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25. Oktober 2007, 06:00 Uhr

Frust beim Handykauf

Den Mobilfunk-Kunden brummt der Kopf, das zeigt eine Studie von Tomislav Logara, Absolvent im Telematik-Management. Im Gespräch mit stern.de verrät er, warum Verkaufsgespräche Kunden überfordern - und wie sich ein neues Handy entspannter kaufen lässt.

Ratlos im Mobilfunk-Geschäft: Laut einer Studie sind viele Kunden mit Werbung und Verkaufsgesprächen überfordert© Martin Meissner/AP

Herr Logara, sie haben 400 Experten und Konsumenten über die Erfahrungen beim Telefon-Kauf befragt. Warum beschäftigt Sie der Frust der Mobilfunk-Kunden?

Seit 2005 bin ich als externer Mobilfunk-Experte sowie auch als Produkt- und Verkaufstrainer bei einem großen Telekommunikations-Konzern tätig. Daher lag die Frage immer wieder nahe: Wie reagieren die Konsumenten auf Verkaufsgespräche für Handys und Mobilfunk-Angebote? Wo liegen die Probleme?

Schwer verständliche Technik und zu viel Fachjargon im Verkaufsgespräch kennen fast alle Kunden. Wofür also die Studie?

Durch meine eigene Tätigkeit als Verkäufer sind mir einige Probleme schon zuvor bekannt gewesen. Diese wollte ich nur noch durch die Studie beweisen. So ist es zum Beispiel so, dass im Durchschnitt jeder Bürger in Europa sein Handy nach acht Monaten wechselt. Ich bin der Meinung, da ließe sich noch viel mehran Hardware als auch an Services verkaufen, wenn es nicht so kompliziert für die Kunden wäre. Die Kunden sind häufig doppelt belastet - zum einen durch die Technik an sich, die sich ja ständig weiterentwickelt. Zum anderen auch durch die Kommunikation mit dem Verkäufer. Wird es zu schwierig für den Kunden, fühlt er sich schnell überfordert und entscheidet sich gegen den Kauf.

Überraschen Sie die Ergebnisse?

Allerdings haben einzelne Details mich schon überrascht. Zum Beispiel die Tatsache, dass 71 Prozent der befragten Konsumenten mit dem Begriff Voice-over-IP überhaupt nichts anfangen konnten. Das wäre zum Beispiel etwas, was im realen Leben mehr Beachtung finden müsste.

Käufer sind laut ihrer Studie mit der Technik überfordert. Rund 92 Prozent der Befragten gaben an, mit dem Begriff HSDPA nichts anfangen zu können. Wem fällt der Umgang damit besonders schwer?

Es sind vor allem die älteren Herrschaften, Menschen ab vierzig Jahren, die sich mit der Technik schwer tun. Für sie braucht es eben ein anderes Verkaufsgespräch als für einen, den wir bei uns "Jungspund" nennen. Also jemand, der sich mit der Technik gern beschäftigt und diese auch schon vor dem ersten Schritt in den Laden kennt.

Wie reagieren Kunden auf Gespräche mit Verkäufern, die Produkte mit Datenübertragung per EDGE anpreisen und die laut Ihren Ergebnissen lediglich fünf Prozent der Konsumenten kennen?

Da gibt es zwei Reaktionen, die besonders häufig auftreten: Entweder der Kunde versteckt sein Unwissen und gibt nicht zu, dass die Informationen ihn überfordern. Das betrifft vor allem Jüngere. Ältere Kunden hingegen reagieren gern zynisch, wenn zu viele Technik-Fakten auf sie einprasseln. Sie sagen dann: "Kann es auch Kaffee kochen?" und geben ähnliche Kommentare ab. Außerdem fragen Sie eher nach, wenn sie etwas nicht verstanden haben. Im schlimmsten Fall ziehen sich die Kunden zurück, der Standardspruch ist immer: "Danke, ich überleg's mir noch mal." Ein klassisches Verhaltensmuster, das dem Verkäufer und auch dem Unternehmen letztendlich ein Warnsignal sein sollte.

Was ärgert den Kunden?

Er will keine zusätzlichen Probleme, denn die Technik versteht er nicht auf Anhieb. Er möchte ein gutes Gefühl kaufen und kein "Information Overloading" erleiden, wie es im Fachjargon heißt. Außerdem kommt es ganz darauf an, was dem Kunden ein gutes Gefühl beschert. Der eine will einfach nur ein Handy zum Telefonieren, Jüngere wollen etwas Innovatives und setzen auf Prestige. Darauf muss sich ein guter Verkäufer einstellen können.

