Internet-Einkäufer werden blitzschnell durchleuchtet

21. April 2003, 13:58 Uhr

Der moderne Shopper kauft so ein: Im Internet das Gewünschte anklicken, in den Einkaufswagen damit und ab zur virtuellen Kasse. Ein Hamburger Unternehmen prüft dann die Zahlungsfähigkeit in Sekundenschnelle.

Ob die Käufer auch solvent sind, wird in Seknunden überprüft

Weil viele Bürger beim Online-Shoppen dem Netz noch nicht ihre Kontonummer oder die Nummer der Scheckkarte anvertrauen wollen, wird häufig auf Kredit gekauft, also gegen Rechnung. Was die wenigsten Käufer wissen: In dem Moment, wo sie ihre Bestellung elektronisch abschicken, werden sie schon durchleuchtet. In Sekundenschnelle prüft der Computer, ob der Kunde kreditwürdig ist.

12 Millionen Bürger gespeichert

Eine der bedeutendsten Firmen zur Kreditprüfung von Privatleuten auf dem deutschen Markt ist die Hamburger Wirtschaftsauskunftei Bürgel. Sie hat Daten von zwölf Millionen Bürgern gespeichert. "Unser Geschäftsbereich Business to Consumer wächst um 15 bis 20 Prozent im Jahr, hier liegt noch großes Potenzial", sagt Bürgel-Marketingchef Johan Zevenhuizen.

Wirtschaftsauskünfte sind gefragt

Das 1.000-Mitarbeiter-Unternehmen Bürgel ist eine von zwei großen Wirtschafts-Auskunfteien in Deutschland, das andere ist Creditreform in Neuss. Hauptgeschäft von Bürgel sind klassische Informationen unter Geschäftsleuten: Kann ein Kunde seine Rechnung bezahlen? Ist ein Geschäftsführer eines anderen Unternehmens schon einmal aufgefallen? Wie komme ich an mein Geld? Mitarbeiter in ganz Deutschland tragen ständig öffentlich zugängliche Informationen zusammen.

Kein Kreditkauf bei negativer Auskunft

Bürgel hat nach eigenen Angaben Informationen über zwölf Millionen Privatpersonen gespeichert, die aus Schuldnerregistern, Gerichtsentscheidungen und anderen Quellen zusammengetragen worden sind. Gegen 1,4 Millionen dieser Personen wurden allein 2002 gerichtliche Zwangsmaßnahmen wegen Schulden eingeleitet. Bei Bürgel heißt das "hartes Negativmerkmal" - wer so gespeichert ist, wird kaum noch Waren auf Kredit kaufen können.

Kunden bemerken nichts

"Der Boom der Internet-Einkaufsmöglichkeiten hat auch unser Geschäft verändert", erzählt Zevenhuizen. Firmen wie Amazon oder Otto verlangen eine Bonitätsprüfung in Sekundenschnelle. "Die Kunden kriegen das gar nicht mit", sagt der Manager. Rund einen Euro kostet eine Online-Abfrage. Der Betrag ist gut angelegt, selbst wenn es um Mini-Käufe von 20 Euro geht. "Viele Firmen gucken vor allem auf den Vertrieb und sehen nicht, dass sie ihre Einnahmen manchmal eher verbessern können, wenn sie auf einen schlechten Schuldner als Kunden verzichten", erklärt Zevenhuizen.

Letztendlich entscheidet der Händler

Was aber ist mit Kunden, die nicht in der Bürgel-Datenbank stehen oder sich mit Tricks wie falsch geschriebenen Namen verstellen? Auch hier gibt es für die Firmen Entscheidungshilfen. So vergleicht der Computer in einem Hamburger Gewerbegebiet zum Beispiel Adressen, oder ähnlich geschriebene Namen. Auch das Wohngebiet kann in die Bewertung einfließen: Wer in Nachbarschaften oder Häusern wohnt, in denen der Anteil von Schuldnern sehr hoch ist, fällt auf. Ob der Kredit-Kauf aber am Ende abgelehnt wird, oder die Bestellung nur gegen Sofortzahlung rausgeht, bleibt immer Entscheidung des Händlers. Bürgel gibt in erster Linie Hilfestellungen.

Daten können auch wieder gelöscht werden

Schuldner bleiben allerdings nicht für immer in den elektronischen Karteikästen: Drei Jahre nach dem Abschluss ihres Verfahrens müssen die Informationen nach dem Datenschutzrecht gelöscht werden. Und wer seine Schulden aus eigener Kraft früher loswird, kann mit einer gerichtlichen Bescheinigung bei Bürgel die Daten löschen lassen.

Zahlungsmoral schlecht wie nie

Wie wichtig eine Kontrolle der Kunden-Bonität ist, zeigen neueste Zahlen: Die Zahlungsmoral der Deutschen ist schlecht wie noch nie: Im vergangenen Jahr stieg die Zahl der gegen säumige Schuldner verhängten gerichtlichen Zwangsmaßnahmen um 7,2 Prozent auf 1,4 Millionen Fälle. Die Zahl der Offenbarungseide kletterte um 6,3 Prozent auf fast 900.000. Gegen 471.000 Schuldner ergingen Haftanordnungen, ein Zuwachs von 5,3 Prozent. Nach Angaben von Bürgel sind das die höchsten Werte seit Beginn der Statistik im Jahr 1996.

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