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14. Dezember 2009, 09:58 Uhr

Luxuriöse Adresse

Neben ".de" oder ".com" können Firmen sich bald auch ihren eigenen Namen als Internetendung sichern. Es ist die größte Neuordnung des Webverzeichnisses, die sich aber viele nicht leisten können - oder wollen. Von Andrea Rungg

Domain, Internet, Top Level

Unternehmen können sich künftig ihre eigene Domain registrieren. Doch günstig ist so eine Adresse nicht© Julian Stratenschulte/DPA

Die Frau klingt resigniert. Vier Stunden lang hat der Verband der deutschen Internetwirtschaft Eco über die Vergabe neuer Internetadressen referiert. Jetzt meldet die Zuhörerin aus der letzten Reihe sich zu Wort: "Nachdem ich jetzt alle Redner angehört habe, stelle ich fest, dass wir uns eine neue Top-Level-Domain gar nicht leisten können." Obwohl sie für ein mittelständisches, börsennotiertes Unternehmen arbeitet, dürfte ihr Wunsch einer eigenen Adresse mit der Endung .masterflex daher unerfüllt bleiben.

Im neuen Jahr will die oberste Internetaufsichtsbehörde Icann sogenannte Top-Level-Domains (TLD) freigeben. Neben Endungen wie ".de", ".com" oder ".org" sind dann zahlreiche andere Domain-Namen möglich. Die Initiative ist die größte Neuordnung in der 25-jährigen Geschichte des Web-Adressenverzeichnisses. Firmen könnten ihren Namen hinter den Punkt setzen - sich also beispielsweise .audi oder .lufthansa sichern. Doch wer eine eigene TLD erwerben möchte, muss tief in die Tasche greifen.

Verfahren gegen Netzbetrüger

Allein die Gebühr für die Bewerbung beträgt 185.000 Dollar. Hinzu kommen Ausgaben für den Betrieb der TLD und Beratungshonorare. In Summe könnten die Kosten Experten zufolge allein im ersten Jahr auf bis zu 700.000 Euro steigen - ein Betrag, den nur finanzstarke Unternehmen stemmen können. Selbst die aber hegen Einwände: So stellen Microsoft und Lego infrage, ob neue Webadressen überhaupt nötig sind. Markenrechtler befürchten hingegen eine Flut neuer Verfahren gegen Netzbetrüger. So hat allein Microsoft sich vorsichtshalber mehr als 24.000 Domain-Namen gesichert - auch Vertipper wie microsofft.com.

Die Icann hat mittlerweile bereits die dritte Bewerbungsanleitung veröffentlicht. Auf 255 Seiten ist detailliert dargelegt, wer sich wie für eine neue TLD bewerben kann. Zum Verfahren sind unter anderem Unternehmen, Organisationen, aber auch Regionen mit geläufigen Wörtern oder Namen zugelassen. Privatpersonen sind ausgeschlossen.

Die Behörde rechnet damit, dass sich vor allem die Top-500-Unternehmen für eine neue TLD interessieren. Diese dürften nicht nur versuchen, den eigenen Namen zu sichern. Auch TLDs wie ".auto" oder ".bank" seien begehrt. Doch die Begeisterung hält sich in Grenzen. Nur der Onlinehändler Ebay hat bisher Interesse gezeigt. "Unternehmen, die befürchten, dass es andere Unternehmen geben könnte, die sich um dieselbe TLD bewerben, werden öffentlich nicht kundtun, dass sie eine Bewerbung einreichen werden", sagt Torsten Bettinger, Anwalt der Kanzlei Bettinger Schneider Schramm.

Auch der Autobauer Volkswagen will sich das Gezerre um neue Domain-Namen entspannt anschauen. "Wir werden das Verfahren zunächst beobachten", sagt eine Sprecherin. Das Verfahren und der Schutz einer neuen Domain seien sehr kostspielig. VW braucht allerdings auch allein aus markenrechtlichen Gründen nicht befürchten, dass die Icann ".volkswagen" oder namensähnliche Domains an Dritte vergibt. "Unternehmen mit international bekannten de-Adressen stehen jetzt noch nicht unter Handlungsdruck", sagt Mario Rehse vom Hightech-Verband Bitkom. Eng würde es eher für Unternehmen mit dem Namen Triumph". Hier gibt es sowohl einen international bekannten Motorradbauer als auch einen Unterwäschehändler. Beide sind also quasi gezwungen, die Bewerbung zum Stichtag vorzulegen. Denn die Icann entscheidet nach dem Prinzip: First come, first served.

Umgewöhnung ist aufwendig

VW ist aber noch aus einem anderen Grund zurückhaltend: Die Einführung von ".eu" hätte dem Unternehmen gezeigt, dass die Internetnutzer trotzdem immer wieder über ihre Länderdomain auf die Unternehmensseite gelangt wären. "Die Unternehmen haben die Internetnutzer auf eine Domain eingestellt und die Umgewöhnung auf eine neue Top-Level-Domain ist aufwendig", bestätigt Bitkom-Experte Rehse. Da müssten sie dann das Marketingbudget aufstocken.

Über dieses Problem muss die Mitarbeiterin von Masterflex gar nicht nachdenken, da ihr Unternehmen sich ohnehin keine TLD leisten kann. Immerhin bekam sie noch einen Tipp eines Diskutanten: "Investieren Sie doch lieber in die Suchmaschinenoptimierung. Dann wird Ihre Firma auch gefunden." Ein Tipp, der die aufwendige Ausweitung der TLD zum Rohrkrepierer werden lassen könnte.

Gefunden in ... ... der Online-Ausgabe der "Financial Times Deutschland"

Von Andrea Rungg
 
 
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