Welche Folgen haben misslungene Verkaufsgespräche und missverständliche Werbung?

Es wird weniger gekauft, als eigentlich möglich wäre. Und es wird in Zukunft nicht einfacher, die Technik entwickelt sich weiter, sie wird komplizierter. Daher kommt es mehr denn je darauf an, dass das Produkt richtig verpackt wird. Nur so können Unternehmen es schaffen, das Geld nicht mehr für Werbung verbrannt wird, die nichts erreicht. Auch Werbeinvestitionen müssen sich lohnen.

Die Technik wird komplizierter - wie behalten Kunden im Geschäft den Überblick?

Da gibt es ein passendes Zitat von Aristoteles: "Wer fragt, der führt." Das gilt auch beim Gespräch im Laden. Einfach nachhaken, immer wieder Fragen stellen und das, was man wissen will, auf den Punkt bringen. Und es ist keine gute Idee sich etwas aufschwatzen zu lassen, dann lieber einen anderen Verkäufer verlangen oder - im schlimmsten Fall - den Laden wechseln.

Wieso lassen Unternehmen es also zu, dass Kunden frustriert das Geschäft verlassen?

Dieses Thema habe ich auch in meiner Studie mutig ansprechen wollen. Es hängt vor allem mit Ignoranz und Arroganz der Unternehmen zusammen. Ein Produktmanager, der sich mit seinem Produkt permanent auseinandersetzt, hat ein anderes Verständnis und somit auch eine andere, teilweise sogar illusorische Erwartung an den Privatkundenmarkt als ein Verkäufer. Dieses Eigenleben der Entwickler gilt es zu durchbrechen und stattdessen einen realitätsnahen Bezug zum Markt aufzubauen. Einem Verkäufer fällt meistens sehr schwer, seine Art der Kommunikation zu ändern, da für ihn das Beratungsgespräch ein automatisierter Prozess ist. Den wiederholt er regelmäßig und festigt ihn somit - auch wenn er damit nicht erfolgreich ist. In diesen Fällen müssen Unternehmen gezielt schulen und somit gegensteuern.

Sie sind selbst Trainer und schulen andere Verkäufer für Kundengespräche. Wie geht ein guter Verkäufer vor?

Er muss den Kunden vor allem auf der Bauchebene erreichen, versuchen etwas menschlicher zu sein. Wie kompetent man selbst ist und wie viele Daten, Fakten und Zahlen man aufzählen kann, das interessiert den Kunden nicht. Er will nur das finden, was er sucht und dabei ein gutes Gefühl haben. Als Trainer merke ich, wie schwer es schon ist, die Verkäufer darauf vorzubereiten. Da sitzen häufig Experten, die sich bestens mit der Technik auskennen. Und das möchten sie auch den Kunden weitergeben - egal, ob er das will oder nicht. Das sind harte Brocken, die es zu überzeugen gilt.

Als Rat für den nächsten Handy-Kauf: Müssen Kunden als Profi in das Geschäft kommen oder reicht es zu wissen, wie viel Geld ausgegeben werden soll?

Das Wichtigste ist: Man muss selbst wissen, was man haben will. Außerdem ist es hilfreich, sich ein wenig mit den Preisen der gewünschten Produktgruppe, zum Beispiel Musikhandys, auszukennen. Vorab kann es auch helfen, sich über den Kundenservice zu informieren - ein wenig Vorbereitung braucht es also schon. Wenn ich zum Beispiel ein Kamerahandy haben möchte, sollte ich wissen, was es bedeutet, wenn eine Kamera 1,3 Megapixel hat und was das genau aussagt.

Interview: Kathrin Warncke

"Mobile Business im B2C"

"Mobile Business im B2C" Tomislav Logara, Jahrgang 1981, ist Absolvent des Studiengangs Telematik-Management an der Donau-Universiät Krems in Österreich. Seit mehreren Jahren arbeitet er als Consultant und Vertriebstrainer im Telekommunikationsumfeld für das Trainernetzwerk M[ZWO]. Seine Master Thesis und seine Studien zum Thema "Mobile Business im B2C" hat der Autor als Buch veröffentlicht.

