21. Januar 2013, 10:30 Uhr

Kim Jong Uns Truman Show

"Sie sind Geiseln in ihrem eigenen Land": Nach der umstrittenen Nordkoreareise des Google-Verwaltungsratschefs Eric Schmidt meldet sich nun dessen Tochter zu Wort - und findet harsche Worte.

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Google-Verwaltungsratchef Eric Schmidt beim Besuch in Nordkorea©

Nach dem umstrittenen Besuch von Google-Chef Eric Schmidt im abgeschotteten Nordkorea hat dessen Tochter Sophie den Besuch in dem "sehr bizarren" Land in einem Internet-Blog geschildert. "Unser Besuch war eine Mischung aus gut organisierten Treffen, perfekt inszenierten Besichtigungen und wirklich menschlich wirkenden Momenten", schrieb die 19-Jährige am Wochenende in einem Blog mit dem Titel "Es kann nicht seltsamer werden". Sophie Schmidt hatte ihren Vater bei dem dreitägigen Besuch in dem Land Anfang Januar begleitet.

Internetzugang stark begrenzt

"Wir hatten keinen Kontakt mit Nordkoreanern, die nicht ordnungsgemäß vom Staat abgesegnet wurden, und wir waren nie weit weg von unseren zwei Aufpassern", schrieb die 19-Jährige. Über die Besichtigung einer Online-Bibliothek in der Kim-Il-Sung-Universität berichtete sie, zwar hätten etwa 90 Studenten vor den Computern gesessen, niemand habe aber wirklich etwas getan. "Einige scrollten oder klickten, aber der Rest starrte nur vor sich hin", schrieb Sophie Schmidt. Kein einziger habe aufgeblickt, als die Besuchergruppe den Raum betreten habe. "Sie hätten auch Figuren sein können."

Außerdem schrieb sie: "Meiner Auffassung nach wird Nordkoreanern beigebracht, dass sie glauben sollen, in Nordkorea glücklich zu sein. Warum sollten sie das Land also verlassen? Sie sind Geiseln in ihrem eigenen Land, ohne ein Bewusstsein dafür. [...] Es ist wie in einer landesweiten Truman Show."

Als eines der isoliertesten und zensiertesten Länder der Welt verfügt Nordkorea lediglich über eine Art Inlands-Intranet mit einer sehr geringen Zahl an Nutzern. Experten zufolge kann nur die Elite des Landes auf das Internet zugreifen, was auf wenige hundert und maximal tausend Menschen zutrifft. Eric Schmidt hatte nach eigenen Angaben bei seinem Besuch in dem Land erklärt, dieses werde sich nicht entwickeln, sollte es nicht für die Internet-Freiheit eintreten. Die US-Regierung hatte den Besuch Schmidts kritisiert, über den bislang nicht viel bekannt wurde.

cf/AFP
 
 
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