsche

Wenn früher gute Freunde nachts enthemmte Gespräche führten, dann gestanden sie einander, wie sie gerne wären, wen sie gerne darstellen würden und was sie erreichen möchten. Heute ist das anders. Wenn wir nachts betrunken bei einer öligen Pizza zusammensitzen, dann gestehen wir uns, wie wir wirklich sind. Was wir denken, machen und fühlen, wir berichten von dem Teil von uns, den wir online immer verschweigen. Wie viel mehr wir sind als die Version, die die anderen aus dem Internet kennen.

Nicht selten beginnt es so: Der eine spricht den anderen auf einen Post von vor ein paar Tagen an: "War es wirklich so super, erzähl mal." Eine Vorlage für den Autor, an seine euphorischen Sätze von der Pinnwand anzuschließen. Dort hatte er eine überschwängliche und kenntnisreiche Konzertkritik veröffentlicht. Statt einer Fortsetzung kommt nur eine kurze Antwort: "Ich hatte an dem Tag furchtbare Kopfschmerzen, wäre am liebsten zu Hause geblieben." Was? Später in der Nacht, im grellen Licht der Pizzabude, kommt noch raus, dass der vermeintliche Partyfreund und Konzertjunkie gar nicht so gern ausgeht, furchtbar gern zu Hause alte Fotoalben ansieht, nicht immer Menschen um sich haben will, häufiger auch mal alleine ins Kino geht und nach zehn Uhr nur widerwillig Anrufe entgegennimmt.

Noch ein paar andere offenbaren in dieser Nacht an diesem Plastiktisch, wer sie wirklich sind. Gestehen, dass sie drei Anläufe gebraucht haben, bis ihre Bechamelsauce so aussah wie auf dem geposteten Foto, dass ihre Nacht in diesem hochgelobten Club scheiße war und nicht aufregend, wie nachher behauptet, und dass die vier hochgeladenen Urlaubsvideos aus San Francisco die wenigen sind, auf denen es nicht regnet. Und sie sind nicht die Einzigen, die sich als Selbstdarsteller outen, die eine geschönte und gestutzte Version ihrer selbst im Internet verbreiten. Wir alle tun das.

Wenn man's ganz genau nimmt, schauen wir diese amerikanische Sitcom auch nicht schon seit Wochen, sondern haben sie erst neulich von einem Kumpel empfohlen bekommen, der schon immer cooler war. Bei Facebook schreiben wir trotzdem: "Unbedingt anschauen, the next big thing", und stellen einen Link zu Youtube dazu. Auch den schlauen Gedanken über die Aufstellung des FC Bayern haben wir nicht allein entwickelt - der stand in einem Internetforum. Aber egal. Gemerkt hat es keiner, stattdessen gab es Applaus von den Internetfreunden.

Die härteste Währung: Aufmerksamkeit

Und nur darum geht es bei Facebook. Alles, was wir online tun, folgt nur dem Ziel, dafür bezahlt zu werden, in der härtesten Währung unserer Zeit: Aufmerksamkeit. Die ist deshalb so kostbar, weil die Möglichkeiten, sie zu verteilen, so zahlreich sind. Wir empfangen dreißig Fernsehsender und können doch nur einem Programm folgen, wir können jedes Buch der Welt bestellen und trotzdem immer nur eins lesen, das Internet ist voller Informationen, und dennoch können wir nur eine nach der anderen aufnehmen. Wir haben hunderte Freunde und können trotzdem immer nur einem zuhören. Für die Fülle der Möglichkeiten fehlt uns schlicht die geistige Kapazität. Aufmerksamkeit ist kostbar.

Deshalb belohnen wir die, die es uns einfach machen. Für einen Post übers Wetter und das dazugeladene Foto eines Schneemanns gibt es sechs Kommentare von "Ohh, wie süß" bis "Selber gemacht?". Für ein schlaues Statement über die Sprunghaftigkeit von Sigmar Gabriel gibt es keinen. Da überlegt man es sich beim nächsten Mal schon genau, ob man noch mal Weisheiten rumschickt oder vielleicht doch lieber Banalitäten in Bildform. Denn so eine Statusmeldung, die keiner beachtet, auf die keiner Bezug nimmt, die kann sehr, sehr traurig aussehen in der langen Liste der Neuigkeiten.