 
 
KOMMENTARE (10 von 15)
 
Anile (27.10.2007, 17:09 Uhr)
Verletzte Eitelkeit oder was???
Was stellen sich denn die meisten hier so an? Mal Hand auf's Herz: bleiben wir jetzt an einer etwas "unglücklich" formulierten Ausdrucksweise hängen? Müssen wir uns wirklich mit solchen Lapalien auseinandersetzen? Hier hat jemand ein gravierendes Problem erkannt und sich damit befasst und alle wollen jetzt auf dem Begriff "ältere Herrschaften" rumreiten? Das sind genau die gleichen Leute, die auch gut finden, daß eine Eva Hermann bei Johannes B. Kerner vorgeführt und rausgeschmissen wird. Es ist echt arm. Und das alles nur wg. einer Kleinigkeit. Ich denke wir haben hier im Land und in der Wirtschaft ganz andere Probleme. Ist aber witzig, daß so viele "ernstzunehmende" Leute sich mit so einer Kleinigkeit auseinandersetzen und eine Diskussion über eine relativen Ausdrucksweise führen. Ich finde es ja nur noch peinlich. Ist doch egal. Ich kenne zwar Menschen die auf die 60 zugehen und jünger sind als andere mit knapp 40, aber diese würden sich wg. so einer Kleinigkeit nicht aufregen. Deshalb sind sie ja auch jung. Die, die sich aufregen, sind die, die sich angesprochen fühlen und wahrscheinlich auch nicht ganz grundlos. Laßt uns doch mal über Handys reden und über die eigentliche Problematik, die ENDLICH, ENDLICH jemand erkannt und publik gemacht hat. Ich habe auch lange Handys verkauft und bisher haben sich immer alle darüber beschwert, daß sich niemand um den Endkunden und sein Verständnis kümmert. Und das war ja auch richtig. Jetzt aber wo es ENDLICH jemand anspricht, motzen auch wieder alle rum. Kann man es den Leuten in Deutschland überhaupt rechtmachen oder stimmt das Klischee vom motzenden Volk. Ich hoffe doch nicht. Ich mag kein Motzer sein (und deswegen schnell alt aussehen). Laßt uns doch alle bißchen locker bleiben und die Dinge mit Humor nehmen.
thomas_m (27.10.2007, 02:21 Uhr)
Unverschämtheit
Beim Handykauf hatte ich bisher folgendes Problem: ich habe noch nie ein Produkt gefunden, dass ich wirklich wollte.
Manche Modelle, die mir gefallen konnten zuviel, hatten unzählige Gimmicks, die mich gar nicht interessierten und die ich nicht teuer bezahlen will. Andere überzeugten mich nicht vom Design.
Deshlab machte ich immer Kompromisse und hatte nie ein gutes Bauchgefühl.
Jetzt kommt das Ding, das wollte ich schon haben, da kannte ich nur den Namen: iphone.
Kaufen werde ich es mir jedoch vorerst nicht. Ich werde wie beim ipod auf die zweite oder dritte Generation warten. Arme Verkäufer, die es mit mir zu tun bekommen.
Ich gehöre mit knapp über 40 zu den "älteren Herrschaften", so hat mich bisher noch keiner bezeichnet.
Herr Logara, von Ihnen würde ich mir nichts verkaufen lassen.
anuhea (26.10.2007, 23:52 Uhr)
Das war Satire, oder?
Ich hoffe nicht, dass so ein Mensch Geld dafür bekommt, dass er solche Platitüden und Vorurteile von sich gibt. Ist Herrn L. klar, dass es durchaus Menschen jenseits der 40 gibt, die wesentlich intelligenter sind als er, mit Lebenserfahrung, die genau wissen, was sie möchten, und das nicht alle paar Monate.
air-kemme (26.10.2007, 10:12 Uhr)
....wissen was man will....
da ich selber bei einem großhändler für handys arbeite weiß ich aus erfahrung das die meißten nicht wissen was sie wollen. will ich nur ein handy mit meiner "aufladekarte" betreiben um im notfall mal agerufen zu werden (bring doch bitte noch milch mit), oder will ich n obrklassehandy mit kamera + mobilem internet damit ich die in 15 megabyte datenvolumen die ich mit der wap option in meinem vetrag nutzen kann auch ausschöpfe? brauche ich 80 megabyte internen speicher, oder reicht es, das mein handydy sms von "schatzi" abspeichert? wie oft habe ich im bekanntenkreis schon "du arbeitest doch in so nem handyladen, ich will das neue nokia, das silberne, flache, mit der camera wo se überall werbung machen, das gibt´s doch für nen euro" gehört. wenn ich dann nach ca 1ner std rausgefunden habe, um welches gerät es sich nun handelt + ich dann mit dem "netto händler einkaufspreis + mehrwertsteuer" komme (woran ich nur ca 10,- € verdiene), fällt denen alles aus dem gesicht. das es die geräte nur bei abschluss eines vertrages für 1nen bzw 29,- oder 49,- gibt ist den meißten nicht bewusst. also vorher informieren + preise vergleichen. ich geh ja auch nicht los & kaufe irgend ein auto, sondern z.b. den "vw schlag-mich-tod 2.0 tdi, mit 135 ps, klima, zentral, elek fensterheber, sitzheizung, servo, alufelgen und cd/mp3 radio" !
starmax (26.10.2007, 06:00 Uhr)
Aha, die Kunden
sind also dazu da, dem Verkäufe die Arbeit zu erleichtern... Oh nein
Das ist Aufgabe des Anbieters, dem Kunden das richtige Fotohandy samt Auflösung zu vermitteln. Der Kunde muß nur wissen: mit Kamera oder ohne.
Da ist sicherlich keine Koryphäe ihres Fachs befragt worden.
besserwisser76 (26.10.2007, 05:54 Uhr)
für alle die es nicht kapieren
ich bin der gleichen Meinung wie Herr Logara..habe selber 5 Jahre im Verkauf eines Mobilfunk-Anbieters gearbeitet,ich rede also aus Erfahrung.ich glaube Herr Logara will hier keinen auf den Schuh steigen,auch nicht unsere älteren Herrschaften,es ist einfach zu schwer für viele,-hand aufs Herz wer weiss schon was:WCDMA 2100; HSDPA EGPRS QVGA-TFT DTM Multislot-Klasse 11 MPEG-4 VGA-Format UPnP MP3/AAC/AAC+/eAAC+/WMA/M4A etc. bedeutet!!!??? ich als 'kenner' tu mir da schwer und ich bin keine 40! es ist zu komplex und die meisten wollen einfach nicht mit überflüssigen kram informiert werden...genau wie das wettrüsten unserer PCs nie endet,endet das Multifunktionshandy nicht bei der weiterentwicklung..
-zu dem Traum:es gibt über 500 verschiedene handys,ich glaube da findet sich bestimmt auch eins mit ihrer wunschausstattung.
-zu Alexander:die verkäufer braucht man für ne beratung um dann im eigenem heim im net einzukaufen :-)
-zu joaka:da das Handy zum glück nicht nur ein telefon ist,haben viele leute jetzt nur ein handy dabei statt:
mp3-player(für sie walkman),
fotokamera,
pda(terminkalender),laptop(tragbarer Computer),
spielkonsole(Atari)...so viel taschen hab ich ja gar nicht!
die es brauchen nutzen es auch.. da frag ich mich: lebst du noch oder wohnst du schon?!
-bei den jüngeren kam immer die frage auf-was kann das alles? bei den etwas älteren kam:kann des auch telefonieren? --also wem soll ich was erzählen,zu viel ist zu viel und zu wenig ist auch net gut!
Fakt ist,das ich jetzt mein Handy-wecker stelle und ins Bett gehe!
Duesseldorferin (25.10.2007, 16:58 Uhr)
An Joaka
Danke, lieber Joaka, dass Sie genau wissen, was ich brauche! Ich persönlich nutze sehr gerne Email übers Handy, nehme an Ebay-Aktionen teil und lade Musik runter, weil ich keinen MP3-Player mit mir rumtragen will. Und Sie wollen mir einreden, ich brauche das nicht -nur, weil Sie es nicht brauchen?
Oder sind Sie auch der Meinung, es braucht auch keiner einen Porsche, weil Sie lieber Panda fahren?
Ziemlich dämlich und egoistisch, sorry!
michianso (25.10.2007, 14:09 Uhr)
Ich habe einen Traum
Und der sieht so aus: Handys können beliebig konfiguriert werden, so wie ein Auto auch.
Kamera: Ja/Nein
MP3: Ja/Nein
Bluetooth: Ja/Nein
...
So wäre man nicht darauf angewiesen entweder ein Handy zu kaufen, mit dem man nur Telefonieren kann und dafür aussieht wie durch den Wolf gedreht, oder eines zu nehmen, das nach etwas aussieht und dafür mit Funktionen und Gadgets hoffnungslos überladen sind.
atride (25.10.2007, 13:29 Uhr)
@jasta35b
"Das Problem für den Verkäufer von Null-Zusatznutzen-Artikeln dürfte eher sein, dass sich diese älteren Herrschaften nix mehr so leicht vormachen lassen..." genau so ist es, danke!
jasta35b (25.10.2007, 13:22 Uhr)
Ja, ja, die Menschen über 40...
Ja, ja, diese begriffstutzigen über 40-jährigen, schlimm. Man sollte dem Herrn Consultant mal erklären, wer denn die Handys entwickelt hat und wie alt diese Leute nun so sind...
Das Problem für den Verkäufer von Null-Zusatznutzen-Artikeln dürfte eher sein, dass sich diese älteren Herrschaften nix mehr so leicht vormachen lassen...
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