Um uns Aufmerksamkeit zu sichern, präsentieren wir uns online in einer Version ohne Brüche und Unstimmigkeiten. Der Typ, der an einem Tag aus Mosambik postet und das Elend der Welt beklagt, eine Woche später Fotos seiner drolligen Katzenbabys hochlädt und darauf wiederum einen Haufen Videos der lustigsten Hitler-Parodien anbietet, der kommt uns komisch vor. Seine Undurchsichtigkeit empfinden wir als anstrengend. Schließlich wollen wir doch nur unsere Kontakte verwalten und uns nicht jeden Tag wieder neu auf jemanden einstellen. Martin ist der Ernste, Leah die Sensible, Felix ist der Entertainer und Sarah die Schlaue. Und so soll das gefälligst auch bleiben.

Wir entwickeln eine Demoversion von uns selbst

Daumen hoch für solche, die spannend sind, interessant, süß, lustig, abgedreht, schlau, cool, verrückt - wie auch immer, Hauptsache kurzweilig, einprägsam und kohärent. Wie es euch gefällt - ist die Weisung der Stunde. Dabei entfernen wir uns von dem, was uns außergewöhnlich macht, und posten stattdessen nur das, was unmissverständlich ist. Werbung statt Wahrheit.

Wie ein Marketingstratege, der für seine Auftraggeber eine Corporate Identity, eine Unternehmensidentität, aus Briefkopf, Werbejingle und Konzernduft erschafft, entwickeln wir ein Image von uns selbst, eine Demoversion. Der eine präsentiert sich als Abenteurer und postet nur noch Fotos in Badehose zwischen Steinklippe und Meeresoberfläche, die andere inszeniert sich als Partyqueen und teilt mit uns jeden Morgen ihre bewegten Nächte, der Dritte lädt ständig Fotos seiner angerichteten Speisen hoch. Sechs Mal Daumen hoch für einen Beitrag über einen selbst gemachten Schmorbraten, und schon hat eine Konditionierung stattgefunden. Merke: "Irgendwas übers Kochen schreibe ich mal wieder." So posten wir nur noch Sachen, von denen wir wissen, dass man sie leicht konsumieren kann, und die zu der erdachten Version von uns passen. Aber selbst die wählen wir nicht selbstbestimmt.

In einem populären Netzwerk wie Facebook kommen Freunde und Bekannte aus vielen verschiedenen Kontexten zusammen: Exfreund und Verlobter, Chef und Traumchef, Freundin und Feindin, Mutti und One-Night-Stand, Partyfreunde und Vermieter - alle in einem virtuellen Raum. Und genau dieser Umstand hindert uns daran zu tun, was man üblicherweise von Menschen im Internet erwartet: mit Identität zu experimentieren. Alles, was Missfallen hervorrufen könnte, sortieren wir aus: Faulpelz, Säufer, Lästermaul, Aggressor, Heulsuse und viele andere. Übrig bleiben nur ein paar gängige Hochglanzcharaktere - aus deren Pool können wir uns einen aussuchen.

Heißt: Am Ende haben wir uns für ein allseits geschätztes und leicht verständliches Image entschieden; geben uns eindimensional, schreiben überschwänglich freundlich, verzichten auf negative Emotionen und verkneifen uns Zynismus. Denn dafür gibt's keinen Applaus - zumindest nicht von allen in unserer heterogenen Freundesliste. Und es funktioniert, die hochgeladene Demoversion kommt gut an. Wie könnte auch eine Person, die es allen so verdammt einfach macht, sie zu mögen, auf Ablehnung stoßen? Das Publikum bestätigt uns in unserer Rolle: "Gefällt mir, was du machst. Weiter so." So gewinnt es Einfluss darüber, wer wir sind.

Identität ist nicht statisch

Identität entsteht seit jeher im Austausch mit der Umwelt. Sie ist nicht statisch. Wir probieren uns in unterschiedlichen Rollen, zeigen Facetten unserer Persönlichkeit und erhalten dafür Feedback. Erfolgreiche Stücke werden wieder und wieder aufgeführt, irgendwann akzeptieren wir dann unsere Rolle darin als Teil unserer Identität. Beachtung hat die Kraft, uns zu verändern. Sowohl im echten Leben als auch online.

Der Unterschied: Das Feedback, das wir offline bekommen, ist niemals so unmissverständlich wie der virtuelle Daumen. Internetfreunde mit ihrem "Gefällt mir"-Button prägen uns schneller, weil uns ihr Lob häufiger und unmittelbarer erreicht. Blöd nur, dass sie uns nicht bestätigen, wie wir nachts sind, wenn wir bei öliger Pizza zusammensitzen, sondern diese lahme Demoversion aus dem Internet.

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